HTML5 – Eine Alternative zu mobilen Applikationen und Betriebssystemen?

Mozilla könnte mit seinen HTML5 basierten Apps und Open-Web Smartphones zur ernstzunehmenden Konkurrenz auf dem Smartphone-Markt werden…

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona, Europas größter Mobilfunkmesse mit einer stetig wachsenden Anzahl von Ausstellern und Besuchern, wurden dieses Jahr vor allem viele neue und leistungsstarke Smartphones vorgestellt. Lässt die Präsentation im Vergleich zum letzten Jahr gegebenenfalls etwas an spektakulären Innovationen vermissen, so übertrumpfen sich die ausstellenden Hersteller vor allem mit neu entwickelter Hardware. Neben Nokias 41 Megapixel Handykamera scheinen die Mobilfunkhersteller auch im Gigahertz-Wahn zu schwelgen. Mobile Quadcore Prozessoren sind das neue Gucci.

Die immer komplexeren mobilen Betriebssysteme und die dazugehörigen mobilen Apps, die immer neuere und komplexere Aufgaben übernehmen, müssen schließlich entsprechend angetrieben werden. Doch eine Neuvorstellung auf der Messe in Spanien der etwas anderen Art rudert konträr in eine andere Richtung und stellt eine mobile Betriebssystem-Alternative in Aussicht, die immer stärkere Mehrleistung der Hardware abdingbar erscheinen lässt.

Telefónica und Mozilla

Bei Telefónica handelt es sich um einen der weltweit größten mobilen Funkanbieter mit mehr als 250.000 Mitarbeitern, welcher vor allem im lateinamerikanischen Raum vertreten ist. Die Mozilla Foundation betreut primär Open-Source Projekte, wie etwa dem Mozilla Browser, ist aber auch an der Entwicklung vieler technischer Innovationen beteiligt. Dazu gehört zum Beispiel ein Projekt namens „Open-Web Smartphones“. Das Unternehmen und die Stiftung gaben nun auf einer Pressekonferenz auf dem Mobile World Congress bekannt, bezüglich dieses Projekts zu kooperieren. Telefónica stellte in diesem Zusammenhang die Veröffentlichung entsprechender Smartphones noch in diesem Jahr in Aussicht.

Bei einem Open Web Smartphone handelt es sich um ein Handy, welches als Basis nicht auf eines der bisher bekannten, typischen mobilen Betriebssysteme aufsetzt. Ziel ist es, die Geräte komplett auf Web-Technologie aufzubauen, basierend auf einem HTML5 Stack mit leistungsfähigen Web APIs. Dies würde zu bisher unbekannten Leistungssteigerungen bei der Nutzung der Geräte führen. Zudem könnten solche Smartphones wesentlich günstiger angeboten werden. Neben Telefónica arbeiten auch Adobe, Qualcomm oder die Telekom an und mit dieser Technik.

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Leistungsfähige Programmiersprache

Anhand der Vorstellung dieser, noch frühen Preview, lässt sich nur erahnen, was mit HTML5 in Zukunft noch alles möglich sein wird. Steve Jobs hat es bereits vor Jahren angekündigt: Im Bereich der mobilen Browseranwendungen ist HTML5 die Zukunft. Bestätigt wird dies inzwischen auch von dessen früheren größten Quasi-Konkurrent, Adobe, wie deren Entwicklungsengagement in diesem Resort sowie die Einstellung der Weiterentwicklung einer mobilen Flashversion zeigt. So blicken nicht nur Web-Entwickler mit Ideen zu leistungsstarken Web Apps enthusiastisch auf die geplante endgültige Fertigstellung des Webcodes im Jahr 2014. Auch Technologieunternehmen und andere große Konzerne machen sich Gedanken über mögliche Projekte und Entwicklungen in Zusammenhang mit dieser Technik, um ihrerseits in Zukunft innovative Projekte und Programme auf Basis von HTML5 vorstellen zu können.

So ist es schon heute, mit der noch nicht finalen Version des Systems, für Entwickler möglich, eine Web-Oberfläche zu schaffen, die aufgrund ihrer Komplexität nicht von nativen Apps oder Betriebssystemen zu unterscheiden ist. So lassen sich Funktionen, Arbeitsabläufe, Videos und interaktive Aktionen in den Browser integrieren, die bisher nativen Anwendungen vorbehalten waren. Und das ohne die zwingende Integration von Drittsoftware wie Adobe Flash oder Microsoft Silverlight. So wird der Browser ohne jegliche Erweiterung zum universellen Instrument für unterschiedlichste Anwendungsszenarien. Sogar komplette Betriebssysteme lassen sich auf diesem Wege integrieren.

Neben einfachen Anwendungszwecken lassen sich auch komplexe Szenarien entwickeln. Programmierern stehen dafür zum Beispiel auch Grafikschnittstellen zur Verfügung, um bildintensive Anwendungen zu entwickeln. Diese lassen sich dann nicht mehr von nativen Anwendungen unterscheiden. Auf diesem Wege können so neben Browser-Apps auch Browser-Spiele oder sogar Navigationsanwendungen auf Basis von HTML5 entwickelt und dargestellt werden. So bietet sich für Entwickler die Möglichkeit, Spiele plattformübergreifend für alle mobilen Betriebssysteme zu entwickeln und so den Entwickleraufwand stark zu reduzieren, da nur noch eine Version programmiert werden muss. So können Spielfans auf Geräten verschiedener Hersteller auf Browser-Games-Plattformen wie Gamercharts auch mobil gegeneinander antreten. HTML5 bietet somit ein noch nicht einschätzbares Potenzial für Entwickler und Nutzer gleichermaßen und wird sich in den nächsten zwei Jahren bis zu seiner Vollendung noch innovativ weiter entwickeln und sowohl der Industrie als auch dem Consumer neue Möglichkeiten im Segment der mobilen Softwareentwicklung aufzeigen.

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