Aus für Teasi/Tahuna

Mitte 2012 erschien das erste Teasi One auf dem deutschen Markt. Keine zehn Jahre später verschwindet das zeitweise meistverkaufte Freizeit-Navi wieder von der Bildfläche.
Das erste und das letzte Teasi-Gerät. Bemerkenswerte Software-Leistung: Selbst die Teasis der ersten Generation konnten noch mit den aktuellen Updates versorgt werden

 

GPS-Geräte der Marke Teasi/Tahuna sind nun Geschichte. Was in Fachhandelskreisen schon länger bekannt zu sein scheint, wurde dem Endkunden bisher noch nicht offiziell präsentiert: Es gibt keine neuen Geräte mehr, auch vom Zubehör sind nur noch Restbestände vorhanden, und wann der Software-Service eingestellt wird, ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Nach außen heile Welt

Der Teasi/Tahuna-Kunde merkt davon bislang noch nichts – es gibt weiterhin die Tahuna-Webseite sowie das Tahuna-Tool (also die Software für PC/Mac, um Updates und Karten auf die Teasi/Tahuna-Geräte zu laden sowie Touren zu planen), und auf dem Smartphone läuft nach wie vor die Tahuna-App. Doch es werden keine Updates mehr für die Outdoor-Navis erstellt und die Karten werden vorerst auch nicht erneuert. Dies teilte uns das für die Teasi/Tahuna-Software zuständige Unternehmen GPS Tuner mit.

Innovativ, aber leider erfolglos: Das Teasi Volt war schon früh eine Lösung für E-Bikes

 

Die Lager sind leer

In einigen Online-Shops werden zwar noch Teasi/Tahuna-Geräte angeboten, doch inzwischen scheinen die Lager (fast) leer zu sein. Auch um die Ersatzteilversorgung steht es nicht gut, denn schon Ende 2019 hatte der Hauptlieferant für die Befestigungssysteme, Herbert Richter, Konkurs angemeldet.

Links: Die klassische Teasi-Halterung stammte von Herbert Richter. Rechts: Zwischenzeitlich gab es ein reichhaltiges Teasi-Zubehörprogramm.

 

Schleichender Rückzug

Bei genauer Betrachtung erstaunt das nun erfolgte Ende von Teasi/Tahuna eigentlich nicht. Schon vor Corona gab es auf den Messen mit Teasi-Tahuna-Ständen nichts wesentlich Neues vorzuzeigen. Die Gerüchteküche drehte sich um ein neues Gerät auf Android-Basis, das aber nie erschien. Die Tahuna-Newsletter für Teasi/Tahuna-Endkunden brachten seltsam belanglose Inhalte. Bei den letztjährigen Publikumsmessen, wo Teasi/Tahuna über Jahre hinweg sehr engagiert über die KOMSA vertreten war, fehlte dann schließlich auch der Teasi/Tahuna-Stand.

 

Das Teasi Core – ein minimalistischer Radcomputer ohne GPS-Modul, der mit der Tahuna-App gekoppelt eine Navigation ermöglicht, erwies sich leider als Flop.

 

Hinter den Vorhängen

Die Rolle der einzelnen Akteure im Teasi-Tahuna-Theater ist durchaus komplex, aber hier bei pocketnavigation konnten wir einige Akte bereits begleiten. Ideengeber des Teasi-Projektes war Matthias Arnold bei der KOMSA, damals Produktmanager im Automotive-Bereich. Als Hersteller und Servicedienstleister fungierte die Hannoveraner Baros GmbH mit ihrem Geschäftsführer Alexander Osberger, das ungarische Unternehmen GPS Tuner lieferte die Software für Gerät und PC. Die KOMSA kümmerte sich um Marketing und Distribution. In dieser Konstellation erschien Mitte 2012 das erste Teasi One.

Lange Zeit ein richtiges Erfolgsmodell: das Freizeitnavi Teasi One

 

Erster Einbruch: die Baros-Pleite

Am 4. September 2018 meldete die Baros GmbH Insolvenz an (wir berichteten hier darüber). Mit der Folge, dass Käufer sämtlicher Teasi/Tahuna-Modelle keine Garantieansprüche mehr geltend machen konnten – das steht bis heute auf der Tahuna-Seite unter „Garantie“. Als neuer Hardware-Partner etablierte sich nun die Cabt GmbH, mit Alexander Osberger als Managing Director und dem alten Standort Hannover als Serviceadresse.

Von Teasi zu Tahuna

In der Folgezeit versuchte die KOMSA, den neuen Markennamen „Tahuna“ zu etablieren. Denn die Marke „Teasi“ hatte sich Osberger gesichert, „Tahuna“ hingegen die KOMSA. Beim erfolgreich eingeführten Namen „Teasi“ kein einfaches Unterfangen, doch schließlich trugen die Geräte der letzten Serie nicht mehr das Teasi-Logo, sondern zeigten die Tahuna-Schildkröte. Wer im Netz „Teasi“ sucht, wird zu „Tahuna“ umgeleitet. Und das letzte Modell heißt dann auch offiziell „Tahuna Teasi One 4“. Der Wechsel des Markennamens hat schlussendlich aber auch nicht vor dem Aus retten können.

 

Erster Ausverkauf? Im März 2021 bot Conrad das aktuelle Teasi-Modell für einen Preis an, der weit unter dem UVP lag.

Rückzug der KOMSA

Matthias Arnold, von vielen als der Motor des Teasi/Tahuna-Projektes angesehen, arbeitet inzwischen bei der KOMSA in einem völlig anderen Bereich. Die Pressesprecherin der KOMSA, Andrea Fiedler-Braunschweig, teilte uns mit: „Der Markt für Fahrradnavigationsgeräte hat sich stark gewandelt. Inzwischen sind die integrierten Navigations-Apps in Smartphones sehr gut ausgereift und stellen für Biker eine gute Alternative dar, sodass wir uns entschieden haben, keine weiteren GPS Geräte bzw. entsprechendes Zubehör der Marke TAHUNA zu vertreiben. Wir freuen uns, dass wir mit den TEASI- und TAHUNA-Produkten viele Biker auf ihren Touren über viele Jahre begleiten durften. Serviceanfragen können weiterhin an das Servicecenter der Cabt GmbH erfolgen (first-servicecenter.de).“

Garantie?

Wer nun aktuell Probleme mit seinem Teasi/Tahuna-Gerät hat, erhält über die Internetseite „First-Servicecenter“ (betrieben von der Cabt GmbH) automatisierte Hilfestellungen. Ob laufende Garantieleistungen für die neuen Teasi One4-Modelle noch geleistet werden, konnten wir nicht mit Sicherheit feststellen. Direkte Anfragen bei der Cabt GmbH scheitern derzeit schon an der nicht funktionierenden Captcha-Technik auf deren Webseite, auf E-Mail-Nachfrage erhielten wir bislang keine Antwort.

 

Das Tahuna-Tool wird von GPS Tuner betrieben, wird für Updates und Kartentransfer eingesetzt, und man kann auch damit Strecken planen. Fragt sich nur, wie lange noch.

 

Teasi nutzen bis zum Ende

Somit ist die aktuelle Situation für Endkunden: Wer ein Teasi/Tahuna hat, kann es weiterhin solange nutzen, bis das Gerät streikt. Bei einem Hardwaredefekt ist es Elektronikschrott. Zum Tourenübertragen oder auch zum Löschen von Dateien braucht man das Tahuna-Tool nicht – fertige Tourenvorschläge aus dem Internet lassen sich als gpx-Datei per Kabel auf das Teasi übertragen, wenn man den PC-Dateimanager einsetzt.

 

Tourenvorschläge kann man als gpx-Datei auf das Teasi kopieren, wenn es per Kabel am PC/Mac angeschlossen ist. Dazu muss man sie einfach in das Verzeichnis „Bikenav\Imported Trips“ kopieren.

Externe Dienstleister bei Softwareproblemen

Immerhin gibt es mit der Macoimex GmbH einen auf Teasi/Tahuna-Geräte spezialisierten Händler, der nach eigenen Angaben zwar keine Hardwareschäden mehr beheben kann, aber bei Softwareproblemen durchaus zur Seite steht. Gegen eine Servicepauschale von 29,99 Euro (inklusive Rückversand) wird ein eingesendetes Teasi/Tahuna wieder softwaretechnisch auf den neuesten Stand gebracht, und einige Zubehörteile sind auch noch auf Lager, so die Betreiber. Das Ersatzteilangebot ist erreichbar unter ErTeTa (der Name steht für Ersatzteile für Teasi und Tahuna) .

Wie geht es weiter?

Auch der ungarische Softwarelieferant GPS Tuner bestätigte uns, dass es mit dem deutschen Hersteller Cabt vorerst keine weiteren Teasi/Tahuna-Geräte geben wird. Wie lange das Tahuna-Tool und damit aktuelle Karten noch bereitgehalten wird, konnte uns Matyas Kurta, Key Account Manager bei GPS Tuner, noch nicht definitiv sagen: „Möglicherweise bis Ende des Jahres, vielleicht wird es auch schon früher eingestellt“. Geräte-Updates gibt es jedenfalls keine mehr. Nun hängt offensichtlich alles von GPS Tuner ab. „Die Frage nach der App-Bereitstellung und den Karten-Updates liegt in der Entscheidung des Softwareherstellers. Wir sind mit GPS Tuner aktuell in Klärung und werden TEASI-/TAHUNA-Nutzer dann über die Website informieren“, so Andrea Fiedler-Braunschweig von der KOMSA. Nach der Eurobike (die läuft Anfang September) solle es eventuell weitere Informationen geben, so Kurta.

Schade eigentlich

Damit geht die Stille um Teasi/Tahuna nun langsam in Grabesruh über. Schade eigentlich, denn die Idee eines preiswerten, einfach zu benutzenden Freizeit-Navis hatte sich durchaus bewährt. Nach Angaben der KOMSA (mit Bezug auf GfK-Daten) war das Teasi One zeitweise das meistverkaufte Freizeit-Navi in Deutschland. Ob ein „Tahuna/Teasi One 5“ die Rettung gebracht hätte, bleibt Spekulation. Auf jeden Fall hätten die Teasi/Tahuna-Kunden aber eine bessere Information seitens der Anbieter verdient.

4 Kommentare zu “Aus für Teasi/Tahuna

  1. Ja das sind leider sehr schlechte Nachrichten für Teasi Fans wie mich. Leider müssen wir uns wohl damit abfinden dass die Geräte komplett vom Markt verschwinden werden.
    Ich war beim geringen Preis immer sehr zufrieden damit.
    Dass es nun so bergab geht hätte glaube ich keiner erwartet.
    Aber zum glück gibt es ja noch Geräte von anderen Herstellern auf dem Markt. Wenn auch nicht zu solch attraktiven Preisen.
    Auf kurz oder lang muss dann wohl jeder wieder sein Gerät für sich finden.

  2. Nach Anfangsschwierigkeiten Mit Teasi Pro habe ich mich an die Eigenheiten gewöhnt. Allerdings hat Teasi die von mir beanstandeten Fehler nie beseitigt / korrigiert. Und schon deshalb habe ich für Teasi/Tahuna schon seit ca. 5 Jahren keine wirkliche Zukunft gesehen. Wie sich Ahnungen doch bestätigen. Schade dass die Teasibefestigungstechnik auch mit stirbt, den die war wirklich klasse.

  3. War immer zufrieden, es war einfach zu bedinenen und ist nie ausgefallen. Ein g Garmin werde ich mir sicher nicht kaufen. Mit dem Smartphone will ich auch nicht arbeiten. Na ja noch funktioniert es ja, wer weiss was kommt.

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