Motorola RAZR: Rasiermesser mit BILD-Zeitung

Konnektivität

Das Motorola RAZR ist eines der kommunikationsfreudigsten Smartphones mit neuester Technologie auf dem Markt. Es verfügt u.a. über Bluetooth 4.0, WLAN (WiFi) Draft n,  HSPA und in der US-Verizon-Variante sogar über 4G/LTE. NFC (Near Field Communication) – ohnehin noch in den Kinderschuhen – ist nicht dabei. Mediendateien gibt es wahlweise über DLNA/WiFi oder HDMI auf Endgeräte aus.

 

WiFi/WLAN

Das RAZR soll für Übertragungs-Geschwindigkeiten nach dem Draft-n-Standard theoretisch bis zu 300 Mbit/s gut sein. Die tatsächliche Geschwindigkeit betrug, wie bei anderen bisher getesteten Mobiltelefonen, mit unser n-fähigen FritzBox 65 Mbit/s. Im Unterschied zur Konkurrenz gibt es keinen automatischen Reconnect nach Wiedereintritt in ein bereits gespeichertes WLAN. Jedes Mal muss der Netzwerkschlüssel erneut eingegeben werden. Ein Pop-up-Fenster, das zur Wiederverbindung beim Verlassen der WLAN-Reichweite auffordert, schlägt bei anderen Programmen durch, etwa unterwegs bei Navigation. Alles etwas nervig.

 

High Speed Wireless 3G/HSPA und 4G/LTE

Motorola bietet das RAZR nicht als Welttelefon an. Der Kunde muss sich zwischen der CDMA-US-Variante Droid RAZR XT912 oder der europäischen GSM-Ausführung RAZR XT910 entscheiden. Nur das US-Verizon-Telefon hat 4G/LTE (Long Term Evolution) mit bis zu 42 Mbit/s, Europa muss sich vorerst mit 3G/HSPA (High Speed Packet Access, HSUPA bis 5,76 Mbit/s, HSDPA bis 14,4 Mbit/s) zufrieden geben, nicht einmal HSPA+ (bis 21 Mbit/s) ist integriert; momentan in Deutschland nicht weiter tragisch, da LTE-Netze erst im Aufbau sind. Doch wie heißt es so schön: bereit sein ist alles.

In der Praxis sind die o.a. Werte ohnehin eher die Ausnahme und selten zu erreichen. Unser Testgerät brachte es im Vodafone-Netz auf respektable ca. 5 Mbit/s im Down- und 3 Mbit/s im Upload.

 

Bluetooth

Motorola hat das RAZR mit neuestem Bluetooth 4.0 ausgerüstet, das wesentlich akkuschonender sein und schneller verbinden soll. In der Praxis haben wir davon nicht viel gemerkt, da die uns zur Verfügung stehenden Gegengeräte mit BT 2.1, 2.1+ EDR oder 3.0+ eben noch langsam verbindend sind.

Im Gegensatz zum iPhone 4S mit ebenfalls Bluetooth 4.0 hat sich das RAZR nicht so zickig und akzeptiert neben üblichen Headsets und Freisprecheinrichtungen auch Smartphone-Kollegen und PCs, letztere allerdings mit ausgewählten Diensten. Bluetooth eignet sich daher nicht zum vollen Sync oder Datenabgleich.

 

Synchronisierung

Wie bereits mehrfach anlässlich unserer Tests vermerkt, kocht im Bereich PC-Sync-Software jeder Hersteller sein eigenes Süppchen. Natürlich auch Motorola, die mit MotoCast USB (powered by Nero), nicht zu verwechseln mit dem drahtlosen MotoCast, Mediendateien und Outlook-Kontakte abgleichen; iTunes wird praktischerweise gleich mit gestartet und durchsucht.

Für den Outlook-Kalender-/Termin-Sync verlassen sich die Amerikaner auf Google, die dafür das Tool Google Calendar Sync bereit halten. Leider funktioniert es nur mit 32 bit Outlook, die 64 bit Variante wird nicht bedient. Insgesamt ziemlich unbequem und umständlich.  Demgemäß lauern Drittanbieter wie CompanionLink darauf, die Lücke mit teilweise heftigen Preisen um die 50 USD zu schließen.

 

Cloud-Computing

Clouds sind schick, Clouds sind modern, und jeder muss eine haben. Apple macht mit der iCloud vor, wie werbeträchtig daraus Kapital geschlagen wird. Dabei sind die Definitionen des Cloud-Computings keinesfalls scharf umrissen – eben sehr wolkig, sodass teilweise alter Wein aus neuen Schläuchen fließt.

Grob vereinfachend wird ein Teil der IT-Landschaft (in diesem Zusammenhang etwa Hardware wie Rechenzentrum, Datenspeicher sowie Software) auf Nutzerseite nicht mehr selbst betrieben oder örtlich bereitgestellt, sondern bei einem oder mehreren Anbietern als Dienst gemietet, der meist geografisch fern angesiedelt ist. Die Anwendungen und Daten befinden sich dann nicht mehr auf dem lokalen Rechner oder im Firmenrechenzentrum, sondern in der (metaphorischen) Wolke (engl. cloud); so die Definition bei Wikipedia.

Alles klar? 😉

Motorola verkauft sein MotoCast (drahtlos, ohne den Wortzusatz USB) auf der US-amerikanischen Webseite als Personal Cloud, und es wird auch von den Computerbild-Kollegen generell als Cloud-Dienst apostrophiert. Beide liegen damit eher daneben als richtig. Auf Motorolas deutschsprachiger Webseite heißt es schon bescheidener: Sie [die MotoCast-Anwendung] ermöglicht Ihnen jederzeit den Zugriff auf die Medien und Dateien auf Ihrem Computer, egal wo Sie unterwegs sind. Spielen Sie Ihre gesamte Musik- und Videosammlung über Wi-Fi und 3G-/4G-Mobilfunknetze auf Ihrem Mobilgerät ab. Verschieben Sie Medien ganz einfach zwischen Ihrem Telefon und Ihrem Computer.

Das war es denn auch schon. Obwohl angeblich ohne Internet auskommend, handelt es sich bei MotoCast  im Grunde genommen um einen webbasierten Remote-Dienst zwischen zwei Geräten (von wegen, ohne Internet), der zum Syncen nur bedingt taugt. Ist der PC daheim ausgeschaltet, schaut der vermeintliche Wolken-Nutzer in die Röhre, denn ein Austausch zwischen verschiedenen Motorola Mobil-Geräten ist nicht möglich. Apple dagegen macht mit seiner iCloud vor, wie „echtes“ Cloud-Computing aussieht. Der einzige Vorteil des Motorola-Cloudings ist die relative Datensicherheit, da das Prinzip einen Basis-PC, jedoch keinen unkontrollierbaren Fremdserver benötigt.

Wir wollen diesen Punkt nicht überbewerten, da Cloud-Computing einen ziemlich neuen Mehrwert-Dienst – also ein Extra – vieler Hersteller darstellt, dessen Definition noch nicht so scharf umrissen ist, dass die Dienste untereinander vergleichen werden können. Wer Wert auf „echtes“ Cloud-Computing legt, kann sich inwischen solche Dienste auch zukaufen oder sogar gratis aus dem Android Market besorgen. Cloud.cm beispielsweise fährt ein ähnliches Prinzip wie Apple und das auch noch völlig kostenlos einschließlich Android-App. Ob man seine wertvollen Daten einer anonymen Wolke ohne große Kontrollmöglichkeit anvertrauen möchte, sei einmal dahingestellt.

 

WebTop

Motorolas revolutionäres WebTop befähigt bestimmte Mobiltelefone, auch das RAZR, alle Inhalte des Smartphones auf dem Computer-Bildschirm oder HD-Fernseher [zu] erleben und damit im Web surfen, telefonieren, Texte verschicken, Videos ansehen oder eine App mit der Vollversion des Firefox® Browsers öffnen zu können. Die teure Variante läuft über eines der Lapdocks, die günstigere über das HD Dock plus angeschlossene USB-Tastatur (das HD Dock bietet 3 USB Ports) plus HD-Monitor oder -Fernseher (s. Zubehör). Den Heim- oder Büro-PC oder ein Notebook/Tablet wird Motorola damit nicht ganz ersetzen können.

 

Sonstiges

Über die Telefon-Funktion gibt es nichts Besonderes zu vermerken. Telefonieren und SMSen/MMSen kann man natürlich auch. Das Quad-Band-Gerät beherrscht alle weltweit üblichen Frequenzen. Sprach- und Telefonlautsprecherqualität sind sehr gut.

Natürlich läst sich das RAZR auch als Internet-Modem nutzen. Dazu wird üblicherweise entweder ein mobiler Hotspot eingerichtet (ab Android 2.2) oder der Weg über USB Tethering gewählt.

Weitere Konnektivitäts-Eigenschaften sind DLNA und ein echter HDMI-Port, um die wir uns in der folgenden Disziplin Multimedia kümmern werden. Das Tüpfelchen auf dem I, USB-Host, fehlt dagegen bzw. kann nur über das aufpreispflichtige HD Dock (rd. 100 USD) erzielt werden.

 

Fazit Konnektivität

Das Motorola RAZR bietet prinzipiell alles, was man sich von einem modernen Smartphone wünscht, insbesondere den neuesten Bluetooth-Standard. Schade, dass 4G/LGE der US-CDMA-Variante vorbehalten ist und sich Europäer mit dem etwas angestaubten HSPA abgeben müssen. Etwas umständlich ist die Office-Synchronisierung, und die Personal Cloud entpuppt sich als ziemliche Mogelpackung. Ob der WebTop-Extender tatsächlich ein echter Mehrwert ist, muss jeder Nutzer nach seinen Bedürfnissen entscheiden.


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