Samsung Galaxy Note Test: Auf die Größe kommt es doch an…

Performance und Bedienung

Samsung nennt bis zu 960 Stunden (40 Tage) im Standby-Betrieb und bis zu 26 Stunden Sprechzeit. Apple gibt beispielsweise lediglich ein fünftel der Standby-Zeit für sein iPhone 4S an (200 Stunden). Der äußerst großzügig bemessene 2500 mAh Akku das Galaxy Note zeichnet für verlängerte Laufzeiten verantwortlich.

Wie sieht es in der Praxis aus? Um einigermaßen vergleichbare Aussagen treffen zu können, haben wir das GT-N7000 zwei Akku-Tests unterworfen, die das Gerät meist über Nacht mit verschiedenen Lasten beaufschlagen und die Zeit bis zur Entleerung messen. Der AnTuTu Battery Test reiht das Galaxy Note hinter Tablets mit wesentlich größeren Akkus, jedoch vor vielen Top-Mobilfonen. Natürlich gibt es Smartphones mit besserem Durchhaltevermögen, doch die haben nicht so anspruchsvolle Aufgaben und Hardware zu bewältigen, vor allem kein Display dieser Größe zu versorgen.

Battery Benchmark listet das Samsung Galaxy Note vor aktuellen Android-Spitzengeräten wie Samsung Galaxy Google Nexus, Motorola RAZR XT910 und etwa gleichauf mit dem Samsung Galaxy SII, je nach OS-Variante. Auch wenn das Galaxy Note nicht die von Samsung  angegebenen Werte erreichen dürfte, schlägt es sich bei der Akku-Laufzeit hervorragend, wie auch das Alltagsverhalten während unserer Tests bestätigt.

 

Der Bootvorgang ist wie beim Galaxy SII dank Schnellstartmodus in Sekunden erledigt. Das Herunterfahren nimmt ebenfalls wenig Zeit in Anspruch.

Im Galaxy Note steckt das bewährte Doppelkern-Eigengewächs Exynos 4210 zusammen mit dem Grafikbeschleuniger (GPU) Mali-400MP. Die CPU-Hochtaktung auf 1,4 GHz ist der Rechenleistung natürlich bekommen. Bei reinen Rechenleistungs-Tests wie rekursiver Berechnung der Zahl Pi setzt sich das Galaxy Note an die Spitze.

 

Leichten Kummer bereitet die Grafik-Leistung. Obwohl die gleiche GPU wie im Galaxy SII den Zentralprozessor unterstützt, erreicht das Galaxy Note auch nach unseren Messungen nicht dessen Performance. Nicht weiter verwunderlich: Das SGN hat die 2,6-fache Pixelzahl im Vergleich zum SGSII zu bewältigen, die Framerate sinkt entsprechend und die GPU wirkt eben nur unterstützend.

Dafür schlägt sich das GT-N7000 nicht schlecht, besonders im Vergleich zum hoch gelobten Samsung Galaxy Google Nexus. Dennoch kann allenfalls das Samsung Galaxy SII dem Spitzenreiter iPhone 4S das Wasser reichen. Für eine gute Vergleichbarkeit ist der Offscreen-Test besonders zu beachten, denn nur er bedenkt alle Geräte mit derselben Auflösung.

Weitere Tests mit Java und Webbrowsing wiederum zeigen das Galaxy Note deutlich vorne. Wer beim Betrachten der iPhone-4S-Webleistung als vermeintlichem Spitzenreiter feuchte Augen bekommt, möge seine Freudentränen schnell wieder trocknen. Apples Smartphones sind leider nach wie vor nicht flashfähig. Flash-Tests werden beim iPhone mit 0 Sekunden einfach übersprungen und treiben die Benchmarks fälschlich nach oben.

 

 

Benchmark-Charts teilweise © GSMArena.com und PC Games Hardware

Wenden wir uns noch unseren beliebten Mischtests zu. Beim Quadrant Standard Test erreicht das Galaxy Note nach unseren Messungen 4100 Punkte (Galaxy SII: 3600 Punkte). Der AnTuTu Benchmark bestätigt das hohe Leistungsvermögen, denn er reiht das GT-N7000 knapp vor dem Galaxy Google Nexus aus demselben Hause. Beim Smartbench 2011 ist der Produktivitätsindex einsame Spitze. Hochgezüchtete Overclocked-Varianten des Samsung Galaxy SII oder anderer Smartphones dürfen nicht als Maßstab herhalten. Selbst beim Gaming-Index mit Fraktal-Tests wie Mandelbrot kommt es nicht schlecht weg. Den neu strukturierten, mit umfangreicheren Tests versehenen Smartbench 2012 lassen wir mangels derzeit verlässlicher Datenbank noch außen vor.

   

Wie sieht es im Alltag aus? Nun, von anderen Testern bemängeltes stockendes Scrolling konnten wir unter dem aktuellen OS Android 2.3.6 nicht feststellen, möglicherweise war da noch eine andere OS-Version verantwortlich. Leichte Ruckler konnten wir aber z.B. beim Entsperren des Lock Screen oder beim Pinch-Zooming der TouchWiz-Bedienoberfläche verzeichnen, das für eine Übersicht aller App-Seiten verantwortlich zeichnet. Bei Programmaufrufen dagegen reagiert das SGN spontan und stabil.

Performance-Fazit

Lässt man das Galaxy Note als Smartphone durchgehen, macht ihm in der Akkuleistung so leicht kein Mitbewerber etwas vor. Es ist zudem ein Riese in der Rechenleistung.  Einbußen in der reinen Grafik-Performance sind der Display-Größe geschuldet und mit dieser Hardwarekonfiguration unvermeidlich; ein bisschen Boost wäre allerdings nicht schlecht gewesen. Die Mischleistung dagegen ist tadellos. Mögliche leichte Abstimmungsprobleme von Hard- und Software (Ruckler) werden hoffentlich mit dem Upgrade auf Android 4.0 beseitigt.


Auch das Samsung Galaxy Note hat die iPhone-ähnliche Zentraltaste des SGSII für den Startbildschirm. Menü und Zurück sind auf den ersten Blick nicht sichtbar und werden erst bei Berührung aktiviert. Die Nachleuchtdauer der ohnehin gut sichtbaren Touchkeys kann über Einstellungen reguliert oder permanent aktiviert werden. Die vierte Taste für Suchen fehlt. Eine seitliche Lautstärke-Wippe und der Standby-Button ergänzen die Hardware-Tasten.

Samsung hat die reine Android-Oberfläche durch die firmeneigene GUI (Graphical User Interfaces) TouchWiz 4.0 sersetzt. Die Bedienoberfläche enthält sieben personalisierbare Startbildschirme, wobei die nach Samsungs Auffassung fünf wichtigsten Anwendungen immer ortsfest bleiben (natürlich einstellbar). Ein Tipp auf die rechte untere Würfel-Taste erschließt die Ansicht mit den Android-Apps, die ebenfalls unter TouchWiz läuft, wobei der Nutzer zwischen Raster- und Listenansicht wählen kann. Auch hier hält Samsung die wichtigsten Apps ortsfest. Kleiner Kritikpunkt: Einem Smartlet dieser Displaygröße hätte es gut zu Gesicht gestanden, wenn TouchWiz auch im Querformat (Landscape) funktionierte, so wie Motoblur beim Motorola RAZR oder HTC Sense beim HTC Flyer.

Im Gegensatz zu anderen Herstellern ist der Bildschirm-Timeout nicht abschaltbar, max. 10 Minuten sind drin, und auch der unter Entwicklung sonst zu findende Menüpunkt für einen permanenten Bildschirm bei PC-Verbindung oder Aufladen (Aktiv bleiben/Stay awake while charging) fehlt. Wer erweiterte Bedienkontrolle über sein Android-Gerät wünscht, greift beispielsweise zu Extended Controls, die dem Nutzer u.a. Stay awake while charging und Screen always on als Widgets zurückbringen und darüber hinaus den Sperrbildchirm an- oder abschalten können. Für 1 USD oder etwa 80 Euro-Cents ein sehr nützliches Tool.

Neben der ganz brauchbaren virtuellen Samsung-Tastatur hat Samsung gleich Swype als Alternative mitgeliefert, die vielfältige Möglichkeiten der Eingabe bereithält. Die Tastaturen sind dank des großen Bildschirms sehr exakt zu bedienen (kaum Vertipper). Obwohl noch locker in einer Hand zu halten, sind weder Widgets noch Tastatur einhändig zu bedienen. Bei kleineren Händen landet die Daumenspitze etwa mittig des Bildschirms (Hochformat), größere Hände schaffen es möglicherweise etwas weiter, jedoch nicht bis zur gegenüberliegenden Seite geschweige denn Diagonalbedienung. Auch darüber muss sich der mit dem GT-N7000 liebäugelnde Kunde vor Erwerb im Klaren sein.

Die vorinstallierte Sprachsteuerung stammt von Vlingo und geht weit über die von Google gewohnte hinaus, ist aber längst nicht so umfangreich wie Apples Siri; allerdings sind die Sprachbefehle lernfähig („Was kann ich sagen?“). Sie werden per Tastendruck oder mit dem Kommando Hallo Galaxy aktiviert. Anrufe, SMS, Musik, Navigation und Notizen können damit aufgerufen werden. Sehr nützlich im Auto ist der Fahrmodus, der eingehende oder eingegangene Nachrichten vorliest, sodass die Hände am Lenkrad bleiben. Vlingo ist für andere Fabrikate gratis im Android Market erhältlich.

Zooming: Das Galaxy SII bietet gleich drei Möglichkeiten. Erstens Zweifinger-Zooming (Pinch-Zooming), das tadellos funktioniert, zweitens Vergrößerung/Verkleinerung durch zweimaliges Tippen in den Bildschirm und drittens beliebiges Fixieren des Bildschirms mit zwei Fingern und gleichzeitiges Kippen des Gerätes (nach hinten: Verkleinerung, nach vorne: Vergrößerung).

   

Außerdem hat Samsung eine Fülle von Bedienungssonderfunktionen eingebaut. Dazu zählen

  • Schütteln: Das SGN sucht nach Bluetooth-fähigen Geräten
  • Zweimaliges Tippen der Gehäusekante: Spracherkennung wird gestartet
  • Mit der Handkante über den Bildschirm wischen: Screenshot/Screen Capture
  • Display mit der Handfläche berühren: Anhalten der Medienwiedergabe oder Radio-Stummschaltung
  • Berühren und Drehen: Finger auf das Display legen und drehen, um ein Bild zu drehen
  • Schwenken: Objekt mit dem Finger halten plus Geräteschwenken verschiebt Elemente auf den Startbildschirm oder in eine andere Seite

   

Das Bedienungs-Highlight des Galaxy Note ist natürlich der S Pen getaufte kapazitive Eingabestift („Drucksensitiver Eingabestift für Skizzen und zur Bedienung stiftoptimierter Apps“) mit ebenfalls zahlreichen Sonderfunktionen ähnlich wie beim HTC Flyer. Der Stift

  • hält Ideen und Notizen handschriftlich oder als Skizze fest,
  • dient als Screenshot– oder Bildbearbeitungs-Werkzeug (Konturen von Objekten wie Bilder oder Karten nachzeichnen, kopieren und in S Memo weiter bearbeiten) und
  • ist eine alternative Bedien- und Eingabemethode

Verschiedene Farben und Stiftstärken stehen zur Auswahl. Das Ergebnis der Arbeit kann gespeichert, bearbeitet, handschriftlich ergänzt und über alle Kommunikationswege wie zum Beispiel E-Mail, Instant Messenger oder soziale Netzwerke mit anderen geshared werden.

Das Galaxy Note ist bis auf die Touchkeys komplett mit dem S Pen präzise zu bedienen. Eine Handschrifterkennung – der natürlich Grenzen gesetzt sind – ersetzt oder ergänzt die Tastatureingabe.

Um sämtliche Bedienmöglichkeiten des GT-N7000 darzustellen, fehlt hier der Raum. Ein Blick ins Handbuch klärt Interessierte über alle Funktionen auf.

   

Fazit zur Bedienung

Während sich Apple mit Siri auf die Sprachsteuerung konzentriert, hält Samsung auf dem Galaxy Note eine Fülle von Bedienmethoden einschließlich S Pen bereit. Das ist nicht minder hervorragend, nur anders.


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