Garmin Monterra: großer Wurf mit großem Bruder

Garmins neuer Monterra ist groß wie ein Montana, schick wie der Oregon 600, und vollgepackt mit Funktionen, Sensoren sowie Kommunikationsmöglichkeiten. Im Inneren wirkt erstmals ein Google-Android-Betriebssystem. Nur die SIM-Karte fehlt …

Garmin_Monterra_frontal_1000Garmins neues Flaggschiff heißt Monterra. Er sieht aus wie der große Bruder des neuen Oregon 600 und ist noch ein Quentchen größer und schwerer als die Montana-Modelle, Garmins bisherige Spitzenreiter der Outdoor-Szene. Durch seine Größe mit dem 4 Zoll-Display, das absolut stylische Design in Dunkelgrau-Mattschwarz und die fast bündig abschließende Hartglasoberfläche wirkt es wie ein Edel-Smartphone der Oberklasse – wenn nicht die bauchige Tiefe wäre. Aber der Monterra soll diese Outdoorfähigkeiten signalisieren, und das macht er gut. Wir sind absolut gespannt, denn Garmin hat uns ein erstes Muster zur Verfügung gestellt, mit dem wir einige Testfahrten unternehmen konnten.

Garmin goes Google

Im Inneren des Monterra steckt – zum ersten Mal in einem europäischen Garmin-Gerät – ein Android-Betriebssystem. Das merkt man zunächst beim Start, denn nach dem Garmin-Schriftzug folgt das Android-Logo – beim Kaltstart leider für mehr als eine Minute. Aber es gibt ja auch den Bereitschaftsmodus, nachdem er einmal gestartet wurde, und dann ist der Monterra auf Knopfdruck betriebsbereit. Die derzeitige Android-Version 4.04 soll an zukünftige Android-Versionen angepasst werden. Die Garmin-Kollegen betonten uns gegenüber aber, dass man bei den anderen Garmin-Geräten auch weiterhin auf Garmin-eigene Betriebssysteme baut.

Tribut an Google: Auf dem Monterra-Bildschirm erscheinen zunächst sehr kleine, winzig beschriftete Schaltflächen. Immerhin können die Schriften deutlich vergrößert werden, doch für die erfreulich gute Lesbarkeit des Montana reicht es leider nicht. Dafür finden die etwa 20 Garmin-Hauptmenüs jetzt auf einer Bildschirmseite Platz. Ein Fingerwisch weiter – jetzt erscheint die Google-Welt mit ihren Apps, mehr als 20 waren bei unserem Testgerät bereits vorinstalliert.

Garmin Monterra Vergleich
Größenvergleich: Garmin Montana (links), Monterra (mitte), Oregon 650 (rechts)

Und damit ab ins Netz! Der Monterra beherrscht verschiedenste Kommunikationsmöglichkeiten. Über ein WiFi-Modul kann er sich mit WLAN-Netzen verbinden. Über Bluetooth 3.0 und die eigene BaseCamp-App können Smartphones angebunden werden um auch unterwegs online gehen zu können. ANT+ dient wie gewohnt zur Koppelung mit Herz-, Trittfrequenz und Temperatursensoren. Aus dem Internet kann das gesamte Spektrum des Google Play-Stores genutzt werden – auch sämtliche Navigations-Apps. Über NFC (Near Field Communication) können Daten drahtlos mit anderen Android-Geräten ausgetauscht werden.

Garmin Montera Test
Garmin Oregon 650 (links) und Garmin Monterra (rechts)

Ach ja – da ist ja auch noch die Mini-USB-Buchse zur Übertragung mit den althergebrachten, aber schnellen Kabeln. So ließ sich eine mehr als 2 GB große Kartendatei in weniger als 10 Minuten auf den Monterra übertragen.

Kein Zweifel – der Monterra ist ein vollwertiges Android-Smartphone. Nur nicht unterwegs, denn dafür fehlt ihm eine SIM-Karte. Aber als mobiles Internet-Tool ist das Gerät auch nicht gedacht. Garmins EMEA-Produktmanager Martin Resch: „Fast jeder hat bereits ein Smartphone, der Monterra soll dies nicht ersetzen. Aber in Verbindung mit einem Smartphone, die auch zunehmend WLAN-Netze aufbauen können, kann der Monterra auch mobil ins Internet.“

Screenshot_2013-06-24-07-51-38 Screenshot_2013-06-24-07-51-45 Screenshot_2013-06-24-07-53-09

Garmin-Funktionen bleiben

Garmin-gewohnte User müssen sich aber nicht umgewöhnen. Die bisherigen Karten und Navigationsfunktionen mit Tracks, Routen und Waypoints beherrscht auch der Monterra in fast althergebrachter Weise.  Bei unserem Testgerät erschien die Richtungsstabilität sogar noch etwas besser – das Display schwankte weniger, der Kompass stellte sich bei Richtungsänderungen sofort auf den neuen Kurs ein, ohne sich noch etwas nachzubewegen. Wie schon bei der eTrex- und Oregon 600-Serie verarbeitet der Monterra neben GPS- auch Glonass-Signale.

Die Menüführung zeigte sich im Einzelnen dann doch etwas unterschiedlich zu den üblichen Garmin-Geräten, aber durchaus beherrschbar. Anfänger sollten sich aber aufgrund der Funktionsvielfalt ein paar ruhige Stunden zur Einarbeitung gönnen. Unser Monterra-Muster arbeitete bereits jetzt schon mit einer Beta-Version von Garmins BaseCamp-Software zusammen. Ein Update-Service nur über BaseCamp ist angesichts des Android-Systems aber noch fraglich.  

Energiehaushalt als Herausforderung

Neben barometrischem Höhenmesser und elektronischem Kompass unterstützen auch ein Gyro- und Beschleunigungssensor die Messarbeit des Mega-GPS-Gerätes. Ganz neu: ein UV-Sensor, der vor starker Sonnenstrahlung warnt. Mit 369 g („voll getankt“ mit drei Mignon Zellen) ist der Monterra noch einmal etwas schwerer als ein Montana (335 Gramm).

Absolut hochwertig ist auch das kapazitive, transflektive 4-Zoll-Mineralglasdisplay, das vor kurzem beim Oregon 600 vorgestellt wurde. Es reagiert schon auf leichte Berührungen – einfach ein Genuss, genau wie die Ablesbarkeit im Sonnenlicht. Die Hintergrundbeleuchtung des Monterra kann übrigens deutlich noch heller eingestellt werden als die des Oregon 600.

Nicht zuletzt wegen des großen Displays, der Sensoren und der neuen Funktionen wird der Energiehaushalt vermutlich zur  Herausforderung werden. Zur Stromversorgung bietet der Monterra dieselben Möglichkeiten wie der Montana – einen mitgelieferten 2000 mAH –Akku, der auch im Gerät geladen werden kann, oder drei Mignon-Akkus. Bei unseren ersten Testfahrten machte sich der Stromhunger deutlich bemerkbar, aber vielleicht kann man den Monterra in der finalen Version noch etwas weniger durstig machen. Nutzer werden auf Hintergrundbeleuchtung und aktivierte Sensoren achten müssen.

Screenshot_2013-06-20-20-20-36 Screenshot_2013-06-23-19-05-04 Screenshot_2013-06-20-15-21-44

Sprich mit mir!

Weitere Premieren: zum ersten Mal sind Mikrofon und Lautsprecher an Bord – der Monterra leitet per Sprachansage! Und die ist sehr laut und deutlich, wie wir bei ersten Testfahrten feststellen konnten. Beim Montana musste hierzu noch ein separater Lautsprecher angeschlossen werden. Über eine WiFi-Verbindung lässt es sich sogar Skypen. Telefonieren geht also doch…

Um seine Dienste am Fahrradlenker oder am Rucksack zu leisten, kann der Monterra die Halterungen für die Montana-Serie nutzen. Wer möchte, kann nun per Lautsprecher oder Ohrhörer Radio oder seine Lieblingstitel als MP3-Files genießen. Bei aktiver Navigation erfolgt dann die Unterbrechung per Sprachanweisung- ganz wie im Auto. Eine 8 MP-Kamera mit HD-Videofunktion ist auch mit an Bord.

Das Zusammenspiel von Garmin und Android funktionierte bei unserem Testgerät bis auf ein paar Bugs schon sehr gut. Nett erschienen dabei Meldungen wie: „Das Telefon wird heruntergefahren“. Aber vielleicht war das auch nur bei unserem Testmuster der Fall.

Garmins großer Wurf soll ab September erhältlich sein und kostet satte 669 EUR – nicht zuletzt eine Folge der Google Play-Zertifizierung. Martin Resch von Garmin: „Wir sehen neben ambitionierten Outdoor-Kunden auch den professionellen Bereich. Hier gibt es mittlerweile gerade im Agrar- und Forstsektor viele nützliche Apps, aber es mangelt an wirklich guter Hardware, und der Monterra bietet sehr gute Sensorik, eingebettet in ein wirklich robustes Gehäuse.“  

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Fazit: Der Monterra ist derzeit das absolute High-End-Gerät im Outdoor-Bereich. Ein Must-have für Outdoor-Nerds. Wenn die üblichen Garmin-Funktionen im Android-System stabil laufen, kann man die ganze Welt der Android-Apps zusätzlich entdecken. Komfortabel und sicher zugleich.

Weitere Informationen zum Monterra und ein kurzes Interview mit Produktmanager Peter Weirether gibt es in folgendem Video:

Weitere Informationen:  

20 Kommentare zu “Garmin Monterra: großer Wurf mit großem Bruder

  1. Ob sie es wohl bis zur Markteinführung schaffen, ALLE Menüpunkte ins Deutsche zu übersetzen? Ist ja ein ganz schönes Sprachkuddelmuddel, was man da auf den Screenshots sieht…

    1. Nein, die Garmin-Kollegen teilten uns mit, dass sie robustes, kratzfestes Mineralglas verwenden, aber nicht das spezielle Gorilla-Glas. Zur Qualität des Garmin-Displays haben wir ja bereits ein Video eingestellt.

      Grüße von Thomas

  2. Hey Leute, wie sieht es mit der Performance im Vergleich zum Montana aus.
    Ist der JNX Kartenaufbau schneller geworden? – wieviel?
    Welche Garminsoftwareversin ist eigentlich drauf?
    Danke und viel Spass damit!

    1. Hallo Hans,

      die Performance bei unserem ersten Muster war durchaus gut, der Kartenaufbau ging flüssig vonstatten und steht dem Montana nichts nach. Den Kartenaufbau mit Fremdkarten konnten allerdings noch nicht testen. Über die Geräteversion kann man in diesem Stadium noch nichts sagen, weil es sich um ein komplett neues System handelt. Von den Garmin-Funktionalitäten ist es durchaus mit dem Oregon 600 vergleichbar, bietet aber noch mehr.

      Grüße von Thomas

  3. Ist der Displayaufbei mit Rasterkarten schneller als beim Montana?
    Gibt es wieder das JNX Limit mit den Kacheln bei selbst erstellten JNX-Karten?
    Danke

  4. Hallo Pepi.

    wie schon oben erwähnt, konnten wir noch keine fremden Rasterkarten auf dem Gerät testen. Über das Kachel-Limit ist mir für den Monterra noch nichts weiter bekannt.
    Beste Grüße,

    Thomas

  5. Gibt es eine Motorradhalterung dazu?
    Kann das Gerät extern von der Auto- oder Motorradbatterie mit Strom versorgt werden?
    Danke

    1. Hallo Eric,
      die Halterung ist dieselbe wie beim Montana – also Fahrradhalterung = Motorradhalterung. Stromversorgung via Mini-USB wird mit Sicherheit möglich sein, wenn USB-Spannung zur Verfügung gestellt wird (also Motorradelektrik einen USB-Anschluss hat) .
      Grüße von Thomas

  6. Hallo

    Ich finde das Display vom Oregon 600 ist sehr gut bei Sonnenlicht ablesbar.
    Und das völlig ohne stromfressende Hintergrundbeleuchtung.
    Das Monerrra soll ja von der technologie her das mindestens gleich gute Display haben. (Displaybeleuchtung sogar noch heller einstellbar)
    Die Displayauflösung Pixel pro Fläche ist laut angaben ~28,89 Pixel/mm2
    Also ein Pixelabstand von 0,186 mm. Das ist sogar noch besser als bei einem 17″ MacBook Pro. Da muss ich schon mit einem Vergrößerungsglas auf das display schauen um noch pixel zu erkennen.
    Leider gibt es auch Testberichte wo das Display bemängelt wird.
    Eine höhere Auflösung als diese bringt nur nachteile wie z.B.: Höheren Stromverbrauch, weniger Lichtausbeute und schlechtere Ablesbarkeit bei Sonnenlicht. Aber keinen Vorteil, da ich das Display nicht mit einem Vergrößerungsglas betrachten möchte.
    Wenn ich mir die aktuellen daten von Smartphones anschaue kann ich nur den kopf schütteln. Diese versuchen mit einer hintergrundbeleuchtung gegen das Sonnenlicht zu leuchten und immer noch heller zu werden. (Idiotisch)

    Gruß von Markus

  7. Schade, die SIM-Karte hätte noch integriert werden müssen, dann wäre es eine wirklich runde Sache geworden. Dann hätte man mit EINEM Gerät wirklich alles dabei was man unterwegs gebrauchen könnte. Ein „normales“ Smartphone ist dich für unterwegs eher nicht geeignet da in der Regel etwas zu empfindlich. Ein echtes Outdoor „Handy“ hätte schon seine Reize, ist ja auch schon fast alles drin was man dafür benötigen würde, nur eben keine SIM-Karte. 😉

    Vielleicht bessert Garmin da ja noch nach, der Nummernkreis bietet ja noch „Luft“ nach oben, ich sag mal „Projekt Monterra 800“ und bei 800 Euto dürfte sich die Preisempfehlung dann auch ruhig einpendeln. Ich würde schon mal interesse anmelden… 🙂

  8. Hallo,

    Ich habe das Monterra bereits selbst zu Hause. Das Gerät Ansicht ist super. Was noch nervt ist das wenn man während der Navigation in der Karte auf das Datenfeld mit dem Namen des Caches und dessen Entfernung klickt. Gelangt man nur zur kompletten Liste der Caches, nicht direkt ins Listing wie im Montana. War das bei Eurem Testgerät auch so, oder konnte man das irgendwie einstellen?

    Lg Stefan

  9. Ich hab so ein Teil jetzt auch zu Hause und bin schwer enttäuscht. In erster Linie will ich das Teil zum Cachen nutzen, aber es nicht möglich von GSAK ein GPX hochzuladen. Nur über weitere Apps können Pocket Querys geladen werden (d.h. ohne korrigierte Koordinaten z.B. bei Mysteries). Die in Apps (z.B. Cachesense) heruntergeladenen Caches werden nicht in der installierten Garmin Geocaching App angezeigt, dort kann man nur jeden Cache einzeln von der Website von Geocaching.com runterladen. Das ist Steinzeit!! Und dabei wird damit geowrben, dass Millionen von Caches auf dem Gerät speichern kann. Inzwischen redet Garmin nur noch noch davon, dass man die Cache von opencaching runterladen kann. Die meisten Cacher dürften doch wohl bei Geocaching.com sein.

    Ich habe über zwei Monate auf das Gerät gewartet. Mir scheint, dass Garmin ein absolut unausgereiftes Produkt auf den Markt gebracht hat. Und vor allem weder Schnittstellen zu Geocaching.com (Pocket queries) noch zu GSAK eingebaut hat. Das Gerät ist sein Geld absolut nicht wert, zumal es auch keine Simkarte hat und deshalb auch im Gelände auf ein Bluetoothhandy angewiesen ist.
    Grüße, Anette

  10. Ich habe mich sehr auf das Gerät gefreut und habe es nun seit 2 Tagen. Es liegt bereits wieder im Karton – ich schicke es zurück!
    Für unser Geocaching-Hobby ist es absolut nicht brauchbar:
    -keine GSAK-Verbindung
    -permanenter Absturz beim einlesen einer pocket-query mit 9000 Caches
    -enttäuschendes Display (webinhalt kaum lesbar)
    -Karten von der SD-Karte werden nicht geladen
    -wenn man beim drücken einer Cachebeschreibung auf LOS drückt, wird die Karte nicht mehr angezeigt. Es kommt vielmehr eine Fehlermeldung: geocaching-app reagiert nicht!

    In Summe: ein unausgereiftes Produkt das trotz guter Ansätze für das Gebotene viel zu teuer ist!

    Gruß Flyinggreg

  11. Also ich habe das Monterra heute erhalten und natürlich sogleich ein PQ ca. 58 MB ungefähr 5000 Caches. Die gpx Datei habe ich einfach – wie auch schon beim Orregon ins GPX verezeichnis geschoben- geht auch per WLAN. Dann ist die GCApp abgestürzt. Nach einem empfohlenen Update – auch über W-Lan funktioniert die App einwandfrei und ich kann alle Caches sehen. Die gelösten Mysteries speichere ich indem ich die Koors im Listing ändere ab und lade sie über eine Bookmarkliste als PQ.
    Das einzige Manko- man bekommt nur die obersten 3 Zeilen des Listings angezeigt- das muss unbedingt noch geändert werden.
    Also vor dem zurücksenden vielleicht mal ein Update fahren.

    Gruß
    Peter

  12. Gp60csx, etrex, Oregon, Gp62, Montana, Fenix, Oregon 650 und nun Monterra …

    ich bin einiges von neuen und unfertigen Garmin-Geräten gewohnt,

    der Monterra ist allerdings eine absolute unfertige FRECHHEIT;

    mal sehen wie viele Monate die Updates dauern …

    glücklicherweise habe ich noch mein Oregon 650, das ist Spitze

  13. Also, ich habe das Gerät jetzt auch geholt (nach lange Überlegung, wegen den vielen Negativmeldungen im Netz)… Ich nutze das Gerät überwiegend für grösseren Radtouren, warum mir auch die Internetverbindung wichtig war, damit unterwegs Tracks geladen werden können… Bis jetzt ganz zufrieden – am Wochenende dann mal einen ausführlichen Test… Einziges Manko bis Dato – der Tempe Sensor wird nicht immer gefunden beim Neustart… da muss ab und zu mehrfach der An/Aus Taste betätigt werden…. Ansonsten bin ich (bis jetzt) zufrieden… bin aber erst 2x gefahren bis jetzt….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.