iPhone 4 im Test

Performance und Bedienung

iPhone 4 - Software - 1Das iPhone 4 wurde mit iOS 4.0.2 getestet, das Upgrade auf 4.1 war zum Testzeitpunkt noch nicht verfügbar.

Die Software-Basisausstattung ist an sich schmal bemessen. Zu den wichtigsten Applikationen gehören iPod-Spieler, Safari-Browser, Google-Maps, YouTube, Soziale Netzwerke sowie Dienst- und andere wichtige Programme. Der App Store hält für jeden Geschmack weitere Apps reichhaltig in petto – zum Testzeitpunkt um die 200.000 –, die teils gratis, meistens kostenpflichtig heruntergeladen werden können. Nervig ist die ständige Anmelderei im App Store, die vergleichsweise beim Android-Market nach erstmaliger Anmeldung entfällt. Andererseits beugt dies unbefugten Downloads vor.

Über die Zwangsehe mit iTunes ist oft kritisch berichtet worden. Wir haben daran nichts zu beanstanden, da iTunes nicht nur für Apple-Jünger ein fantastisches Gratis-Programm ist. Äußerst ärgerlich ist das geschlossene Software-Konzept Apples, und das ist noch sehr mild formuliert. Drittsoftware darf nicht bzw. erst nach längerem Zertifizierungsprozess durch Apple in den Store eingestellt und herunter geladen werden. Allerdings schützt das Konzept besser vor Malware.

Zudem können fremde oder eigene Software-Installer im IPA-Format im Gegensatz zu CABs bei Windows Mobile oder APKs bei Android nicht installiert werden. Das ist fast so, als würde mir mein Backofenhersteller vorschreiben, welche Sorte Pommes ich zu garen habe oder zumindest erst nach jeweiliger individueller Begutachtung in den Ofen schieben darf. Die Vorgänger- iPhones konnten per Jailbreak entsperrt werden. Für das aktuelle iPhone 4 gab es aber zum Testzeitpunkt nur einen Jailbreak für die iOS4.0.1/4.0.2, bei dem aktuellen iOS4.1 stand er angeblich kurz bevor. Sollte dabei noch etwas schiefgehen und z.B. die ursprüngliche Firmware nicht mehr aufgespielt werden können, um das iPhone zu „unbreaken“, erlischt zudem die Garantie bzw. Gewährleistung. Hier sind die bisher offenen Systeme Windows Mobile und Android eindeutig im Vorteil.

Ähnlich wie bei Android ist iOS nur sinnvoll bei gleichzeitiger Nutzung einer Daten-Flatrate, denn mobiler Daten-Transfer ist unabdingbare Voraussetzung, beispielsweise für das Laden von Apps unterwegs. Nutzer, die sich dieser Philosophie oder den Kosten verweigern, werden wenig Freude an einem iPhone haben, es sei denn, man treibt sich ständig in der Nähe irgendwelcher WLANs oder WiFi-Hotspots herum. Obgleich das iPhone 4 „exklusiv“ über die Telekom vertrieben wird, sind inzwischen auch Geräte ohne Vertrag und SIM-Lock zu bekommen. Potenzielle Käufer eines iPhones sollten sich vorher durchrechnen, ob sie von vergünstigten Paket-Angeboten – Gerät plus Vertrag – Gebrauch machen oder das Smartphone teurer ohne MNO-Bindung kaufen.

Hervorragend gelöst sind dagegen Firmware/OS-Upgrades über iTunes, das ständig nach Updates Ausschau hält. Bei Windows Mobile und Android werden bei einem ROM-Update sämtliche installierte Programme, Konten-, Verbindungs- oder persönliche Einstellungen wie z.B. Gestaltung der GUI oder Bildschirm-Timeout gelöscht. Sie müssen hinterher mühsam wieder installiert bzw. eingegeben oder eingestellt werden. Zwar gibt es Hilfsprogramme wie SPB Backup (Windows Mobile) oder MyBackup (Android), die aber nicht immer die gewünschten Effekte erzielen. Nicht so beim iPhone: iTunes legt ein Backup mit installierten Apps, persönlichen sowie Verbindungs- und Konteneinstellungen an, das reibungslos nach einem OS-Upgrade eingespielt werden kann.


Um es kurz zu machen: Wir hatten noch kein Smartphone in der Hand, das derart schnell zur Sache kommt, die Zeit zum ersten Satelliten-Fix (Time to first fix – TTFF) ist kaum spürbar. Der verbaute Single-GPS-Chip Broadcom BCM 4750 zeichnet sich nicht nur durch schnellen Satelliten-Connect und Re-Connect dank Assisted GPS (AGPS) aus, sondern besitzt auch eine hohe Positionsgenauigkeit, sowohl stationär als auch mobil. Wir haben das iPhone 4 mit Google Maps und dem NAVIGON MobileNavigator iPhone 1.6.0 getestet.

Der NAVIGON MobileNavigator iPhone kommt mit MyRoutes, Reality View Pro, Einbindung von sozialen Netzwerken, TTS, Panorama View 3D, Lane Assistant Pro, erweiterter Fußgängernavigation und einer Menge weiterer Features. Verkehrsmeldungen bezieht das Programm vom Traffic Live Server, TMC ist nicht vorgesehen, obwohl der Broadcom BCM4329 Chipsatz des iPhone 4 prinzipiell RDS-tauglich ist.

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Karten- und Ansichtswechsel vollziehen sich mit rasanter Geschwindigkeit. Die Sprachausgabe über den Systemlautsprecher ist viel zu leise und eindeutig mangelhaft. Das liegt nicht am Navigationsprogramm, sondern am iPhone selbst. Auch die von Apple empfohlene Einstellung auf max. Lautstärke in den Settings brachte keinen Lautstärkegewinn. Es empfiehlt sich die Verwendung eines drahtgebundenen oder Bluetooth Headsets oder die Kopplung an die Auto-Audioanlage, beispielsweise per FastMute. Apple sollte zudem überlegen, den System-Sound deutlich anzuheben. Wir haben schon wesentlich preiswertere Geräte getestet, die das iPhone in der Beziehung deutlich hinter sich lassen.

Die Navigation selbst ist – bis auf den „Leisesprecher“ – mit dem iPhone 4 das pure Vergnügen. Ein akzeptabel großes, bisher unschlagbar helles und brillantes Display, schnelles und präzises GPS sowie ein rasanter Bildaufbau bei Ansichts- oder Kartenwechsel verdienen nicht weniger als das Prädikat hervorragend. Selbst eine rückwärtige tief stehende Sonne macht dem Retina-Display nichts aus, Spiegelungen werden wie bereits erwähnt einfach überstrahlt.

Als USB-Ladegerät für den Zigarettenanzünder empfehlen wir einen Adapter mit mindestens 1 A Ladestrom, um den 1420 mAh Akku während der Fahrt zuverlässig geladen zu halten.

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