Ladeschaltung NC-17 AppCon 3000 im Hands-On

Der AppCon 3000 von NC-17 ist eine Ladeschaltung mit hohem Wirkungsgrad, die sich im Steuerrohr des Reiserades montieren lässt, aber auch nach wenigen Handgriffen als mobile Powerbank mit ins Zelt genommen werden kann.

Ladeschaltungen sind das Kraftwerk des Reiseradlers – sie regeln den Strom des Dynamos und laden über eine USB-Buchse Verbraucher wie Smartphones, GPS-Geräte oder auch nur Powerbanks. Dabei sollen sie einerseits bei langsamer Fahrt möglichst viel Leistung bringen, andererseits bei schneller Fahrt nicht durch die hohen Spannungsspitzen des Nabendynamos zerstört werden. Sie können auch Akkuzellen enthalten, die einerseits für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung des Verbrauchers (z. B. ein GPS-Gerät am Lenker) sorgen, andererseits als Powerbank dienen, die duch den Nabendynamo nachgeladen wird.

Der AppCon 3000 gehört zur Oberklasse dieser Ladeschaltungen. Die vorherige Ausführung – den AppConGT#1 – haben wir hier bereits ausführlich getestet.

Obenliegende Kabel ermöglichen schnelles An- und Abstecken des AppCon 3000

Exklusiv für pocketnavigation

Udo Ochendalski, Inhaber der Herstellerfirma NC-17, stellte pocketnavigation.de ein Exemplar des AppCon3000 exklusiv zum Test zur Verfügung. In seinem Werkraum baute er den AppCon persönlich in unser Testrad ein, und wir konnten die Montage live verfolgen.

Denn im Gegensatz zur Vorgängerversion kann sich der AppCon 3000 nun sehr gut verbergen – nämlich im Steuerrohr des Fahrrades. Diese Bauart ist zum Beispiel vom Mitbewerber Tout Terrain mit seinem “ThePlug” bekannt und erfreut sich unter Reiseradlern großer Beliebtheit. Denn wer möchte schon die edle Optik seines Reiserades mit zusätzlichenKabeln und angeklemmten Bauteilen verschandeln?

Die Führungshülse (unten) wird in den A-Headset montiert und sichert mit einer Schraubkappe den AppCon3000

 

Udo zeigt uns, wie sein Kraftwerk in einer Viertelstunde eingebaut werden kann. Er entfernt die A-Headset-Kappe, schlägt mit einem Spezialwerkzeug die A-Headset-Kralle tief in das Steuerrohr und setzt eine schwarze, 18 cm lange Führungshülse ein – sozusagen die Garage für die eigentliche Powerbank. Mit einem ebenso langen Inbusschlüssel wird die Hülse an der versenkten Kralle festgeschraubt. Jetzt nimmt er sich einen AppCon 3000 und lässt ihn langsam in die Hülle gleiten. Die beiden Kabelenden führen in Fahrtrichtung hinaus (auch andere Richtungen wären möglich). Ein passender Schraubdeckel mit Sichtfenster wird aufgedreht -und der AppCon 3000 ist reisefertig. Jetzt fehlt nur noch die Verbindung zum Nabendynamo. Das mitgelieferte Spezialkabel ist mittels Kabelbinder und Klebetape schnell an Rahmen und Gabel verlegt, bis zum Anschluss an den Nabendynamo. Dort werden die bisherigen Kabel für die Lichtanlage einfach abgezogen, ein Y-Zwischenadapter aufgesteckt und daran die Stecker des AppCon 3000-Kabels montiert. So speist der Nabendynamo nun wie bisher die Lichtanlage und parallel dazu jetzt auch den AppCon.

Die AppCon3000-Hülse steht nur wenig über den A-Headset hinaus

 

Udo ist sehr zufrieden: “Nur 12 Milimeter schaut der AppCon über den Vorbau hinaus”. In der Tat, die Lösung sieht wirklich wertig aus. Durch die beiden dicken Kabel (einerseits die Zuleitung vom Nabendynamo, andererseits die USB-Buchse zur Stromversorgung der Verbraucher) bleibt der AppCon 3000 allerdings optisch immer präsent. Dennoch ist es aus unserer Sicht ein gelungener Kompromiss zwischen Optik und Funktionalität, denn nur obenliegende Kabel  ermöglichen den zweiten großen Vorteil des AppCon 3000: Als mobile Powerbank kann er schnell vom Rad gelöst werden und zum Beispiel im Zelt zum Aufladen verschiedener Verbraucher dienen. Bei unseren Versuchen klappte dies komfortabel und störungsfrei: die gesteckte Kabelverbindung zum Nabendynamo auseinanderziehen, Schraubkappe des Vorbaus kurz abdrehen, AppCon herausnehmen und Schraubkappe wieder aufdrehen.

Schick und schützend: Carbonhülse für den AppCon 3000

 

Pfiffig: Eine passgenaue Carbonhülse wird nun aufgesteckt und gibt dem mobilen Appcon 3000 nicht nur ein trendiges Aussehen, sondern schützt auch seine dünne Metallhülle vor Beschädigung. Und das ist wichtig, denn Dellen könnten das Eintauchen in die Führungshülle empfindlich erschweren.

AppCon 3000 im Carbonkleid

 

Die A-Headset-Lösung eignet sich für die meisten Räder mit Alu- oder Stahlgabeln und einem üblichen A-Headset-Vorbau (24,4 mm Innendurchmesser, 180 mm Einbautiefe). Carbongabeln und MTB-Gabeln haben in der Regel einen geringeren Innendurchmesser bzw. sind häufig konifiziert. In diesem Falle wandert der AppCon 3000 in eine Rahmentasche (24,95 Euro) oder wird luftpumpenähnlich über einen Spezialhalter an der Trinkflaschenhalterung befestigt.

Spezialhalterung am Trinkflaschensockel

 

Auf Udos Werkbank sehen wir das Innenleben der Metallzigarre. Es besteht zur Hälfte aus den Akkuzellen, die mit 3000 mAh auch ein Hochleistungs-Smartphone ein- bis zweimal aufladen können. Die andere Hälfte ist eine Platine, auf der zunächst dicke Kondensatoren verdeutlichen, welche Ströme hier geregelt werden müssen. Denn der AppCon 3000 kann einerseits mit Schnelllade-Netzteilen an der heimischen Steckdose geladen werden und speist von sich aus mit bis zu 2 Ampere externe Verbraucher. Unter den Kondensatoren erscheinen zahlreiche Elektronik-Bauteile und signalisieren, dass wir es hier nicht mit einem einfachen Stromtransformator, sondern mit einer mikroprozessorgesteuerten Regelelektronik zu tun haben. Technischer Kopf hinter dem Appcon 3000 ist der Münchner Ingenieur Thomas Treyer, der das System als “Dynamo Harvester” entwickelt hatte und jetzt für NC-17 weiter betreut.

Innenleben der Ladeschaltung

 

Für den Kunden bleibt die Bedienung aber erfreulich einfach, denn es gibt keinen sichtbaren Schalter. Der  AppCon regelt sich selbst und teilt seine Betriebszustände über eine LED mit, die im seinem Kopfbereich eingebaut ist. Schön und zugleich etwas futuristisch: Durch den transparenten Bereich im Schraubverschluss hat  man die LED auch in eingebautem Zustand immer im Blick.

Eine farbige LED zeigt den jewiligen Betriebszustand

 

Um seine kostbare Energie optimal zu erhalten, besitzt der AppCon einen automatischen Schlafmodus – dann ist auch die LED aus. Zum Aufwecken (um beispielsweise morgens sein Smartphone im Zelt aufzuladen), hält man das Kabelende des Ladesteckers einfach an eine markierte Position der Außenhülle. Durch einen magnetischen “Reed”-Schalter wacht der App Con 3000 dann wieder auf und blinkt grün. Sehr pfiffig, denn dadurch wird ein externer, meist feuchtigkeitsanfälliger und voluminöser Schalter vermieden. Erhält der AppCon Strom über den Nabendynamo, wacht er ebenfalls auf. Bei Überhitzung schaltet sich der AppCon automatisch ab (rot/weißes Blinken), und nach Abkühlung auch wieder ein, um die Akkuzellen vor Hitzestress zu schonen.

Aufwecken des AppCon über den Reedschalter

 

Als Ausgang besitzt der Appcon 3000 eine übliche USB-A-Buchse, die an einem robusten, aber auch flexiblen Kabel hängt– daran können alle USB-Verbraucher angeschlossen werden, die den verbreiteten USB-A-Stecker besitzen.

“Du fährst mit einem vollen Smartphone-Akku los und kommst auch mit einem vollen Akku wieder an” – das gibt Udo seinen Kunden mit auf den Weg. Denn der AppCon 3000 kann gleichzeitig vom Dynamo geladen werden und – sozusagen am anderen Kabelende – auch Verbraucher aufladen. Nur wenn die Lichtanlage des Fahrrades eingeschaltet ist, erfolgt keine Aufladung des AppCon 3000 – dann speist er seine Verbraucher nur aus seinen Akkuzellen.

NC-17 produziert auch Vorbauten – hier ideal für die Kabelführung

AppCon 3000 unterwegs

Um es kurz zu machen: Er tut, was er soll. Nämlich laden. Wir hatten zwar bislang nur Zeit für einige mehrstündige Fahrradtouren, aber auch hier meldete das Smartphone (in unserem Falle ein Samsung Galaxy S7) stetige Zunahme des Akkufüllstandes. Nach durchschnittlich 10 km Fahrtstrecke waren etwa 15 % Ladezuwachs festzustellen, auch in den höheren Bereichen mit über 80 % Füllstand des Smartphones. Das Fahrrad verfügte über einen hochwertigen Nabendynamo SONdeLux, die Fahrten fanden in Reisegeschwindigkeit (meist deutlich über 20 km/h) statt.

Hochwertige, wasserdichte Schnellkupplung mit 6-pin-System, der Magnet für den Reedschalter sitzt in der Ummantelung des rechten Kabels

Zuhause vorladen

Sehr praktisch: Der Akku des AppCon 3000 kann auch zuhause vorgeladen werden, ganz einfach durch Anschluss an ein USB-Steckernetzteil. In unserem Falle brauchte ein 1500 mA-Steckernetzteil allerdings schon etwa 2h 45 min, bis der AppCon 3000 von rot blinkend (= leer) auf grün (= voll) wechselte. Wir werden dies mit stärkeren Netzteilen später weiter testen.

Laden im “Zeltbetrieb”

Das Laden eines Smartphones (Samsung Galaxy S7) über den vom Fahrrad abgekoppelten AppCon 3000 (also zum Beispiel abends im Zelt) haben wir mehrfach durchgeführt. In einer Stunde Ladezeit ist etwa die Hälfte des Smartphone-Akkus wieder geladen.

AppCon-App

Für den AppCon 3000 gibt es auch eine eigene App, sowohl für Android als auch für iOS. Sie nennt sich AppCon GT und ist schon vom Vorgängermodell bekannt. An dieser App arbeitet Entwickler Thomas Treyer allerdings derzeit noch mit Nachdruck, so dass wir hier zunächst keine Wertungen vornehmen wollen. Denn der AppCon 3000 ist auch komplett ohne App einsetzbar.

Für die Earlybird-User: Die App ist schnell und problemlos installiert und zeigt zwei Modi -zunächst den Fahrmodus mit einem stilisierten Fahrradtacho und zahlreichen, frei konfigurierbaren Datenfeldern. Hier können auch beispielsweise Akkufüllstand und Akkuspannung angezeigt werden.

Der zweite Modus dient dem Toureneinsatz. Sehr schön: Tourenvorschläge können als gpx-Dateien über die App eingelesen werden und erscheinen als farbiges Band auf einer Google Karte (natürlich nur bei einer Online-Verbindung). Aktive Navigationsanweisungen werden nicht erteilt, aber das Nachfahren dieser farbigen Linie ist problemlos. Touren können aufgezeichnet, dokumentiert und ausgewertet werden.

Über das Einstellungsmenü wird die App mit dem AppCon 3000 gekoppelt. Zusätzliche Bluetooth-Sensoren (zum Beispiel für die Herzfrequenzmessung) können ebenfalls angebunden werden, ANT+Sensoren leider nicht. Die Kopplung mit einem Bluetooth-Brustgurt funktionierte problemlos. Über die App ist auch ein Firmware-Update der Platine möglich.

Auf einen barometrischen Höhenmesser und einen Temperatursensor, wie er noch im AppCon GT #1 verbaut war, wurde im neuen AppCon 3000 übrigens verzichtet. Diese Werte entnimmt die App nun dem Smartphone bzw. den Messwerten auf der Platine.

Bei der App haben wir dann in der Tat auch noch einige Verbesserungswünsche, zum Beispiel größere Datenfelder mit deutlich besser lesbaren Beschriftungen, sowie eine Offline-Bedienungsanleitung für den AppCon 3000. Das aktuelle Energiemanagement zwischen Nabendynamo, Ladung/Entladung des AppCon 3000 und seinen angeschlossenen Verbrauchern könnte noch deutlich informativer angezeigt werden. Wir sind gespannt auf die nächste Version.

Erstes Fazit:

Der NC-17 App Con 3000 sieht nicht nur am Fahrrad und auch als mobile Powerbank richtig gut aus, sondern ist auch hervorragend verarbeitet, bringt sehr gute Leistung und lässt sich sehr praxisgerecht auf der Radtour einsetzen.

Die Kosten von knapp 300 € für das System mit dem A-Headset-Vorbau wirken anfangs etwas hochpreisig, können sich aber für ambitionierte Tourenradler als lohnenswerte Investition erweisen.

Neben diesem eher praxisorientierten Test werden wir das neue AppCon 3000 noch unserer technischen Tests unterziehen und so unsere Aussagen zur Kapazität, Aus- und Eingangsleistung, Spannungslage, Wirkungsgrad und weiteren technischen Details präzisieren. Für diesen Test benötigen wir allerdings noch etwas Zeit…

Preise und Liefertermin:

Der AppCon 3000 kostet 229,95 Euro, der Montageset für die A-Headset-Integration 69,95 Euro (wird nur an den Fahrradfachhandel verkauft) und die Rahmentasche 24,95 Euro. Etwas Mitte Juli 2018 soll der AppCon 3000 lieferbar sein.

www.nc-17.de

6 Kommentare zu “Ladeschaltung NC-17 AppCon 3000 im Hands-On

  1. Wie sehr hatte ich mich auf dieses Produkt gefreut und nun wurde ein Alleinstellungsmerkmal weggelassen. Der Vorgänger NC-17 Connect AppCon GT 1 besaß noch einen barometrischen Höhenmesser, war jedoch insgesamt etwas schierig am Rad zu befestigen, zumindest wenn man nicht ständig mit einer Extratasche unterwegs sein wollte. Beim NC-17 AppCon 3000 hoffte ich auf die gleichen Funktionen (Sensoren) bei einem praktischeren Format (Verbau im Vorbau). Das wäre genial gewesen.

    Die Höhenmessung per GPS ist einfach immer schlecht. Die Kombination des GT 1 von Dynamoimpulsen für die Geschwindigkeitsberechnung, dem barometrischen Höhenmesser und der Ladefunktion war toll. Das bietet kein anderes Gerät, soweit ich weiß.

    Schade, jetzt bin ich nicht mehr bereit 300 Euro dafür auszugeben. Mit dem Höhenmesser wäre ich dabei gewesen.

    1. Hallo Toor,

      in den letzten Jahren hat sich bei den Sensoren im Smartphone einiges getan. Alle aktuellen Smartphones haben inzwischen einen barometrischen Höhenmesser, um Indoor-Navigation zu unterstützen. Die neue Version der App greift direkt darauf zu, die Höhenmeter werden also nicht per GPS ermittelt. In unseren internen Tests der App funktioniert das genau so wie mit dem barometrischen Sensor, der früher im AppCon GT 1 verbaut war.
      Die App implementiert folgende Höhenmessung: Zuerst wird der Luftdruck in die aktuelle Höhe umgerechnet. Diese Höhe wird zunächst angezeigt. Steigungen und Höhenmeter können mithilfe des Luftdrucks recht genau angezeigt werden, nur die absolute Höhe ist um bis zu 100 meter daneben, je nach Wetterlage. Deshalb vergleicht die App während der Touraufzeichnung kontinuierlich die Luftdruck-Höhe und die GPS-Höhe und gewinnt daraus langfristig einen Korrekturwert, um die Wetterabhängigkeit aus den Luftdruckwerten heraus zu rechnen. Nach ca. 20 Minuten Fahrt sind die angezeigten absoluten Höhenangaben bereits erstmalig korrigiert.

      1. Ich finde das System hervorragend. Ist das es nir mit Nabendynamo zu betreiben oder gibt es Alternativen? An meinem Fahrad befindet sich leider kein Nabendynamo. Eine Umrüstung ist aus Kostengründen nicht rentabel.
        Viele Grüße

        Jörg

  2. Es fehlt aber dringend ein GPS Empfänger auf der Platine zum aufinden des Rades ausschließlich mit Google maps. Als GPS Antenne kann sehr gut der obere silberne Kranz dienen.

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