Traffic Index 2020: Globaler Stau-Rückgang und Berlin ist wieder deutsche Stau-Hauptstadt

TomTom veröffentlicht den Stau-Index für 2020, wonach durch Covid-19 das Verkehrsaufkommen weltweit gesunken ist. Doch in einzelnen Städten beruhigte sich die Verkehrslage nur teilweise. So löst Berlin Hamburg als verkehrsreichste Stadt in Deutschland ab. Im Europa-Vergleich ist Moskau der Stau-Spitzenreiter.

Auch 2020 hat TomTom den Verkehr in 57 Ländern und 416 Städten, davon 26 Städte in Deutschland, untersucht. Welche Städte hatten 2020 die höchste Verkehrsbelastung?

Der Live-Verkehrsservice TomTom Traffic sammelt jedes Jahr anonymisierte und historische GPS-Daten seiner Nutzer. Die Auswertung samt Analyse der im letzten Jahr erfassten Verkehrsdaten von über 600 Millionen vernetzten Geräten hat TomTom nun im TomTom Traffic Index (in Englisch) veröffentlicht. Der Stau-Index 2020 zeigt einerseits einen weltweiten Rückgang der Stauentwicklung in großen Städten aufgrund der Covid-19-Maßnahmen, andererseits aber auch deutliche Schwankungen und Abweichungen beim Stau-Rückgang zwischen den Städten.

So verzeichneten 387 Städte durchschnittlich 28 Prozent weniger Zeitverlust durch Staus während der Hauptverkehrszeiten, 19 Prozent weniger Zeit im Stau dagegen verbrachten Autofahrer zu allen Verkehrszeiten. Weltweit gesehen, führt die südindische Stadt Bengaluru im vergangenen Jahr die Rangliste an. Dort verbrachten Autofahrer im Durchschnitt 71 % ihrer Reisezeit im Stau. In Europa liegt Moskau mit 59 % Zeitverlust an der Spitze, knapp dahinter Kiew (53 %) und Bukarest (52 %). Rom und London hingegen haben sich auf Platz 15 und 17 zurückgezogen (jeweils 38 %).

Auch in Deutschland standen Autofahrer letztes Jahr insgesamt weniger im Stau. Sicherlich ist dies eine wenig erstaunliche Entwicklung des Verkehrsgeschehens angesichts der Corona-Krise, den Lockdowns sowie den Aufforderungen, Arbeitnehmer vermehrt ins Homeoffice zu schicken. Von Stadt zu Stadt gab es allerdings große Unterschiede, was den Staurückgang betrifft. Die Platzierungen der Stau-Städte haben sich jedoch laut TomTom im Vergleich zum Vorjahr nur marginal verändert.

Berlin mit höchster Verkehrsbelastung

Berlin schnitt im Vergleich mit den anderen Städten mit nur 2 Prozent weniger Verkehrsbelastung zum Vorjahr ziemlich schlecht ab. Noch weniger Stau-Rückgang konnte in Leipzig, Wuppertal und Bielefeld mit 1 Prozent beobachtet werden, allerdings lag die Gesamtzeit für Verkehrsverspätungen mit 23 %, 16 %, und 17 % vergleichweise nicht so hoch. In Berlin dagegen betrug die Zeitverzögerung durch verstopfte Straßen stattliche 30 Prozent. Damit erzielte Berlin erneut das höchste Stauniveau innerhalb deutscher Städte – ein Geduldsspiel für Berliner Autofahrer auch während der Pandemie.

Erfreulicherweise rangieren verkehrsreiche Städte wie Bremen und Bonn mit 8 Prozent weniger Zeitverspätungen weiter hinten in der Liste. Hamburg erreichte zwar einen Rückgang der Verkehrsverspätungen um 5 Prozent im Vergleich zu 2019, doch für Hamburgs Einwohner bedeutet das immer noch druchschnittlich 29 % längere Fahrtzeiten (2019 Zeitverlust von 34 %), weshalb Hamburg auch weiterhin Platz 2 der verkehrsreichsten deutschen Städte belegt.

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Weniger Verkehrsaufkommen im Berufsverkehr

Die größten Veränderungen des Stau-Levels wurden während der Lockdowns zu den Stoßzeiten im Berufsverkehr und damit in den Morgen- und Abendstunden erreicht. Insbesondere Bonn und Frankfurt am Main verzeichneten das niedrigste Verkehrsaufkommen während der morgendlichen Rushhour mit einem Rückgang des Zeitverlusts um 18 Prozent. Dicht gefolgt von Düsseldorf mit 16 Prozent.

Andere Städte konnten ihren Zeitverlust in der morgendlichen Rushhour nur wenig verringern, so zum Beispiel Münster (4 %), Freiburg (6 %), Hannover (7 %), Bremen (9 %), Berlin (9 %) und Stuttgart (10 %). TomToms Ansicht nach könnte der Grund dafür darin liegen, dass in Frankfurt und Düsseldorf große Arbeitgeber im Bereich der Finanzdienstleistungen verortet sind und die Art Arbeit bieten, welche aus dem Homeoffice zu erledigen ist, wohingegen Stuttgart viele Pendler in industrieller Produktion beschäftigt.

Apropos Bremen: Hier liegt der Rückgang des Zeitverlustes während der abendlichen Rushhour bei 20 Prozent (Bonn und Frankfurt am Main 18 %). Dagegen war in Freiburg mit nur 6 % und in Berlin mit nur 7 % weniger Zeitverlust abends im Berufsverkehr noch immer ordentlich was los.

Größte Stau-Rückänge während der Corona-Lockdowns

Im Vergleich zum Vorjahr sind die größten Stau-Rückgänge und Zeitersparnisse in den Monaten der Lockdowns festzustellen. Das betrifft die Monate März, April, Mai sowie November und Dezember. Hier lagen die Zahlen für alle Städte eindeutig unter den Werten des Vorjahres.

Im Jahresdurchschnitt beruhigte sich der Verkehr am meisten in Bremen, wo 93 Tage mit geringem Verkehr (50 % weniger Verkehrsbelastung zum Vorjahr) registriert wurden, außerdem in Kassel (77 Tage), Bonn (61 Tage) und Frankfurt am Main (56 Tage). Kaum eine Verkehrsberuhigung konnten Leipzig (12 Tage), Kiel (12 Tage), gefolgt von Berlin und Bielefeld mit lediglich 20 Tagen im Jahresdurchschnitt erzielen.

Infolge der Covid-19-Pandemie haben Maßnahmen wie Abstandhalten die Menschen in einzelnen Städten dazu veranlasst, aus Sicherheitsgründen weniger öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen und vermehrt auf andere Verkehrsmittel wie Fahrrad oder Auto umzusteigen. Manche Städte verzeichneten weniger Staus, weil ein Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad möglich war. In Städten, in denen die öffentlichen Verkehrsmittel grundsätzlich überlastet und Fahrradwege schlecht sind, wie in Berlin, sind Menschen umsomehr auf das Auto umgestiegen, was die geringe .

Trendwende und Ende der Roushhour in Sicht?

Der TomTom Traffic Index bildet sicher keinen zukünftigen Trend im Straßenverkehr ab, doch er könnte ein Anlass für Stadtplanung und Politik sein, Maßnahmen zur Entlastung der Straßen zu verwirklichen, so dass Autofahrer daraufhin ihre Gewohnheiten ändern können, eventuell häufiger aufs Rad umsteigen. Und ob Arbeitgeber New-Work-Konzepten mehr Chancen einräumen, um Arbeitnehmer vermehrt zu Hause zu beschäftigen, bleibt im Hinblick auf die Verkehrsauslastung zu hoffen und zu wünschen.

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