HTC One X: Die Kraft der vier Herzen

Performance und Bedienung

Noch vor wenigen Wochen stellte der Tegra 3 das derzeitige Ende der Fahnenstange dar. Lassen sich die beeindruckenden Werte auch in Leistung umsetzen? Eindeutig jain.

Die „vier plus eins“ geregelten Kerne sollen dem 1800 mAh Akku nicht so schnell die Puste ausgehen lassen. Standby- bzw. Sprechzeiten von weit über 400 Stunden bzw. knapp 10 Stunden sprechen zumindest theoretisch eine deutliche Sprache. In der Praxis hängt natürlich wie immer alles vom Nutzerverhalten ab. Verbraucher wie Bluetooth, WLAN, heller Bildschirm usw. sowie intensive Nutzung z.B. beim Gaming lassen den Akkustand wie Schnee in der Sonne schmelzen. Dieses Schicksal teilt das HTC One X allerdings mit seinen Mitbewerbern. HTC ist zugute zu halten, dass es ständig um verbessertes Batterie-Management bemüht ist. Wir haben während des Testzeitraumes bereits dass dritte Software-Update erhalten (aktuell: SW-Version 1.29), und jedes Mal hielt die Batterie ein wenig länger durch.

Mit ca. 20 s bis zur Eingabe des PIN-Codes ist der Bootvorgang einer der schnellsten in dieser Klasse. Der Fastboot-Mode lässt sich in den Einstellungen bei Bedarf ausschalten.

Die Erwartungen an einen Vierkerner sind zu recht hoch, und das HTC One X kratzt im Quadrant-Mischtest nach einem Performance-steigernden Software-Update an der 5000-er Marke. Auch im aussagekräftigen Vellamo-Test setzt es sich mit ca. 1600 Punkten nach unseren Messungen mit an die Spitze, noch vor den bisherigen Performance-Platzhirschen Asus Transformer Prime (Tablet mit ebenfalls Tegra 3). Wer könnte dem Tegra 3 – bis auf den gerade vorgestellten Exynos 4214 im Samsung Galaxy SIII – Paroli bieten? Im kleinen Bruder des HTC One X, dem HTC One S, werkelt ein Qualcomm Snapdragon der neuesten Generation (S4 Krait), ebenso in der AT T-US-Version des HTC One X (deutscher Name: HTC One XL). Der mit „nur“ zwei Kernen ausgerüstete, in Strom sparender 29 nm Technologie gefertigte Chip erreicht beim Quadrant-Standardtest ähnliche Werte wie der Tegra 3 und lässt ihn beim Vellamo-Test locker hinter sich, zumindest im HTC One XL.

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Auch wenn das eine oder andere noch neuere Smartphone mit etwas höheren Leistungsindices aufwarten mag, so liegt die Rechenpower des HTC One X weit jenseits der Geräte mit Prozessoren der vorherigen Generation.

 

Beim reinen Grafik-Benchmark kann die Kombi HTC One X/Tegra 3 gut mit anderen bisherigen Spitzengeräten mithalten. Wichtig für eine Vergleichbarkeit sind wie üblich die Offscreen-Tests, bei denen das HTC One X relativ gut abschneidet.

Performance-Fazit

Geballte Rechenleistung gepaart mit ordentlichen Grafikwerten siedeln den Vierkerner im Spitzenbereich aktueller Smartphones an. Aktuell besser sind beispielsweise das äußerlich identische HTC One XL mit „nur“ Qualcomm Dual-Core-Prozessor und das Samsung Galaxy SIII.


HTC hat dem One X lediglich zwei Hardwaretasten spendiert, eine Lautstärkewippe und den Stand-by- bzw. Power-On/Off-Schalter. Ansonsten fehlt die sonst typische Menü-Taste, die unter HTC Sense softwaremäßig gelöst ist, erkennbar an drei senkrechten Punkten. Die verbliebenen, gut kontrastrienden drei Softkeys hat HTC als „Zurück/Back“, „Startbildschirm/Home Screen“ und (neu) „letzte Apps“ ausgelegt.

Android Ice Cream Sandwich (ICS) „pur“ ist an sich schon ziemlich bedienerfreundlich geraten, da ist es fast schon schade, wenn die Taiwanesen die hauseigene Oberfläche HTC Sense 4.0 darüber setzen. Sie bietet neben dem schon bekannten „aktiven Sperrbildschirm/active lock screen“ und bis zu 7 personalisierbaren Startbildschirmen eine neu organisierte Taskleiste sowie eine Favoriten-Taste, die mit Widgets der wichtigsten Applikationen belegbar ist.

Das Durchblättern der App-Screens, Programmaufrufe, Scrolling usw. gestalten sich bei dem Vierkerner – wie nicht anders zu erwarten – äußerst flüssig, Stocker und Zögerer gehören der Vergangenheit an.

Und endlich, endlich ist auch eine Funktion für Screen Shots/Screen Capture implementiert, die HTC auf zwei Wegen ermöglicht: Entweder über „Power + Home“ (Abspeicherung des Screen Shots in „Fotos“ DCIM) oder „Power + Vol down“ (Abspeicherung in PicturesScreenshots).

HTC und andere Mitbewerber haben die Umstellung auf Android 4 genutzt, um eine der häufigst genutzten Applikationen – Einstellungen/Settings – kräftig aufzuräumen. Dabei werden die je nach Herstellerauffassung wichtigsten Einstellmöglichkeiten (z.B. WLAN, Bluetooth) im oberen Teil des Bildschirms optisch abgesetzt, der Rest erschließt sich durch fleißiges Scrollen. Spätestens wenn es ans Eingemachte der Settings geht, ist es mit intuitiv jedoch vorbei; ein Schicksal, das ICS mit iOS und anderen entwickelten Mobil-Betriebssystemen teilt.

Stellvertretend hierfür steht beispielsweise „HTC Fingerbewegungen“, deren Funktion für „Media Link HD“ aktiviert sein sollte (Wischen mit 3 Fingern nach rechts), jedoch für Gamer deaktiviert werden muss, wenn für Spiele mehr als 3 Finger benötigt werden.

Natürlich sind Bedienelemente wie Pinch-Zooming oder Steuerung über das übliche Sensorenpaket nicht verloren gegangen. Einen großen Schritt Richtung Barrierefreiheit z.B. für Menschen mit Sehschwächen hat Googles ICS mit verbesserter Spracherkennung und -steuerung getan, die zwar an Apples Siri oder Samsungs S Voice nicht heranreicht, für die meisten Alltagsanwendungen jedoch sehr brauchbar ist. Wer mehr möchte, greife zum Sprachassistenten Vlingo, der etwas übertrieben als kostenlose Siri-Alternative bezeichnet wird. Darüber hinaus gibt TalkBack wahlweise sogar ein gesprochenes und taktiles Feedback, um auch blinden oder stark sehbehinderten Nutzern durch Elementbeschreibung (Vorlesen) eine Bedienung zu ermöglichen oder erleichtern.

Bedienungs-Fazit

Android Ice Cream Sandwich mit HTC Sense 4.0 plus geballte CPU-Power gestalten die Bedienung des HTC One XL einfach und flüssig. Geht es in die Tiefen der „Einstellungen“, ist die Bedienung jedoch weniger intuitiv.

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