Garmin Edge 820: Ausflug in die neue .fit-Welt

Ergänzend zu unserem Intensivtest des Edge Explore 820 haben wir einige Tipps und Tricks zur Nutzung des neuen fit-Formats zusammengestellt, das von BaseCamp nicht gelesen werden kann …

In einem früheren Beitrag haben wir die Konvertierungsmöglichkeit von fit-Dateien ins gpx-Format behandelt. Diese Tipps gelten grundsätzlich weiterhin, allerdings hat sich inzwischen eine zusätzliche Variante des fit-Formates bei Garmin-Edge-Modellen entwickelt, die neue Maßnahmen erfordert.

Überraschung: neues fit-Format

Seit einigen Jahren schon nutzen insbesondere Garmins Radsportgeräte das fit-Format, weil es sehr schlank ist und sich insbesondere für Dokumentation, Austausch und Analyse sportbezogener Daten besser eignet als das klassische gpx- Format. Auch einige andere Hersteller wie zum Beispiel Wahoo nutzen fit-Daten.

BaseCamp liest nicht mehr

Somit speichern auch Garmin Edge 820-Modelle ihre Aufzeichnungen als fit-Dateien, und diese Daten konnten zu Beginn auch von Garmin Software BaseCamp eingelesen und dargestellt werden. Im vergangenen Jahr änderte dann Garmin ohne große Bekanntgabe das fit-Datenformat, und wer wie gewohnt fleißig die Garmin Updates installierte, musste plötzlich feststellen, dass BaseCamp die Daten eines Edge 820 nicht mehr lesen konnte.

Auf Anfrage bestätigte uns der Garmin-Support, dass dieses fit-Format (in der Szene „fit 2.0“ genannt) nur für die Modelle Edge 820, Edge Explore 820 und Edge 520 gilt. Der Edge 1000 und auch der neuere Edge 1030 hingegen verwenden ein fit-Format, das von BaseCamp gelesen werden kann. Eine Hoffnung, dass die Edge 520/820-Modelle ein Update erhalten, um wieder ein von BaseCamp lesbares Format zu erzeugen, erfolgte allerdings nicht. Nutzer dieser Geräte sollten sich also darauf einstellen, ohne BaseCamp klarzukommen.

Garmin Connect geht – doch will man davon abhängig sein?

Ist doch eigentlich gar nicht so schlimm, schließlich gibt es das Internet-Portal Garmin Connect oder die App Garmin Connect Mobile, die auch die neuen fit-Dateien lesen können. Allerdings muss man dazu online sein. Spätestens auf Reisen kann sich die Abhängigkeit von einer Mobilfunk-Verbindung als fatal erweisen. Und nicht unbedingt jeder möchte Mitglied der Garmin-Connect-Gemeinde werden. Gerade im Zeichen des sensiblen Datenschutzes sollte man von jedem Hersteller erwarten können, dass man die Daten seiner Geräte auch offline auslesen kann.

Klassische Konverter: begrenzt oder Fehlanzeige

Leider beherrschen auch die häufig genutzten Konvertierungsprogramme das neue fit-Format nicht oder nur begrenzt. GPSies.com kann fit 2.0 zwar umwandeln, gibt aber nur einen Teil der darin enthaltenen Daten wieder aus. GPS Babel oder Route Converter: Fehlanzeige.

Für Kommandozeilennutzer: matzfit

Eine Lösung (allerdings nur für erfahrene PC-Nutzer) findet sich auf der Seite Lichtgriff. Der Autor Matthias Binder („Matz“) hat ein kleines Programm namens „Matzfit“ geschrieben. „Das kleine Tool benötigt das .net Framework 4.5 und läuft auch unter Mono (also Windows, Mac und Linux). Aktuell extrahiert matzfit folgende Daten aus der FIT Datei: Latitude, Longitude, Timestmap UTC, Elevation, Heartrate, Cadence.“

Das funktioniert (nach Download des Programmes) zwar nur mit Kommandozeileneingabe, dann allerdings auch sehr gut. Um es sinnvoll einzusetzen, sollte man die fit-Dateien des Edge 820 in ein zuvor angelegtes, spezielles Verzeichnis des eigenen PCs übertragen.

Beispiel: Man kopiert die fit-Dateien seines Edge 820 in ein neues Verzeichnis D:\Downloads\Anwendungen\matzfit. Dann gibt man nacheinander auf seinem Rechner die folgenden Kommandos ein (jede Zeile ist ein eigenes Kommando, also jeweils mit Return bestätigen):

Taste Win + r

cmd

chdir /D D:\Downloads\Anwendungen\matzfit

matzfit -F „D:\GPX-Dateien\_fitkonv“

Die gesamten fit-Dateien aus diesem Verzeichnis werden dann mithilfe des Programmes jeweils einzeln in gpx-Dateien umgewandelt, und diese sind dann zum Beispiel mit BaseCamp wieder lesbar.

Mehr als nur Reparatur: Fit File Repair Tool

Der Dortmunder Informatiker Mathias Krallmann, Läufer und begeisterter Radsportler, ärgerte sich nach einem anstrengenden Radmarathon über ein defektes fit-File: Die Aufzeichnung seiner gesamten Tour war nicht zu gebrauchen. Er studierte intensiv die Dokumentation des fit-Formates und nach einigen Hotelnächten stellte er sein Reparaturtool im Internet zur Verfügung. Inzwischen ist sein „Fit File Repair Tool“ zum umfassenden Reparatur-, Konvertierungs- und Analysetool angewachsen, das von vielen leidgeprüften Outdoorsportlern geschätzt wird. Nicht zuletzt wegen seiner präzisen Konvertierungsmöglichkeiten, mit denen man zum Beispiel Daten von Suunto-, Polar-und Sigma-Geräten, hrm-, slf oder tcx-Daten auch nachträglich editieren und in andere Formate umwandeln kann. Dafür kostet es auch etwas, nämlich 39,00 Euro für eine Einzellizenz (bis 49,00 Euro inklusive zwei Jahre Support) .

Fundgrube Fit-Format

Wer klassisch nur den Streckenverlauf (mit Höhe, Zeit und eventuell Herzfrequenz) dokumentieren möchte, braucht nach wie vor kein fit-Format. Für Sportler hingegen erweisen sich die Dokumentations- und Analysemöglichkeiten als hervorragend. So kann das fit-Format beispielsweise dokumentieren, von welchem Sensor die empfangenen Daten stammen. Bei „Ereignissen“ kann festgehalten werden, wann die Start/Stopp-Taste gedrückt wurde, wann ein Gangwechsel bei elektronischen Schaltungen erfolgte oder wie der Akkustand war. Einen Überblick liefert die beigefügte Tabelle (aus der Dokumentation des „Fit File Repair Tool“), mit freundlicher Genehmigung des Autors Mathias Krallmann.

Ein Merkmal des neuen fit 2.0-Formates sind übrigens die „Developer fields„, also jene Bereiche, die Fremdentwickler der Garmin Connect IQ-Apps zur Dokumentation ihrer Daten nutzen können.

Fazit

Das fit-Format wird uns wahrscheinlich noch einige Zeit erhalten bleiben. Gerade für Leistungssportler wie zum Beispiel die Nutzer von Vector-Pedalen ist es ein hervorragendes Dokumentationsformat. Schön wäre es, wenn Garmin etwas offensiver (und nicht nur in Entwicklerkreisen) über die verwendeten Varianten informieren würde. Ob die gerade angekündigte neue Version von BaseCamp das fit-Format der Edge 820/520-Modelle lesen kann, bleibt fraglich. Unsere Frage an Garmin, welches Format der neue Edge 520 Plus verwendet, wird vielleicht erst mit Erscheinen der ersten Serienmodelle beantwortet werden.

Anmerkung

Den Edge Explore 820, die preiswertere Tourenvariante von Garmins kompakten Radsportcomputer Edge 820, haben wir hier im Garmin Edge 820 Explore Intensivtest intensiv getestet. Dieser Artikel bezieht sich auf Tests mit einem Edge Explore 820. Es ist zu vermuten, dass sich die meisten Ergebnisse auch auf den Edge 520/820 angewendet werden können.

1 Kommentar zu “Garmin Edge 820: Ausflug in die neue .fit-Welt

  1. Was Garmin sich hier in den letzten Jahren leistet ist eine Frechheit. Kein Standard nicht mal bei ihren eigenen Geräten und Software! Es wird Zeit sich auf andere Hersteller zu fokussieren

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