TRIGAGLOW & trigalight Leuchtanhänger im Test

Tritiumgaslichtquellen leuchten über 10 Jahre ohne Batterie oder Auflandung! Seit kurzer Zeit gibt es auch nach deutschen Gesetzen legale kleine Tritiumgaslichtquellen. Wir haben Leuchtkraft und Radioaktivität getestet…

Eine Lichtquelle, die keine Batterien benötigt, dauerhaft leuchtet und nicht geladen werden muss? Was Homer Simpson kann, können wir schon lange. Tritiumgaslichtquellen leuchten dank des radioaktiven Zerfalls von Tritium mit einer Halbwertszeit von 12,3 Jahren. Das Tritium sendet konstant Betastrahlung aus, die auf eine fluoreszierende Substanz trifft und diese zum Leuchten anregt. Eine Halbwertszeit von 12,3 Jahren bedeutet, dass nach dieser Zeit die Hälfte der Elemente zerfallen ist und die Energie sich halbiert hat. Die Helligkeit einer Tritiumgaslichtquelle hängt vor allem von der Menge an Tritium ab. Hersteller geben die Menge an Tritium über die Gesamtaktivität in Becquerel an. Die Aktivität gibt die mittlere Anzahl der Atomkerne an, die pro Sekunde radioaktiv zerfallen.

Achtung: dieses Bild ist eine Langzeitbelichtung! Bei Tageslicht sieht man das Leuchten nicht!

trigalight_vs_trigaglow

Links: TRIGAGLOW  Rechts: trigalight Marker

Sind Tritiumgaslichtquelle legal?

In Deutschland ist der Besitz und Handel von Tritiumgaslichtquelle mit mehr als 1 GBq verboten bzw. meldepflichtig. Seit kurzer Zeit gibt es in Deutschland legale Tritiumgaslichtquellen mit dem Namen trigalight Marker und TRIGAGLOW. Beide Produkte haben eine Gesamtaktivität unter 1 GBq und sind daher gegenüber anderen Tritiumgaslichtanhängern mit bis zu 17,5 GBq (z.B. trigalight Glowring) oder einer Tritiumtaschenlampe Betalight Torch mit 70 GBq entsprechend schwach.

Sind Tritiumgaslichtquellen gefährlich?

triga_gamme_scoutJPGBei unbeschädigten Tritiumgaslichtquellen tritt kein Tritium aus und die Betastrahlung wird vollständig abgeschirmt. Durch die Abbremsung der Elektronen entsteht jedoch eine sog. Bremsstrahlung im Röntgenbereich, welche eine Strahlenbelastung darstellt. Wir haben die beiden Produkte trigalight Marker und TRIGAGLOW von Greiner mit einem Strahlenmessgerät GammaScout getestet.

Dabei konnten wir nur am TRIGAGLOW eine erhöhte Strahlung messen. Direkt am Anhänger wurden bis zu 1 Mikrosievert gemessen, was dem 5-6 fachen der natürlichen Hintergrundstrahlung entspricht. Die Strahlung hat jedoch keine Reichweite, bereits nach wenigen Millimetern ist die Strahlung nicht mehr messbar. Beim trigalight Marker konnten wir keine Strahlung messen, vermutlich wird die Strahlung durch das dickere Gehäuse besser abgeschirmt.

Ist das nun gefährlich? Unsere Fachkompetenz endet an dieser Stelle, daher möchten wir weder eine Warnung noch eine Entwarnung aussprechen. Wohl wäre uns jedoch nicht bei dem Gedanken, eine Tritiumgaslichtquelle immer am Schlüsselbund in der Hosentasche zu tragen. Gut möglich, dass aber auch diese Sorge völlig unbegründet ist.

Ganz sicher gefährlich wird die Tritiumgaslichtquelle jedoch, wenn sie gewaltsam geöffnet oder zerstört wird. Dann kann das radioaktive Tritium im schlimmsten Fall direkt in den Körper gelangen, wo die Betastrahlung unabgeschirmt auf Zellen trifft und diese schädigen kann. Im alltäglichen Umgang können die kleinen Anhänger jedoch unmöglich zerstört werden, so dass nur eine mutwillige Öffnung das Tritium freisetzen könnte.

Leuchtkraft von trigalight Marker und TRIGAGLOW

Am besten lässt sich die Leuchtkraft in einem Video verdeutlichen!

Hinweis: Leider schluckt die Videokompression von youtube das schwache aber noch recht lange Leuchten der Nitestiks nach ca. 6 Stunden. Das Leuchten der Nitestiks ist entgegen des Videos noch für weitere 6-8 Stunden im Dunkeln zu erkennen. Um diesen Effekt auszugleichen, wurde das Video im Nitestik Test bewusst etwas überbelichtet. Dieses Video verzichtet auf diese Überbelichtung, da sonst die Tritiumgaslichtquellen deutlich heller erscheinen würden, als sie wirklich wahrgenommen werden.

Die Leuchtkraft der kleinen Anhänger ist so gering, dass ihr Leuchten nur in der Dunkelheit zu sehen ist. Die nächtliche Sichtbarkeit liegt je nach Witterung zwischen 5-10 Metern. Damit eignet sich der Anhänger gut, um Ausrüstungsgegenstände wie GPS-Empfänger, Taschenlampe, Smartphone usw. zu markieren, um diese selbst in völliger Dunkelheit auffinden zu können. Das Licht der Anhänger reicht nicht aus, um bestimmte Tätigkeiten wie z.B. Lesen zu ermöglichen. Dazu sind die Anhänger nicht konzipiert. Sinn und Zweck der Anhänger ist einzig das Markieren. Die Leuchtkraft von trigalight Marker und TRIGAGLOW unterscheidet sich nur unwesentlich. Das TRIGAGLOW bricht das Licht am Gehäuse, daher ist die Leuchtfläche etwas größer als beim trigalight Marker. Der trigalight Marker hat ein klares Gehäuse, erscheint daher minimal heller. Insgesamt ist die Leuchtkraft identisch, vermutlich reizen beide Hersteller die erlaubte Gesamtaktivität von 1 GBq voll aus.

trigaglow_vs_trigalight trigalight_vs_trigaglow_dark

Es leuchtet nur ein kleiner Teil des Anhängers. Beide Bilder sind mit gleichem Abstand gemacht worden. Das rechte Bild entspricht von der Belichtung in etwa der Wahrnehmung des menschlichen Auges nach Gewöhnung an die Dunkelheit.

 

Fazit und Vergleich mit anderen Leuchtanhängern

Die getesteten Tritiumgaslichtquelle trigalight Marker und TRIGAGLOW sind winzig und leuchten nur sehr schwach. Zunächst ist die Leuchtkraft der kleinen Anhänger sicher enttäuschend, vor allem im Vergleich zu größeren, in Deutschland nicht erlaubten Glowrings mit deutlich mehr als 1 GBq. Auch ein nicht radioaktiver Nitestik erreicht zumindest in den ersten 2-4 Stunden eine wesentlich höhere Leuchtkraft. Unschlagbar ist das Knicklicht. Für den Preis einer Tritiumgaslichtquelle bekommt man 60-70 kleine Knicklichter, die jeweils für viele Stunden als Notbeleuchtung (z.B. Lesen einer Karte) und mehr als 48 Stunden zum Markieren benutzt werden können.

Unbestritten haben die kleinen Tritiumgaslichtquellen eine gewisse Faszination und ermöglichen es, Radioaktivität sicher zu erleben! Der praktische Nutzen liegt in der Markierung von Gegenständen, die in völliger Dunkelheit aufgefunden werden müssen.

triga_nite_knick

von links nach rechts: trigalight Marker, TRIGAGLOW, Nitestik (ca. 10 Min. nach Beleuchtung), Knicklicht (ca. 2 h nach Auslösung)

 

Bezugsquelle

 

4 Kommentare zu “TRIGAGLOW & trigalight Leuchtanhänger im Test

  1. Die Triaglows sind völliger Schrott ebenso wie die Trigalights.
    Selbst in völliger dunkelheit sind sie auf 2 meter kaum zu erkennen.
    Markieren von irgendwas ist damit relativ nutzlos. das dünnste Ästchen oder grashalm verdeckt das minimale Licht vollkommen.

  2. Ganz sicher gefährlich wird die Tritiumgaslichtquelle jedoch, wenn sie gewaltsam geöffnet oder zerstört wird.

    Da möchte ich widersprechen:

    => Ein komplettes inhalieren des Tritiumgases (der in DE legal erhältlichen Anhänger) entspräche in etwa 1/7 (20 µSv) der p.a. aufgenommenen Hintergrundstrahlung.
    Zum Vergleich: AUf einem Transatlantikflug FF=>NYC wäre man ca. 42 µSv ausgesetzt.

    1. danke für den Hinweis, ein wertvoller Beitrag! Kannst Du uns vielleicht noch die Quelle nennen, gerne nehmen wir diese Verbesserung dann in unseren Artikel auf. Die Angaben gelten sicher für einen Erwachsenen Menschen?

  3. Ich besitze seit einigen Jahren ein trigalight in blau und verwende es für einen bestimmten Zweck bei dem es auch einen tollen Job verrichtet.
    Der Anhänger ist bei mir an einem blister Tabletten befestigt um diese bei Nacht schnell finden zu können. Klar leuchten diese Anhänger nur sehr schwach aber genau hier ist der Vorteil (bei meinem Einsatzbereich); es ist nicht so hell dass es stört und trotzdem hell genug um es jederzeit schnell aufzufinden.
    Der Anhänger erhellt einen Bereich von ca 10cm was perfekt ist um mittendrin der Nacht mit einem Handgriff an meine Medikamente zu kommen ohne erst das Licht anzumachen.

    Für mehr würde ich diese Anhänger auch nicht verwenden, sie leuchten wirklich nicht besonders stark aber in diese Nische passen Sie perfekt!

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