Motorola RAZR: Rasiermesser mit BILD-Zeitung

Software und Navigation

Das Angebot an vorinstallierter Software des RAZR fällt nicht ganz so umfangreich wie bei einigen Mitbewerbern aus. Neben den Android-üblichen Anwendungen und Google-typischen Programmen sind vor allem ein Office-Paket, mehrere Reader (News, Bücher) und eine Meeting-Software (GoToMeeting) erwähnenswert.

Hubs oder Motorola-spezifische Software sind bis auf eine Ausnahme nicht zu finden. Die Ausnahme besteht in Intelligente Aktionen (Smart Actions), die verschiedene vordefinierte Profile bieten oder dem Nutzer die Möglichkeit bieten, eigene Regeln zu erstellen und zu verwalten.

So lassen sich automatisch z.B. der nächtliche Klingelton beim Laden ausschalten, die Akkulaufzeit verbessern, der Musikplayer und GPS-Tracking zuschalten, wenn die Kopfhörer für das Lauftraining eingestöpselt werden oder gleich am Morgen die neuesten Nachrichten aufrufen. Ähnliche Apps gibt es allerdings im Android Market. Für den angeblichen Cloud-Dienst MotoCast muss der Nutzer sich vorher registrieren lassen und eine Motorola-ID erstellen.

Wir wollen natürlich nicht die mitgelieferte Bild-Zeitungs-App unterschlagen, die mit ihren breaking News oft dann dazwischen funkt, wenn man es am wenigsten wünscht. Ansonsten verzichtet Motorola weitgehend auf Gimmicks und verlässt sich auf den umfangreichen Android Market.

Positiv ist zu vermerken, dass Motorola sehr um IT-Sicherheit bemüht. Hierzu gehören Features wie Remote Wipe (Fernlöschen bei Diebstahl oder Verlust) und hochgradige Verschlüsselungs-Techniken.

Das RAZR läuft unter dem zum Testzeitpunkt aktuelle Android 2.3.5 (Gingerbread) und hat damit den Adobe Flash Player mit an Bord. Die Abstimmung mit der Hardware scheint nicht immer geglückt zu sein, denn hier und da verzeichnen wir leichtes, aber merkliches Zögern und Ruckler bei Programmaufrufen, -ablauf oder Scrolling. Schön ist, dass Motorola ein baldiges Upgrade auf das mit vielen Lorbeeren bedachte Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) in Aussicht stellt. Durch das Netz geisternde, relativ stabile Beta-Versionen 4.0.3 lassen darauf schließen, dass das offizielle Update nicht mehr fern ist.

 

 

 

Software-Fazit

Die vorinstallierte Software bietet nichts Besonderes, ist aber auch nicht schlecht. Hersteller-spezifische Programme oder Hubs fehlen weitgehend.  Verbesserungspotenzial gibt es bei der Abstimmung von OS und Hardware.


Das interne GPS geht äußerst schnell ans Werk. Die TTFF (Time to First Fix) ist kaum messbar, wobei Satelliten sogar in geschlossenen Räumen erfasst werden. Dagegen waren Aussetzer in geringem Umfang zu verzeichnen.

Wie einige Mitbewerber ist das RAZR GLONASS-kompatibel, um so  Marktabschottungen bzw. Verkaufsrestriktionen für Geräte zu umgehen, die das russische Satelliten-Positionierungssystem nicht beherrschen.

 

Navigation

Wir haben das RAZR mit zwei Navigationsprogrammen getestet. Dank des separaten 3,5 mm Klinkenanschlusses können simultan Kopfhörer und Micro-USB-Ladekabel angeschlossen werden. Wir empfehlen wie üblich ein USB-Ladegerät mit mindestens 1 A Ladestrom am Zigarettenanzünder.

 

NAVIGON MobileNavigator 4.0

Den neuen MobileNavigator für Android 4.0.1 hat uns NAVIGON freundlicherweise in einer Vollversion mit allen Diensten zur Verfügung gestellt. Mit der Version 4.0 hat die Garmin Company nicht nur die Oberfläche an seine mobilen Navigationssysteme (z.B. Navigon FLOW) angeglichen, sondern auch einige aufpreispflichtige Mehrwertdienste (In-Apps) restrukturiert. Außerdem verfolgt NAVIGON das Ziel, mit seinen letzten Updates ein möglichst einheitliches Erscheinungsbild unter den Betriebssystemen iOS, Android und Windows Phone zu liefern.

Für die zum Testzeitpunkt auf 44 EUR preisgesenkte EU 40 Variante mit TTS, Reality View Pro und vielen anderen Features sind zahlreiche aufpreispflichtige Pakete erhätlich. Wer auch unterwegs über das Verkehrsgeschehen in Echtzeit informiert werden möchte, muss die In-App Traffic Live für rd. 20 EUR dazukaufen. Die vierteljährliche Berechtigung zum Kartenupdate (FreshMaps XL) kostet nochmals regulär rd. 30 EUR bzw. rd. 40 EUR (Regionalvariante). NAVIGON MyMaps lässt eine selektive Kartenauswahl zu und ist vor allem für diejenigen interessant, die Speicher auf ihrem Gerät sparen wollen. Für Spielkinder ist eher die In-App NAVIGON Cockpit gedacht, die das Fahrverhalten nachvollzieht.

Selbst während eventueller Bedienvorgänge lässt Navigon 4.0 den Fahrer dank transparenter Karten-Hintergrunddarstellung (Navigon FLOW) wissen, wo er sich befindet. Navigationsansagen über den rückwärtigen Lautsprecher des RAZR sind laut und verständlich. Bei der Kartendarstellung hinterlässt es mit seinem 4,3 Zoll Super AMOLED Advanced Display einen sehr guten Eindruck.

Leider verschluckte sich das RAZR des öfteren während erster Tests. Zunächst versagte die Ortsbestimmung in MyRoute und zeigte französische Provinz statt Berlin. Dann schaltete es am helllichten Tag auf Nachtdarstellung, korrigierte dies aber nach einiger Zeit. Weiter meldete es bereits am Start permanent ein bereits erreichtes Ziel, obwohl einige Kilometer dazwischen lagen. Dabei wichen Karte (Darstellung des Startpunktes) und Ansage (Zielmeldung) diametral voneinander ab. Nächste Macken waren ein ab und zu aussteigendes GPS sowie Aufforderungen zu wenden, obwohl kein Grund dazu bestand. Ein Programm-Neustart half nichts; erst ein Reboot des RAZR milderte die Probleme bis auf die hartnäckige Wende-Aufforderung. Wir können letztlich nicht beurteilen, ob die Anfangs-Schwierigkeiten dem RAZR selbst oder der Navigon-Abstimmung mit dem Gerät zuzuschreiben sind. Ein parallel mitlaufendes Samsung Galaxy SII jedenfalls funktionierte korrekt.

   

   

 

Route 66

Das neue Route 66 für Android war mindestens bis zum 30.12.2011 als volle 30 Tage Trialware erhältlich. Es bietet wahlweise eine Offboard-/Online- oder Onboard-/Offline-Navigation (Sofortzugriff auf 104 TomTom/Teleatlas-Länderkarten nach Aktivierung weltweit gratis). Die Bedienung ist zwar relativ einfach, aber etwas einfallslos und nicht sehr intuitiv geraten. Menüs erschließen sich vor und während der Navigation durch Berühren des „i“-Buttons (Info), der sich wenig für eine Bedienung während der Fahrt eignet.

Die fehlende TTS-Navigation (Text to Speech, Ansage der Straßennamen) gleicht Route 66 durch exakte Kommandos und einen akustischen Spurassistenten („bitte in die 2. Spur von rechts einordnen“) aus. Darüber hinaus bietet es eine Reihe netter Features wie weltweiter Traffic-Server, Gefahrenstellen-Warner, Warnung bei Tempolimit-Überschreitung, Spurassistent, POI-Navigation, Ausweichrouten, Darstellung der Beschilderung, Wikipedia-Integration usw.

Besonders stolz ist Route 66 auf die 3D-Gebäudedarstellung in den Innenstädten und die Follow-Me-Funktion. Follow Me ist nicht, wie anderswo oft fälschlich beschrieben, für Kolonnenfahrten gedacht, sondern blendet ein virtuelles, voraus fahrendes Fahrzeug ein, dem gefolgt wird. Das virtuelle Auto ändert geschwindigkeitsabhängig die Distanz zum Fahrer und kommt zurück, falls er an einer roten Ampel hängen bleibt. Route 66 meint herausgefunden zu haben, dass Follow Me das Gehirn die Informationen viel einfacher aufnehmen [lässt], sodass [Fahrer] mehr Zeit mit dem Blick auf die Straße gerichtet verbringen. Dieses Augmented-Reality-(AR)-Feature ist nichts weiter als ein optisches „Anhängen“ an den voraus Fahrenden und soll nach Auffassung von Route 66 durch weniger Mühe beim Umschalten zwischen der echten Straße und der Darstellung auf dem Navigationsbildschirm das Gehirn länger frisch und aufmerksam halten.

Natürlich muss für dieses Feature die Kamera permanent eingeschaltet sein (Akkuverbrauch!), die Halterung ein Guckloch für die Kamera besitzen. Schön ist, dass das Gerät für AR nicht peinlich genau auf die Straße ausgerichtet werden muss, sondern sich nach einer Weile selbständig kalibriert. Die Darstellung erfolgt wahlweise in voller AR-Ansicht oder als geteilter Split Screen, bei dem auf einem Teil des Bildschirms die Karte, auf dem anderen die AR-Darstellung eingeblendet sind. Das voraus fahrende virtuelle Fahrzeug – nach Geschmack anpassbar als Golf, Mini, BMW u.v.m. – setzt tatsächlich den Blinker vor Abbiegevorgängen, um den Fahrer zu unterstützen.

Ob Follow Me tatsächlich Ermüdungserscheinungen reduziert und die Konzentration auf hohem Niveau hält, konnten wir mangels Langstreckenfahrt nicht feststellen. Das neue Route 66 schnürt ein umfangreiches Paket für Android-Nutzer, das bald auch für Apple iOS erhältlich sein soll. Unsere kurze Testphase lässt eine klasse Navigations-App vermuten, zumal der Preis von knapp 50 EUR incl. aller Features nach Ablauf der Testphase nicht zu hoch bemessen scheint.

Wie auch bei NAVIGON für Android hatte das RAZR unter Route 66 einmalige Schwierigkeiten. Im Unterschied zu NAVIGON MobileNavigator setzte das GPS nicht aus, sondern fixierte für ca. 40 Minuten nicht genügend Satelliten; auch hier halfen keine zwischenzeitlichen Programmneustarts. Da GPS-Unstimmigkeiten in zwei Navigationsprogrammen zu beobachten waren, vermuten wir leichte Geräte- oder OS-/Hardware-Abstimmungsprobleme.

   

   

   

 

Fazit zu GPS Navigation

Das RAZR bietet schnelles, jedoch nicht immer zuverlässiges GPS, das teilweise mit Geräte-Neustart wiederbelebt werden musste. Die flotte Hardware, das große Super AMOLED Advanced Touchscreen und ein kräftiger Lautsprecher machen ansonsten die Navigation zum Vergnügen.


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