Stiftung Warentest findet deutliche Mängel beim Wearable-Datenschutz

Die Stiftung Warentest hat 13 Wearables von 7 Herstellern genauer getestet. In der Aktuellen Ausgabe der Testzeitschrift 12/2017 präsentiert die Stiftung ihre Ergebnisse und weist auf erhebliche Mängel beim Datenschutz hin…

Die Stiftung Warentest hat im Jahr 1966 ihr erstes Testheft mit einer Auflage von 210.000 Exemplaren verkauft. Ihr Stiftungsetat ist mittlerweile auf 180 Millionen Euro angewachsen, um ihre Unabhängigkeit im Allgemeinen und von der Bundesregierung im Speziellen zu sichern.

13 Wearables aus 3 verschiedenen Kategorien

Mittlerweile führt die Stiftung jährlich mehr als 200 vergleichende Warentests und Dienstleistungsuntersuchungen durch, bei denen verschiedenste Dinge des Alltags auf ihre Tauglichkeit hin überprüft werden. In der aktuellen Ausgabe 12/2017 stellt die Stiftung Warentest ihr Testergebnisse von 13 Wearables vor. Es werden Qualitätsurteile gefällt und die Ausstattung sowie Preise von fünf Fitness­armbändern (Fitbit Alta HR, Fitbit Charge 2 / Garmin Vivosmart 3 /Polar A370 / Samsung Gear Fit2), fünf Lauf­uhren (Fitbit Blaze / Garmin Forerunner 35 / Garmin Vivoactive HR / Polar M430 / TomTom Spark 3 Cardio + Music ) und drei Smartwatches (Apple Watch Series 3 GPS / Huawei Watch 2 / Samsung Gear S3 Frontier) aufgeführt.

Welche Aspekte wurden bewertet?

An Aspekten wurden neben typischen Tracking-Funktionen wie der optischen Herzfrequenzmessung, dem Kalorien- und Schrittzähler auch die Bedienbarkeit, Haltbarkeit und Kommunikationsfunktionen mit Hilfe der App beleuchtet. Auch die herstellerseitige Handhabung des Datensendeverhaltens und den Bedingungen im Kleingedruckten wurden kritisch betrachtet. Zusätzlich wurden die Sportuhren auf Schadstoffe untersucht.

Herzfrequenz- und Distanzmessung

Laut Stiftung Warentest “messen drei Uhren den Puls so gut wie die zum Vergleich verwendeten Brust­gurte die Herz­frequenz“. Dies gilt jedoch nur für Messungen bei annäherndem Stillstand der Sportler. In der Bewegung hingegen erliegen die Handgelenk-Messgeräte den Brustgurten, da auch geringe Verschiebungen des HF-Sensors bereits zu Fehlern in der HF-Messung führen können. Bemängelt wird auch die Ungenauigkeit bei der Schrittzählung ohne GPS. Die Werte sind trotz teilweise vorhandener Möglichkeit zur Schrittlängen Angabe ungenau. Als Ursache sehen die Tester, dass Trainingszustand, Gelände, Steigung, Gefälle und andere Parameter welche die Schrittlänge modifizieren keine Beachtung finden. Fitnessuhren mit GPS schneiden durch die genauere Distanzermittlung dementsprechend besser ab.

Wenn Datenschutzrichtlinien die Freude am Gerät senken

Wie man auch in unserem kürzlich veröffentlichten Artikel lesen konnte, gehen Anbieter von Sportuhren nur unbefriedigend mit dem Thema Datenschutz um. So wird auch im Warentest ein Auszug aus Apple’s Datenschutzerklärung zitiert: „Apple gibt personenbezogene Daten an Unternehmen weiter, die Dienst­leistungen erbringen, wie zum Beispiel die Kreditgewährung.“ Die Stiftung kritisiert diese Praktik, da Nutzer der Apple-Uhr sich einmal wundern könnten, warum ihnen nur ein überteuerte oder gar kein Kredit mehr gewährt wird. Auch Fitbit erklärt den eigenen Anspruch Namen, Geburts­daten, Körpergewicht und Aktivitätsarten des Nutzers an Drittunternehmen weitergeben zu können.

Qualitätsurteil Gut nur einmal vergeben

Kunden von Wearables haben nur wenig Einfluss auf die Handhabung ihrer Daten. Von allen Anbietern, weist nur das Kleingedruckte von einem Anbieter keine deutlichen Mängel auf. Apple hat durch seine Daten-Praxis den ersten Platz unter den Wearables verfehlt, da die Stiftung das Qualitätsurteil um eine volle Note schlechter bewertet hat, wenn die Anbieter unangemessen mit persönlichen Daten umgehen.

Fazit und Ergänzung

Diese Bewertungsmethode erklärt auch, warum nur die TomTom Spark 3 Cardio Music unter den 13 getesteten Wearables mit der Note Gut bewertet. Acht Modelle erhielten dadurch das Qualitätsurteil Befriedigend und sogar viermal gab es nur ein Ausreichend. Polar sollte auch hier erwähnt werden, da das Unternehmen keine Daten an Drittunternehmen weitergibt. Schließlich ist noch festzuhalten, dass die Geräte des Warentests erst bei einem Einkaufspreis von etwa 110,00 Euro starteten (günstigste Online-Anbieter), wodurch beliebte Tracker wie das Mi Band 2 keine Beachtung fanden.

 

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