AMPY MOVE Strom aus Bewegung im Test

Externe Akkus sind praktisch, jedoch vergisst man leicht, sie nach einem Einsatz wieder aufzuladen. Der AMPY MOVE Akku verspricht, sich durch alltägliche Bewegung wieder aufzuladen. Wir haben getestet ob dieser Traum mit dem AMPY MOVE wahr wird…

Externe Akkus helfen uns zuverlässig, die Laufzeit unserer mobilen Geräte zu verlängern. Externe Akkus gibt es in nahezu allen Bauformen und Kapazitäten, wie unser Vergleichstest zeigt. Doch alle haben einen gemeinsamen Nachteil: Vergisst man den Zusatzakku aufzuladen, schleppt man nur unnötiges Gewicht mit sich herum. Wäre es nicht ein Traum, wenn sich die Powerbank unterwegs durch unsere Bewegungen automatisch wieder aufladen würde? Genau diesen Traum möchte das Produkt AMPY MOVE erfüllen. AMPY MOVE wurde über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter mit über 300.000 Dollar finanziert.

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Das Versprechen von AMPY: Eine Stunde intensive Bewegung erzeugt genug Energie, um ein Smartphone eine Stunde oder aber eine Smartwatch 24 Stunden lang zu nutzen.

Wir haben das Produkt ausführlich getestet und zeigen, ob das traumhafte Versprechen erfüllt werden kann!

Konzept und Hardware

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Boost Turbine 2000

Körperliche Bewegung ist eine Form von Energie und wir nutzen diese z.B. schon lange in Form von Dynamos an Fahrrädern, um Bewegungsenergie in elektrische Energie umzuwandeln. Darüber hinaus gibt es sogenannte Kurbel-Ladegeräte auch für Smartphones, wir haben z.B. die Boost Turbine 2000 ausführlich getestet. Dieses Gerät erzeugt mit einer durchaus hohen körperlichen Anstrengung verbunden immerhin 0,5 bis 1 Watt Dauerleistung und 3-4 Watt Spitzenleistung. AMPY MOVE hingegen möchte die normale Bewegung des Körpers im Alltag bzw. bei sportlichen Aktivitäten nutzen und so nahezu unbemerkt Energie erzeugen. Da sich an unserem Körper nichts dreht, kann das bewährte Konzept des Dynamos nicht zum Einsatz kommen.

AMPY MOVE verwendet daher zwei Induktionsspulen, welche durch vertikale Bewegungen von Magneten angeregt werden und dadurch eine Spannung erzeugen. Die erzeugte Energie wird in einem internen 1800-mAh-Lithium-Akku gespeichert. Mit dem internen Pufferakku können dann über die USB-Buchse angeschlossene Geräte geladen werden. Eine Mikro-USB-Buchse ermöglicht auch das Laden des internen Pufferakkus über ein normales Ladegerät.

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Der AMPY MOVE wiegt ca. 200 Gramm und ist damit deutlich schwerer als ein normaler externer Akku mit vergleichbarer Kapazität. So wiegt eine kleine Powerbank mit der Kapazität des AMPY nur ca. 50 bis 60 Gramm (siehe: Vergleichstest externe Akkus).

Das Gehäuse des AMPY MOVE ist gut verarbeitet und passt sich durch eine leichte Wölbung gut an einen Arm oder ein Bein an. Leider ist das Kunststoff sehr kratzempfindlich! Dazu notwendig ist das zusätzliche Accessory-Kit, welches aus einer Gürtelhalterung und einer Arm- bzw. Beinhalterung aus Neopren besteht. Am Arm oder Bein ist das Gerät beim Sport deutlich spürbar und störend.

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Der Ladezustand des AMPY MOVE wird über vier blaue LEDs per Tastendruck angezeigt. Ein weiterer Taster signalisiert über eine zusätzliche LED, dass Bewegung in Energie umgewandelt wird. Soweit so gut, doch nun zu den Testergebnissen:

Energie aus Bewegung

Das Versprechen von AMPY lautet:

Eine Stunde intensive Bewegung bringt eine Stunde normaler Smartphone-Nutzung bzw. 5 Stunden Standby.

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AMPY bezieht sich dabei auf ein iPhone 5 und bezeichnet die normale Smartphone-Nutzung aus einer Mischung von aktiver Nutzung 25 % und Standby 75 %. Für ein iPhone 5 mit einem 5,45 Wattstunden-Akku und einer Standbyzeit von 225 Stunden und einer aktiven Nutzungsdauer von 8 Stunden bedeutet das:

Standby-Anteil: 5,45 wh / 225 h * 0,75 = 0,0182 Wattstunden
Aktiver-Anteil: 5,45 wh / 8 h * 0,25 = 0,170 Wattstunden

Summe der Energie nach einer Stunde Bewegung: 0,188 Wattstunden

Bei dieser Rechnung wird der Verlust beim Laden/Entladen eines Lithium-Akkus sowie der Spannungswandlung noch gar nicht berücksichtigt. Um wirklich diese 0,188 Wattstunden im Smartphone zur Verfügung zu haben, muss deutlich mehr Energie erzeugt werden. So benötigt ein iPhone 5 nach unseren Messungen ca. 7,77 Wattstunden für eine vollständige Ladung!

Um die Leistung des AMPY MOVE zu testen, sind wir wie folgt vorgegangen:

  1. Entladen des AMPY mit einer geringen Stromstärke von 100 mA
  2. Pause von einer Stunde, damit sich der Akku wieder erholen kann
  3. Erneutes Entladen des AMPY mit einer geringen Stromstärke von 100 mA
  4. Starten der Aktivität für eine Stunde
  5. Messen der Energie mit einer elektronischen Last und einem Entladestrom von 100 mA

Folgende Werte haben wie erreicht:

  • 1 Stunde schütteln: 40 mWh (viel Spaß!!!)
  • 1 Stunde laufen: 5-20 mWh (abhängig davon, wie das Gerät getragen wird)
  • 1 Stunde gehen: 0-5 mWh (abhängig davon, wie das Gerät getragen wird)

Diese Werte sind derart gering, dass eine praktische Nutzung der Energie nicht möglich ist. Teilweise sind die gemessenen Werte sogar noch durch eine Resterholung des Akkus zu erklären. Nutzt man AMPY MOVE z.B. in einer Handtasche (wie vom Hersteller als Option angegeben), ist es mehr als fraglich, ob die Energie ausreicht, um überhaupt die Selbstentladung des Akkus auszugleichen!

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In den Kickstarter-Kommentaren haben sich bereits viele Kunden verärgert gezeigt, wobei davon auszugehen ist, dass einige Nutzer kaum in der Lage sein werden, zu prüfen, ob und welche Ladeleistung erreicht wird. Beispiel:

Entlädt man AMPY ganz normal mit einem Smartphone bis die LED-Statusanzeige auf dem Gerät 0 LEDs anzeigt und lässt AMPY dann 1-2 Tage liegen, so zeigt der LED-Status danach wieder 1 LED an. Der Grund liegt darin, dass sich die Spannungslage eines Lithium-Akkus nach einer Entladephase immer wieder etwas erholt. Bewegt ein Nutzer nun in diesen 1-2 Tagen den Akku und prüft dann nach dieser Zeit den Ladestatus über die LEDs am Gerät, so wird er sich denken: Prima, ich habe durch meine Bewegungen das AMPY von 0 auf 1 LED geladen, tolles Gerät! In Wahrheit aber sagt dieser Zustand nichts über die eingeladene Kapazität aus.

Trotz dieser Tatsache haben auch viele andere Tester in den Kickstarter-Kommentaren mittlerweile gemerkt, dass das Versprechen von AMPY bei weitem nicht erfüllt  zu sein scheint und der Traum von der bewegten Energie damit geplatzt ist.

Um einen Gerätedefekt auszuschließen, haben wir ein zweites Gerät bestellt, welches die gleiche minimale Leistung aufweist. Natürlich können wir eine Beurteilung nur für unsere beiden Testgeräte vornehmen und nicht vollkommen ausschließen, dass andere Geräte auf eine bessere Leistung kommen.

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Kapazität und Leistung als Powerbank

Als Lösung wird von AMPY gerne empfohlen, dass AMPY MOVE über ein Ladegerät zu laden, um so immer sicher Energie zu haben. Dieser Ratschlag ist zwar praktisch sinnvoll, passt aber nicht zur Idee des AMPY. Dennoch haben wir natürlich auch die Leistung und Kapazität des AMPY MOVE getestet, wenn es wie ein normaler externer Akku verwendet wird:

  • Kapazität bei 1 Ampere Entladung: 5,35 Wattstunden

Damit ist das zweite Versprechen von AMPY nicht erfüllt. Der Hersteller wirbt damit, dass ein iPhone 6 (Kapazität 6,91 Wattstunden) mit dem AMPY voll geladen werden kann. Ein iPhone 6 benötigt für eine vollständige Ladung mind. 8-9 Wattstunden und kann deshalb mit einem AMPY MOVE maximal zu 2/3 geladen werden!

  • Maximale Ausgangsleistung: 1,3 A bei 4,94 Volt = 6,4 Watt

Zumindest bei der maximalen Ausgangsleistung, welche der Hersteller mit 1 A bei 5 Volt angibt, werden die Erwartungen erfüllt bzw. leicht übertroffen.

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AMPY+ App

AMPY hat zusätzlich eine Smartphone-App mit dem Namen AMPY+ entwickelt. Diese App übernimmt Bewegungsdaten aus dem google Fit Account bzw. iPhone Health Kit und errechnet daraus die durch AMPY MOVE erzeugte Energie. Es findet also keine tatsächliche Messung im AMPY MOVE statt, sondern eine reine Schätzung durch die am Smartphone erkannten Bewegungen. Wir haben die App nur kurz getestet und keine für uns wirklich plausiblen Werte erhalten. Wir interessieren uns nicht für Schätzungen und Wunschvorstellungen des Herstellers, sondern vertrauen unseren tatsächlichen Messungen.

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Fazit

Es wäre zu schön gewesen: Man trägt das kleine und durchaus hübsche AMPY MOVE einfach am Körper oder in seiner Tasche und dieses lädt sich, wenn auch langsam, über die Tage wieder auf und man hat immer einen vollen Akku wenn man diesen benötigt. Dank dieser genialen Vorstellung ist es AMPY gelungen, viele Nutzer für seine Kickstarter-Kampagne zu begeistern. Keiner hat erwartet, dass man mit wenigen Stunden Bewegung ein Smartphone vollständig laden kann, aber eine messbare Ladung sollte durchaus machbar sein.

AMPY verlangt den stolzen Preis von 129 Dollar für das AMPY MOVE plus Zubehör, liefert aber nicht die versprochene Leistung. Die durch Bewegung erzielte Energie ist minimal bis nicht messbar und lässt unserer Meinung nach keinen praktischen Nutzen erwarten! Die Nutzung als externer Akku ist zwar möglich, allerdings ist das hohe Gewicht und die geringe Kapazität dem Preis nicht im entferntesten angemessen! Wer aus Bewegung Energie erzeugen will, sollte sich lieber bewährte Dynamolader wie z.B. die Boost Turbine 2000 zulegen, aber auch von diesen durchaus brauchbaren Geräten keine Wunder erwarten.

Insgesamt raten wir vom Kauf des AMPY MOVE dringend ab und können das Gerät nicht empfehlen!

Wir sind gespannt, wie andere Käufer reagieren werden und ob es dem Unternehmen gelingt, das Produkt vielleicht doch noch zu verbessern. Unsere Vermutung: Man hat sich bei der Entwicklung vermutlich zunächst den Output der Induktionsspulen angesehen und war zufrieden. Unterschätzt wurde dann die Umwandlung der ungleichmäßigen Energie in eine für Akkus brauchbare Ladespannung und die Verluste durch Umwandlung und Speicherung.

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11 Kommentare zu “AMPY MOVE Strom aus Bewegung im Test

  1. Your findings are not surprising. Another engineer has provided his thoughts here: drop-kicker.com/2014/11/ampy-and-juse/

    Don’t you think their marketing is highly misleading? It is almost fraud, wouldn’t you agree?

  2. Awesome comprehensive and thorough testing of Ampy. I was one of the early „complainers“ of how this product fails to deliver it’s promise of powering devices through motion. It really is nothing more then an overpriced power bank with a motion gimmick. I was wondering how is Ampy treating you in the refund process?

  3. und es wird einem wieder bewusst was elektrische Energie bewirkt oder wie aufwändig es ist sie effizient einzusammeln. Die Idee/ das Prinzip ist sicher gut aber eben höchst ineffizient. Das ist Physik. Denkt auch an die Dynamo-Taschenlampen, den Teelicht-Lader, Campingkocher mit USB-Ausgang…
    Wenn was anderes beworben wird, wird es natürlich unseriös.

  4. Ich habe mir als Preorder auch 2 Ampys bestellt, habe sie aber noch nicht, sind laut Lieferverfolgung aber zumindest schon mal in Deutschland … die Hoffnung stirbt natürlich zuletzt … wenn sich Eure Testergebnisse auch bei mir so bewahrheiten, dann ist das für mich schon Betrug, dann bin ich leider auf eine schöne bunte Website reingefallen. Es war mir natürlölich klar, dass mein Smartphone nicht mit ner Stunde Spazieren gehen voll wird, aber das so gar nix bei rumm kommt … 🙁

    1. Spare Dir Zeit und Nerven und sende die Dinger direkt wieder zurück! Es gibt nicht einen Tester in den Kickstarterkommentaren der Positives zu berichten hat. Leider ist das ganze wirklich nahe am Betrug.
      Wäre schön wenn Du unseren Test bei Dir auch verlinkst 🙂

  5. Tobias, you should read this technical breakdown: http://drop-kicker.com/2016/01/ampy-move-teardown-and-review/

    It confirms everything you said and more. Ampy is intentionally misleading customers. They claim they don’t use crappy old technology from those shakeable flashlights. Guess what? They in fact, DO use the same crappy old technology in the Ampy Move.

    Now Ampy Move is posting fake reviews to Amazon: http://www.amazon.com/AMPY-Wearable-Portable-External-Accessory/dp/B013V9BTT2/ref=cm_cr_pr_product_top?ie=UTF8

    They are truly shameless. Can you believe it? Three engineering PHDs. Shouldn’t they know better? Or do they only care about profit?

  6. Ich kann mir gut vorstellen, dass eure Tests soweit stimmen, aber ihr solltet noch einen Fehler von der Webseite korrigieren:
    Zuerst heißt es, Ampy beziehe seine Angaben auf ein I-Phone 5, dann schreibt ihr, sie würden von einem I-Phone 6 reden… Widerspruch (auch, wenn es nichts ändert)
    Vielen Dank für den Test, ich wäre der Werbung fast auf den Leim gegangen.

    1. ich meine Ampy bezieht sich auch mal auf das iPhone 5 und an anderer Stelle dann wieder auf das iPhone 6…
      Ich finde die Stellen jetzt spontan nicht mehr auf deren Webseite, aber wie Du richtig sagst ist das alles völlig egal, denn das Ergbenis ist so eindeutig: man kann gar nix damit laden 🙂

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