Jedes zweite Rad bald ein E-Bike?

Sehr gute Aussichten verspricht die aktuelle Studie von Bosch eBike Systems zum Thema E-Bikes auf europäischen Straßen. Demnach soll in 10 Jahren jedes zweite Fahrrad elektrisch fahren …

E-Bikes sind ein stetig beliebter werdendes Fortbewegungsmittel. Im alltäglichen Sprachgebrauch hat sich das Wort E-Bike, ein selbständig elektrisch fahrendes Fahrrad, als Synonym für Pedel-e-c (Pedal Electric Cycle), Fahrrad mit Elektromotorunterstützung, das nur fährt, wenn der Fahrer in die Pedale tritt, durchgesetzt. So auch in diesem Beitrag.

Wie beliebt die Elektrofahrräder sind, das zeigt die aktuelle Marktstudie des Antriebherstellers Bosch eBike Systems. Demnach sei es realistisch, dass in zehn Jahren jedes zweite neu erworbene Fahrrad ein E-Bike ist.

Steigende Absatzzahlen in Deutschland und Europa

Diese Prognose wird durch die Absatzzahlen des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) für Deutschland bestätigt. Für 2017 rechnet dieser mit rund 680.000 verkauften Pedelecs, ein Plus von 12 % gegenüber dem Vorjahr 2016. Dagegen wurden europaweit 2016 gemäß dem Branchenverband Conebi (Confederation of the European Bicycle Industry) knapp 1,7 Mio. E-Bikes verkauft. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs von über 22 %.

Bleibt dieser jährliche Zuwachs für Deutschland bestehen, so rollen bereits 2027 etwa 2,1 Mio. Elektroräder aus den Geschäften, was wiederum circa die Hälfte der jährlich in Deutschland verkauften Fahrräder (4,1 Mio.) wäre. Eine logische Hochrechnung, die Bosch eBike Systems da gemacht hat.

Seinen eigenen statistischen Erhebungen Rechnung tragend, setzt Bosch eBike Systems in Zukunft auf vernetzte E-Bikes und übernimmt das Start-up Cobi (Cobi im Test 2017). Die Bosch-Studie zum E-Bike-Markt brachte allerdings noch interessantere Ergebnisse ans Licht.

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Welche E-Fahrradtypen sind beliebt?

Von den insgesamt 5421 befragten Personen besaßen bereits 10 % ein E-Bike und 16 % erwogen den Kauf eines E-Bikes noch innerhalb eines Jahres. Für die Kauf-Interessenten der Bosch-Marktstudie standen dabei besonders die Kategorien E-Citybikes mit 29 % und E-Trekkingbikes mit 11 % im Fokus. Kurz dahinter gesellten sich E-Urbanbikes (9 %) und E-Mountainbikes (8 %) dazu.

E-Bikes als Alternative zum Auto

E-Bikes entwickeln sich laut der gesammelten Daten von Bosch immer mehr zu einer Alternative im Berufsverkehr. Die Rolle des Pedelecs für den Berufsverkehr scheint besonders für Berufspendler eine zentrale Rolle einzunehmen, denn von den 20 Mio. Berufspendlern in Deutschland fahre jeder zweite weniger als 10 km zur Arbeit und innerhalb dieser Distanz wäre das Pedelec das schnellste Verkehrsmittel im Stadtverkehr.

Laut Forsa, einem führenden Markt- und Meinungsforschungsinstitut in Deutschland, halten 57 Prozent der Deutschen (mehr als jeder zweite) E-Bikes für eine gute Alternative zum eigenen Auto und 70 % können sich vorstellen, dass sich E-Bikes bald auf den Straßen durchsetzen werden. Dieses Ziel steht auch auf der Agenda des Deutschen Bundestags. Er fordert die Erhöhung des Radverkehrsanteils in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf 25 Prozent.

forsa-Umfrage im Auftrag von CosmosDirekt:

Quelle: cosmosdirekt.de

 

Während ein großer Teil der Elektroräder für die alltäglichen Wege zur Arbeit genutzt wird, gibt es auch eine große Anzahl an Personen, welche die elektrische Unterstützung gerne für ihre Freizeit (51 %) oder ihre Ausflüge (40 %) verwenden. Die Einsatzzwecke der E-Bikes bleiben somit vielfältig.

E-Bike-Boom mit Schattenseiten?

Ungeachtet des Einsatzzweckes der E-Bikes, wünschen sich alle Radfahrer gemäß einer Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mehr Sicherheit und fordern mehr Radwege (63 Prozent), die Trennung von Rad- und Fußgängerverkehr (55 Prozent) sowie sichere Fahrradabstellanlagen (55 Prozent).

Denn je mehr es Pedelec- und E-Bike-Fahrer auf den Straßen gibt, desto mehr nehmen die Befürchtungen zu, sie seien gefährlicher als gewöhnliche Fahrräder. Das statistische Bundesamt scheint diese Vermutungen mit folgenden Zahlen zu bestätigen:

  • 2016 von Januar bis September 3214 Unfälle mit Pedelecs
  • 2015 im selben Zeitraum nur 2313 Unfälle
  • Sechs Prozent mehr Unfälle bei normalen Fahrrädern von 2015 auf 2016
  • 30 Prozent mehr Unfälle bei Pedelecs von 2015 auf 2016

Dennoch sind die Ursachen für diesen Anstieg an Unfällen noch nicht genau geklärt. Es scheint, dass die meisten Pedelec-Fahrer nicht häufiger in gefährliche Situationen kommen als normale Fahrradfahrer, obwohl man das aufgrund der höheren Geschwindigkeit von Pedelecs vermuten könnte. Doch besonders ältere Radfahrer setzen die Motorunterstützung nur ein, um fahrradähnliche Geschwindigkeiten mit geringerem Aufwand zu erreichen. Nach einer Studie der „Unfallforschung der Versicherer“ (UDV), unterschätzen Senioren aber die neu errungene Mobilität. Sie kämpfen mit der Dynamik des Vorschubs, dem Durchdrehen der Reifen (Reifenschlupf) und dem größeren Kurvenradius.

Aufgrund dieser Zahlen und Fakten möchte der Deutsche Bundestag eine sichere Fahrradinfrastruktur vorantreiben, unter anderem mit einer Erhöhung des betreffenden Bundeshaushaltsbudgets auf 200 Millionen Euro jährlich.

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