Bike Laderegler NC-17 AppCon GT #1 im Test

Smartphone App, Tachofunktionen und Fazit

Tachofunktion NC-17 APPCON GT #1

Der APPCON GT #1 kann noch wesentlich mehr, als nur die Energie des Dynamos zu speichern und für USB-Verbraucher verfügbar zu machen. Über Bluetooth kann ein Android- (ab 4.3) bzw. iOS-Smartphone (ab 8.0) gekoppelt werden. Die kostenlose AppConGT ermöglicht die Kommunikation mit dem APPCON GT #1.

Über den Nabendynamo wird die Anzahl der Umdrehungen ausgewertet. Damit die App eine korrekte Geschwindigkeit und die zurückgelegte Strecke berechnen kann, ist zunächst die Eingabe des Radumfanges sowie die Polzahl des Dynamos erforderlich. Für die Bestimmung des Radumfanges verwendet man klassisch ein Stück Kreide und markiert Reifen und Straße. Nun setzt man sich auf das Bike (Reifendruck sollte kontrolliert sein) und rollt 2-3 Umdrehungen. Im Anschluss misst man die Strecke, teilt durch die Anzahl der Umdrehungen und hat den genauen Radumfang. Die App kann unterschiedliche Fahrradprofile speichern.

Die App berechnet folgende Werte, welche wahlweise in der App angezeigt werden können:

screenshot_20160920-085800 screenshot_20160920-085804 screenshot_20160920-090012

Zusätzlich zu diesen Feldern werden die Uhrzeit und der Sonnenstand angezeigt. Insgesamt können bis zu 8 Felder gleichzeitig angezeigt werden.

screenshot_20160920-090118

Bedienung und Konzept der AppConGT APP

Die App läuft, einmal gestartet, auch im Hintergrund und erkennt automatisch, wenn über den gekoppelten APPCON GT #1 Umdrehungen gemessen werden. Die Aufzeichnung der Strecke startet immer automatisch, für jeden Tag wird ein Track angelegt. Die App summiert grundsätzlich alle Werte für einen Tag auf und speichert diese automatisch ab. Am nächsten Tag sind die Datenfelder automatisch wieder zurückgesetzt und es beginnt eine neue Aufzeichnung. Zum einen ist das natürlich super praktisch und bequem, denn es ist ausgeschlossen, die Aufzeichnung zu vergessen und jeder Meter wird automatisch protokolliert. Auf der anderen Seite ist es eben nicht möglich, eine Tour ganz gezielt zu starten und somit als abgeschlossene Einheit zu speichern und auszuwerten. Fährt man also morgens gemütlich zum Bäcker Brötchen holen, versaut man sich bereits die Durchschnittsgeschwindigkeit für die sportliche Tour am Nachmittag und hat keine Option, diese sauber vom restlichen Tag zu trennen.

screenshot_20160920-085720 screenshot_20160920-090031

Leider ist kein Export der Tachodaten realisierbar, lediglich ganze Tage können als GPX-Track exportiert werden, beinhalten aber dann eben die GPS-Daten und nicht die Daten der Dynamo-Auswertung. Die zurückgelegte Strecke wird auf einer Google Maps angezeigt, eine echte Navigation ist leider nicht möglich. Zumindest läuft die App auch als Datensammler problemlos im Hintergrund, so dass eine echte Bike-Navi-App im Vordergrund verwendet werden kann.

Eine Tagebuchfunktion erlaubt die nachträgliche Auswertung von Tagen und bietet über einige Filter recht gute Sortiermöglichkeiten. Alle Daten werden lokal gespeichert, was zwar aus Datenschutzgründen lobenswert ist, aber Sicherungs- und Exportmöglichkeiten fehlen dennoch.

screenshot_20160920-085846 screenshot_20160920-085941

Das Design der App könnte unserer Meinung nach etwas ansprechender gestaltet sein, denn es wirkt nicht mehr ganz zeitgemäß. Insgesamt sind die Optionen der App noch zu eingeschränkt und rudimentär umgesetzt. Von den genannten Schwächen abgesehen, war die AppConGT in unserem Test überaus präzise, zuverlässig und stabil im Betrieb und somit ein sinnvolles Werkzeug zur Aufzeichnung der zurückgelegten Strecken.

screenshot_20160920-085840 screenshot_20160920-085959

Höhenmesser NC-17 APPCON GT #1

Zusätzlich verfügt APPCON GT #1 über einen Luftdrucksensor und einen Temperatursensor. Über den Luftdrucksensor kann eine Höhenveränderung sehr genau bestimmt werden. Die relative Veränderung sowie die Summe der Höhenmeter war in unserem Test sehr genau und einer Berechnung über die GPS-Höhe (wie es z.B. mit einer Smartphone-Navi-App üblich ist) weit überlegen. Die sehr genauen Werte erlauben eine präzise Berechnung der aktuellen Steigung bzw. des Gefälles. Selbst kleinste und sehr kurze Steigungen, die ein GPS-Höhenmesser niemals auswerten könnte, werden präzise erfasst und lassen sich in einem Diagramm darstellen.

Die absolute Höhe wird automatisch über GPS kalibriert, was in der Praxis zu deutlichen Fehlern führen kann. Leider gibt es keinen Weg, eine manuelle Kalibrierung vorzunehmen, auch eine Anzeige des Luftdrucks bzw. dessen Verlauf ist nicht möglich.

Der Temperatursensor wird stark durch die Wärmeentwicklung des Akkus bzw. der Ladeelektronik beeinflusst und hat damit keinen praktischen Nutzen, ist aber vermutlich notwendig, um den Luftdrucksensor weitgehend temperaturunabhängig auszuwerten.

screenshot_20160920-085852screenshot_20160920-085904

Zusätzliche Sensoren

NC-17 bietet einen zusätzlichen Herzfrequenzsensor an, welchen wir nicht getestet haben. Die Anzeige und Auswertung der HR-Daten ist allerdings recht rudimentär.

Genauigkeit der Tachofunktionen im Vergleich zu GPS

Spezielle Bike-Navis verwenden in der Regel GPS, um Geschwindigkeit und zurückgelegte Entfernung zu ermitteln. Die Messung über GPS hat einen wesentlichen Vorteil, es ist kein Radsensor bzw. die Ermittlung des Radumfanges nötig und somit fällt die Inbetriebnahme leichter. Abgesehen davon überwiegen die Vorteile von Radsensoren, da sowohl die Entfernung als auch die Geschwindigkeit schneller und vor allem genauer berechnet werden (saubere Ermittlung des Radumfanges vorausgesetzt). Besonders bei langsamer Fahrt kommt es sowohl bei der Ermittlung der Geschwindigkeit als auch der zurückgelegten Entfernung bei GPS basierten Geräten zu deutlichen Abweichungen. Bleibt man stehen, entsteht nicht selten eine „Wolke“ aus GPS-Messungen und die Entfernung summiert sich im Stand langsam auf. Verhindern kann man dieses Verhalten bei den meisten GPS-Geräten durch die Funktion Auto-Pause. Die Nutzung der Auto-Pause ist jedoch gerade bei langsamen Fahrten bzw. kleinen und kurzen Pausen oft nicht zuverlässig. Auch schwierige Empfangsbedingungen in engen Schluchten (auch Häuserschluchten), Tunneln oder nassen Laubwäldern können den GPS-Empfang stark beeinträchtigen und somit die Werte verfälschen.

Ein Radsensor hat alle diese Probleme nicht. Dreht sich das Rad, wird die Umdrehung gemessen, dreht es sich nicht, weil man steht, wird auch keine Entfernung aufsummiert. Egal wie langsam man fährt oder schiebt, die Entfernung passt immer. Nur wer sein Rad in den Bergen auf einmal tragen muss und das über weite Strecken, ist mit einer Entfernungsermittlung über GPS wieder besser bedient.

Vor allem die Ermittlung der reinen Fahrt- bzw. Standzeit ist über einen Radsensor unschlagbar genau. Daraus ergibt sich auch eine sehr viel präzisere Berechnung der Durchschnittsgeschwindigkeit in Fahrt bzw. in Summe.

Alle theoretischen Vorteile konnten wir im Test mit dem APPCON GT #1 zusammen mit der AppConGT bestätigen.

appcon_gt1_garmin

Fazit NC-17 APPCON GT #1

Der APPCON GT #1 bietet unserer Meinung nach eine hervorragende Methode, die Energie eines Nabendynamos mit hohem Wirkungsgrad bestmöglich zu nutzen. Neben der Energiegewinnung bietet die Bluetooth-Anbindung an ein Smartphone die Möglichkeit, präzise Daten zur Geschwindigkeit und Entfernung zu sammeln. Dank des barometrischen Höhenmessers werden auch die summierten Höhenmeter zuverlässig erfasst.

Sowohl Gesamtkonzept als auch die technischen Messwerte können überzeugen! Leider gibt es aber auch viele kleine Mankos sowohl bei der Hardware als insbesondere auch bei den Smartphone-Apps. Hardware und Anschlüsse könnten durchaus noch hochwertiger und wasserdicht sein. Der Akku sollte vorgeladen und der USB-Ausgang manuell aktiviert werden können.

Die App sollte insbesondere mehr Werte zum Ladezustand des Akkus, der erzeugten Energie und der Energiebilanz zwischen Ein-/Ausgang liefern. Wichtig wären darüber hinaus speziell Export- und Sicherungsmöglichkeiten der Daten und die Option, Touren manuell starten und suswerten zu können. Eine vollwertige Bike-Navi-App wäre sicher eine zu hohe Erwartung, ein Widget, um die präzisen Daten in andere Navi-Apps einzublenden, wäre dagegen eine sinnvolle Alternative.

Letztendlich aber hält das Produkt vor allem in technischer Hinsicht, was es verspricht, APPCON GT #1 gestattet ein sehr effizientes Laden von USB-Verbrauchern über einen Nabendynamo und kann als vollwertiger Tachoersatz verwendet werden. Nur der hohe Preis von EUR 140,81 bei Amazon könnte viele potenzielle Nutzer abschrecken und doch zur guten alten Powerbank greifen lassen. Eine Powerbank mit dem Gewicht von APPCON GT #1 und Nabendynamo ist durchaus in der Lage, 60 Wattstunden zu speichern und benötigt keine zusätzliche Kraftanstrengung. Um diese Kapazität über den Dynamo zu erradeln, sind locker 200-400 km (je nach Geschwindigkeit) nötig.

Die Kombination Nabendynamo + APPCON GT #1  ist also vor allem dann interessant, wenn man Wert auf die Tachofunktionen (inkl. Höhenmesser) legt und keine Lust hat, sich Gedanken über das Aufladen einer Powerbank zu machen bzw. sehr lange Touren ohne Zugang zu Netzstrom plant.

Insgesamt können wir den APPCON GT #1 aufgrund seiner Zuverlässigkeit, seiner präzisen Tachodaten und seines guten Wirkungsgrades trotz der vielen Kritikpunkte empfehlen! Bleibt zu hoffen, dass NC-17 der Ankündigung, die App weiterzuentwickeln, auch Taten folgen lässt und somit das Produkt weiter verbessert.

appcon_gt1_smartphone

Bezugsquelle und Links

APPCON GT #1 kostet EUR 140,81 bei Amazon und ist damit unserer Meinung nach etwas teuer!

In der Art seiner Funktion (Bluetooth u. Tachofunktion) ist APPCON GT #1 aber nahezu alternativlos.

 

Seiten: 1 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.