Test Garmin Camper 1090 MT-D

Das 10 Zoll große Camper 1090 von Garmin ist nicht nur groß, es bietet sehr viel Freiheiten bei der Camping-Urlaubsplanung. Gleichzeitig führt das Camper-Navi auch Neulinge sicher ans Ziel und ist mit ein paar technischen Neuheiten wie der Browserfunktion auf dem neuesten Stand. Wir haben das Camper 1090 getestet.

Gespannt fieberten Campingfans den ersten Corona-Lockerungen samt Reisestart für Camper entgegen. Die gute Nachricht: Seitdem haben Campingplätze in den meisten Bundesländern geöffnet und die Campingurlaubsplanungen sind in vollem Gange. Urlaub mit dem Wohnmobil liegt hoch im Trend und immer mehr Neulinge suchen nach Tipps für die Planung ihrer ersten Campingtour. Natürlich geht kaum jemand noch ohne technische Hilfsmittel auf Reisen. Denn trotz neuem Gefährt in Übergröße möchte jeder sicher ans Ziel kommen.

Ein Hilfsmittel kann da Garmins Camper-Navi 1090 sein, das kürzlich auf den Markt gekommen ist. Die Camper-Navigation ist extra für die Navigation mit einem Wohnmobil oder Wohnwagen konzipiert und das System berücksichtigt bei der Ermittlung der Route die Größe und das Gewicht des Fahrzeugs. Warum gerade Neulinge mit diesem Gerät auf der sicheren Seite stehen und was das Camper-Navi sonst noch bietet, zeigen wir Euch in diesem Test.

Grundsätzlich bietet das Camper 1090 von Garmin die gleichen Features wie das Camper 890. Einzig die Abmessungen und das Display haben einen Wachstumsschub erfahren. Wir haben darüber hinaus noch einen kleinen Blick auf die Performance des Navis geworfen, wie es der Wunsch eines pocketnavigation.de-Lesers war.

Garmin Camper 1090 in einem VW Campingbus

 

Zubehör und Montage

Unter den im Paket mitgelieferten Zubehörteilen befinden sich:

  • eine Saugnapfhalterung für die Windschutzscheibe
  • eine Schraubhalterung mit 3 Schrauben
  • ein 12-Volt-Verbindungskabel
  • ein USB-Kabel,
  • eine Kugelhalterung für Halterungen von anderen Herstellern (2,5 cm Durchmesser)
  • kurze Bedienungsanleitung

Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten das Camper 1090 zu montieren. Zum einen gibt es die sehr einfache Montage durch die magnetische Aktivhalterung mit Stromversorgung: Hier hat Garmin gut reagiert und zu der damals noch beim Garmin Camper 760LMT-D eingesetzten Kugelhalterung eine Alternative geschaffen. Wenn gewollt, ist an der magnetischen Halterung die Kopplung einer Rückfahrkamera oder Dashcam, entweder von Garmin oder von Drittanbietern wie Nextbase, über die Video-In-Schnittstelle möglich. So behalten Wohnmobilbegeisterte auch beim Rückwärtsfahren den Überblick. Gleich darunter befindet sich ein AUX-Ausgang (Klinkestecker) für Headsets oder zum direkten Verbinden mit dem Autoradio.

Weiterhin werden mitgeliefert ein 12-Volt-Verbindungskabel, eine Schwerlast-Saugnapfhalterung und eine Schraubhalterung für das Amaturenbrett, wobei wir die feste Schraubhalterung der Scheibenhalterung vorziehen würden, einfach aufgrund des Gewichts des Navis. Uns zumindest scheint der Verschleiß bei der Plastikausführung vorprogrammiert. Nichtsdestotrotz hat uns das sehr gute Arretierungskonzept, auf das wir im Abschnitt Bedienung in unserem Test eingehen, sehr überzeugt. Die ebenso im Paket beiliegende AMPS-Platte mit 1-Zoll-Kugelkopf (2,5 cm Durchmesser), welche mit einer RAM-Halterung verwendet werden kann, bietet die Möglichkeit auf eine Halterung eines anderen Herstellers auszuweichen. Zu guter Letzt findet sich im Paket noch ein Micro-USB-Kabel zum Laden und Übertragen von Daten. Diese finden am besten auf einer Speicherkarte Platz. Das Garmin Camper 1090 selbst besitzt dazu einen MicroSD-Slot als Speichererweiterung. Möglich sind bis zu 256 GB große MicroSD-Karten.

Bilder von Garmin; Saugnapfhalterung mit Flügelschraube und Mutterschraube (oben rechts); AMPS-Platte (unten links); 2,5-cm-Kugelhalterung an magnetischer Halterung (rechts unten)

Verarbeitung, Stabilität

Die vollständige Anleitung zum Camper 1090 als PDF-Dokument findet man online zum Herunterladen auf der Garmin-Webseite im Bereich Support-Center. Die Geräteabmessungen lassen die Kulleraugen beim Öffnen des Kartons vor Erstaunen schon größer werden. Ganze 24,5 x 15,4 x 2,1 cm ist das 10-Zoll-Navi groß. Es wiegt 534 Gramm und hat einen schmalen Rahmen um das Glasdisplay herum.

Zur Verarbeitung des Gerätes hatten wir in der Redaktion unterschiedliche Ansichten. So wirkte das Camper-Navi für den einen Redakteur, zumindest für den aktuellen Produktpreis, nicht hochwertig genug, zumindest recht einfach von den Materialien her. Die Meinung der Redakteurin dagegen fiel gemäßigter aus: Zugegeben, der Kunststoff weist einige etwas rauer verarbeitete Ecken auf. Insgesamt aber bietet das Navi ein stabiles und schickes Erscheinungsbild, was durchaus dem riesigen Glasdisplay geschuldet ist.

Die magnetische Halterung selbst sitzt bombenfest und nix wackelt. Es gibt auch kein Nicken oder Verrutschen des Navis während der Fahrt. Möglich wird dies durch eine kleine Besonderheit an der Halterung der neuen Camper-Navis von Garmin. Es sind so eine Art festziehbare Zahnräder an der Seite der Halterung. Mit einer sogenannten Flügelschraube lässt sich der Arm der Saugnapfhalterung zudrehen, womit sich anschließend nichts mehr bewegen lässt. Verstärkt wird der Effekt zudem durch eine festziehbare Schraubenmutter bei der Kugelhalterung. Insgesamt wirkt das Navi robust und als könnte es eine Menge aushalten. Die große Glasfläche dagegen wirkt ziemlich empfindlich. Ob das der Fall ist, werden die Langzeit-Erfahrungen der Nutzer und Nutzerinnen bestimmt bald verraten.

Camper 1090 Magnetische Befestigung mit Flügelschraube an Saugnapfhalterung

 

Display – Groß, größer, Garmin Camper 1090

Garmin präsentiert sein bisher größtes 10-Zoll-Wohnmobil-Navigationsgerät mit hochauflösendem Touch-Display, das sowohl im Hoch- als auch im Querformat verwendet werden kann, was es im Prinzip schon zu einem Android-Tablet macht. Das 10 Zoll große Display ist wirklich sehr groß und übertrifft das Camper 890 mit 8 Zoll () sowie das Camper 785 mit 7-Zoll-Display (). Gegenüber dem 8 Zoll Display des Vorgängers, Camper 890, ist die Auflösung des IPS-TFT Farbdisplays mit 1280 x 800 Pixeln gleich geblieben.

Im VW Bus, in dem wir das Navi ausfahren durften, wirkten die 10 Zoll eigentlich schon fast zu groß, da es hier und dort schon mal den Blick auf die Straße versperrte. Manche werden deshalb vermutlich bevorzugen, den Camper 1090 so tief wie möglich am Dashboard anzubringen, um die Sicht maximal zu halten. Bei Womos, in denen die Scheibe meist extrem weit weg ist, macht die Größe dann schon mehr Sinn. Vermutlich kommt man dann zwecks Bedienung nicht mehr so gut dran. Tatsächlich hat Garmin aber für genau diese Situation mit der Sprachbedienung eine perfekte Lösung parat. Im PKW ist das Navi kaum sinnvoll nutzbar. Wie ein Backstein an der Windschutzscheibe sieht es aus und die Sicht auf die Straße ist sehr eingeschränkt. Unsere Meinung: Es hat im PKW nichts verloren, zumindest nicht an der Frontscheibe. Insofern ist der Einsatzort des Garmin Camper 1090 MT-D definitiv nur im Wohnmobil oder einem kompakten Campingbus.

Garmin Camper im Hochkantformat kann ein Tablet ersetzen

Übersicht und Ablesbarkeit

Das große Display des Camper 1090 schafft Übersicht und gute Ablesbarkeit. Auch bei weiter entfernten Frontscheiben bleiben Navigationsdetails einfach zu erkennen. Die hohe Auflösung macht sich schnell bezahlt: Sobald die Sonne ins Gefährt scheint, spiegelt das glänzende Display recht stark. Doch die kräftigen Farben und die gute Auflösung lindern den reflektierenden Effekt, so dass der Bildschirm nicht blendet. So gesehen, könnte die Displayauflösung sogar noch höher sein, vor allem wenn man eigentlich ein Tablet als Navi gewohnt ist. Unsere Überlegung dazu: Eventuell wäre sogar ein Display mit mattem Finish angebrachter für ein Womo-Navi.

Der Kontrast ist super und die Helligkeit passt sich automatisch der Umgebung an bzw. kann auch manuell eingestellt werden. Bei dieser Auflösung ist sogar das Schauen von Fotos und Videos auf dem Navi nicht abwegig. Was aber mehr ins Gewicht fällt: Auch auf große Distanz kann man beim Navigieren Ortsnamen noch gut erkennen. Ins Gewicht fallen aber auch im Sinne des Wortes die Abmessungen, so dass unser Camper-Testkandidat ordentliche 534 Gramm im Gegensatz zur 8 Zoll Ausgabe mit 387 Gramm auf die Waage bringt.

Fazit:  Das Display ist hell und gut ablesbar, auch wenn es mal etwas sonniger wird. Es reflektiert und spiegelt jedoch bei seitlichem Sonnenschein recht stark, wie hier unten auf dem Bild zu sehen ist.

Spiegelung bei Sonnenschein auf dem Display des Camper 1090 MT-B

Bedienung und Kartenupdates

Der An-Aus-Schalter des Gerätes wollte erst einmal gefunden werden, er befindet sich links am Rand des Displays in einer kleinen Einbuchtung, wie beim älteren Modell auch. Der Taster ist im Vergleich zum Gerät recht klein und dadurch irgendwie nicht so leicht zu treffen. Nach dem Einschalten führt einen das Navi automatisch durch die ersten Schritte, was für Nutzer/-innen sehr bequem gelöst wurde. Während der ersten Schritte gibt es die Möglichkeit, das Smartphone per Bluetooth mit der heruntergeladenen Garmin Drive App zu koppeln und eine WLAN-Verbindung einzurichten. Sobald das geschehen ist, lassen sich Live-Verkehrsdaten, die Bluetooth-Freisprechfunktion und Smart Notifications (Smartphone-Benachrichtigungen) auf dem Navi abrufen und das Camper 1090 möchte erst einmal diverse Updates laden. Das haben wir ihm auch brav erlaubt.

Sehr kleiner Ein-Aus-Schalter des Garmin Camper 1090

 

Währenddessen erkunden wir das Gehäuse und suchen nach der Lautstärkeregelung. Dabei fällt auf: Die Laut-Leise-Wippen sind plan an der Rückseite des Camper-Navis angebracht und geriffelt, um sie besser zu ertasten. Das gelingt sehr gut. Man erfühlt die Wippen sehr flott. Die Platzierung an der Rückseite bringt auch den Vorteil, dass man von vorne oder seitlich keinen Druck auf das Navi ausüben muss, um die Lautstärke zu verändern. Wären die Lautstärkeregler seitlich oder vorne angebracht, müsste man beim Drücken die andere Hand zur Hilfe nehmen und dagegenhalten, um das Navi festzuhalten, weil sonst die Gefahr bestünde, dass sich die Saugnapfhalterung löst und das Navi runterpurzelt. Durch die Lösung an der Rückseite kann man das Navi ganz einfach mit einer Hand zwischen Mittelfinger und Daumen festhalten und mit dem Zeigefinger hinten die Lautstärke anpassen. Natürlich geht das auch ganz entspannt über die Sprachsteuerung. Wie dies funktioniert, lest ihr im Kapitel Extras.

Garmin Camper 1090 Laut-Leise-Tasten plan am Gehäuse und magnetische Befestigung mit 14-PIN-Anschluss

 

Menü: Die Menüführung erinnert an das Konzept auf dem Garmin Overlander All-Terrain, den wir auch schon getestet haben. Auf dem Camper 1090 erwartet Nutzer/-innen nicht das für Garmin typische Menü, sondern ein in Kacheln beziehungsweise Widgets sortiertes Startmenü. Die beiden großen Kacheln „Zieleingabe” und „Karte” gehören jedoch zum bekannten Erscheinungsbild auf Garmin Navis. Alle anderen kleinen Widgets, die sich drumherum befinden, kann man wie Apps auf einem Android-Tablet selbst anordnen, indem man die Symbole etwas länger gedrückt hält. Damit lässt sich der Startbildschirm ganz auf die eigenen Bedürfnisse mit seinen Lieblingseingabe-Elementen anpassen, was super ist.

Klickt man auf den Button „Apps”, öffnet sich ein Untermenü mit Apps zur Navigation und zu Extras wie Bildergalerie, Musik, dem Dateimanager oder einem Browser. Mehr zum Browser erfahrt Ihr im Kapitel Extras. Generell hat das Garmin-Navi extrem viele Funktionen und es lassen sich etliche Details zur Optik oder Funktionsweise des Navi einstellen, so zum Beispiel Kontrast und Größe der Schrift, ob eine Displaysperre aktiviert sein soll, und nach welcher Zeit das Navi in den Ruhezustand gehen soll.

Die Kartenansicht auf dem Navi ist klar und aufgeräumt, wie man es eben von Garmin gewohnt ist. Kräftige Farben und deutliche Kontraste dominieren das Garmin-typische Aussehen. Da gibt es nichts Neues zu berichten. Das Cockpit bietet dennoch sehr viele Optionen und personalisierbare Datenfelder. Das Navi hat Infos zu Geschwindigkeit, Tempolimits, Ankunftszeit, Distanz zum Ziel oder auch eine Kilometermarkierung namens Kilometerstein. u. v. m. Der Kilometermarker ist besonders hilfreich bei einem Autounfall oder einer Panne und man Rettungsdiensten seine Position mitteilen möchte.

Einfache Software- und Kartenupdates

Auf dem Camper 1090 sind 3D-Karten und 3D-Gebäude von 46 Ländern mit an Bord. Weitere Karten sind via Garmin Express erhältlich, darunter Nord- und Südamerika, Südafrika, Naher Osten, Australien oder Neuseeland. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die voreingestellte Kartenansicht zu ändern und durch einige andere zu ersetzen. Zur Auswahl stehen mehrere Farbdesigns.

Das Laden der Kartenupdates und Softwareupdates gelingt reibungslos und intuitiv. Das hängt natürlich auch etwas von der eigenen Internetschnelligkeit ab. Möchte man das Laden der Updates erst einmal überspringen, ist das auch kein Problem. Das Navi sucht im Hintergrund nach Updates. Anschließend findet man diese in den Einstellungen unter Updates und kann sie manuell anstoßen. Wenn man bis dato die Software Garmin Express gewohnt war, dann lassen sich alle Karten und Software auch darüber verwalten und aktualisieren. Das Laden aller Updates ohne Computer macht das Garmin Camper-Navi wirklich hervorragend. Sogar unterwegs per WLAN-Hotspot auf dem Campingplatz lassen sich Aktualisierungen mit viel Geduld herunterladen.

Buttons auf der Startseite anpassbar, Garmin Camper 1090
Garmin 1090 Kartenupdate & Softwareaktualisierungen über WLAN

Erster Performancetest flüssig

Nun ein Trommelwirbel für den ersten Performancetest des Navis! Den echten Test muss das Navi beim Routenerstellen absolvieren. Hier zuerst nur unser subjektiver Eindruck beim wilden Scrollen und Tippen durch das Menü: Das Navi reagiert flüssig. Es gibt keine Stotterer beim Bedienen und die Eingabe der Adresse wird sofort mit einer Liste von Vorschlägen erwidert. Man muss dazu sagen, wir hatten das Navigationssystem nicht lange genug, um den Speicher ordentlich auszulasten. Meist sinkt die Performancestärke bei sich anfüllendem Speicher, was an dieser Stelle ehrlicherweise mit einkalkuliert werden sollte. Besonders wenn man bedenkt, dass das Camper auf Android-Basis das Installieren von Apps und noch mehr Apps erlaubt. Übrigens kommt auf dem Camper 1090 die Android-Version 6.0.1 zum Einsatz, auch als Marshmallow bekannt. Das ist nicht gerade das neueste Betriebssystem, aber wir hatten während unseres Tests tatsächlich nichts auszusetzen. Insofern bleibt zu hoffen, dass alles eine lange Zeit rund läuft, auch wenn diese Version nicht länger mit Updates unterstützt wird.

Das Verschieben der Karte auf dem Navi verläuft ruckelfrei und lädt recht schnell nach, obwohl es natürlich immer Optimierungsbedarf gibt. Die Sprachausgabe hat während der Fahrt samt Fahrgeräuschen einen guten und ausreichend lauten Klang, sie könnte allerdings während der Telefonate über die integrierte Freisprecheinrichtung noch ein wenig lauter sein. Da wirkte die Stimme des Gegenübers fast leise. Im PKW und Bus wird das weniger ein Problem sein, doch im Wohnmobil hätten wir uns eine höhere Lautstärke gewünscht. Zu erwähnen bleibt der Vollständigkeit halber: Diejenigen, die ein Fusion Autoradio besitzen, können das Garmin Camper 1090 damit kabellos oder per AUX koppeln und erhalten dann die Navigationsansagen über die Lautsprecher im Auto.

Die Batterielaufzeit hält laut Hersteller ohne Stromversorgung bis zu 2 Stunden, so auch in unserem Test. Der Lithium-Ionen-Akku mit 3,7 Volt und 2,3 Ah scheint eine brauchbare Laufzeit zu haben, denn das Navi hielt tapfer aus, solange wir mit Klicken und Scrollen beschäftigt waren. Sogar wenn man den Browser nutzt, hält die Laufzeit, was Garmin verspricht. Der Navigationsmodus allerdings treibt dem Akku kleine Schweißperlen auf das Gehäuse. Hier muss man beim Navigieren mit einer halben Stunde weniger Akkulaufzeit rechnen, zumal die Verkehrsdaten oft noch parallel geladen werden. Zugegeben dafür ist der Akku aber eigentlich nicht vorrangig gedacht. Im Auto wird das Navi ja mit Strom versorgt. Einsatzzweck ist hauptsächlich das Zuhause, wo man das Navi nicht gleichzeitig laden und bedienen kann. Wir persönlich haben kein extra Ladegerät vermisst.

Einstellungen und Camping-Eigenschaften

Und hier sind wir mittendrin im Thema: Camper-Navis können für Camping-Einsteiger eine nützliche Entlastung sein. Alteingesessene Camper sind erfahren, kennen ihre Routen, die kniffeligen Stellen, aber auch die Spezifika ihres Wohnmobils. Oft nutzen trainierte Camper eigene Kombinationen aus normalen Navi-Apps, Kartenlesen und, und…  Bei Anfängern ist das ganz anders. Sie benötigen noch alle Unterstützung, die sie bekommen können.

Die Einstellungen zum Fahrzeugprofil fallen einem auf der Startseite gleich als erstes ins Auge. Man hat die Auswahl von Auto sowie Auto mit Anhänger und Wohnmobil oder Wohnmobil mit Anhänger, darunter Bootsanhänger. Das Navi leitet einen rasch durch die Eingabe der Eckdaten zu Abmessungen, Gewicht, Anhänger sowie maximales Tempo, das man fahren möchte. Zusätzlich kann man angeben, wie viele Gastanks man mit sich führt, da es Brücken, Tunnel und Straßen gibt, auf denen die Durchfahrt damit nicht erlaubt ist. Es lassen sich mehrere Profile für mehrere Fahrzeuge oder Anhänger speichern. Dadurch kann man im Urlaub auch mal ohne Anhänger losfahren und muss nicht erst lange und jedes Mal erneut die Daten eingeben.

Camper 1090 Fahrzeugprofil für Womos, Anhänger & PKW

 

Filterfunktionen für das Campen – wonach kann man filtern?

Das Camper 1090 hat eine große Campingplatz-Datenbank: Campingplätze von ASCI, NKC Campercontact, Trailer’s Park, iOverlander sind vorinstalliert. Dazu kommen POIs von Foursquare und TripAdvisor, welche das Erkunden der Umgebung durch Bewertungen von Reisenden erleichtern sollen.

Die Camping-POI-Suche bietet viele Filterfunktionen, wonach man den für sich passenden Wohnmobilstellplatz, Campingplatz oder Servicestandort heraussuchen kann. Bei den Campingplätzen stehen drei Campingplatztypen zur Verfügung: offizielle und inoffizielle Campingplätze sowie Wildcampen. Darüber hinaus können diverse Eigenschaften der Campingplätze gefiltertt werden, etwa ob der Campingplatz am Fluss Die Suchfilterattribute beinhalten unter anderem Duschen, Internetzugang, Stromanschlüsse, Frischwasser, Abwasser, Parken über Nacht viele weitere.

Innerhalb der POI-Suchfunktion haben sich einige englische Begriffe eingeschlichen, offensichtlich wurden sie noch nicht ins Deutsche übersetzt. Mit dem nächsten Software-Updates sollte dies aber behoben sein. Leider sind die Telefonnummern in den POI-Details nicht klickbar, wenn man die POIs aufruft. Das ist schon seltsam, vor allem wenn das Navi doch eine Telefonkopplung mit Freisprecheinrichtung hat, worüber man sofort Kontakt herstellen könnte.

Garmin-Navis haben den großen Vorteil, dass sie auch externe und eigene POIs installieren können. Mehr Sicherheits-POIs und eigene POIs zum Thema Essen und Trinken, Outdoor-POIs, Einkaufen usw. finden sich über POIbase, dem kostenlosen POI-Installationstool, welches die POIs gleich in das richtige Format umwandelt und automatisch auf das Navi kopiert. POIbase gibt es als Browser-Version und als PC-Version.

Zum Beispiel gibt es Sicherheit-POIs der POIbase Community zu Schlaglöchern, Bodenwellen, Rettungspunkten, Aquaplaning, Nebelbildung usw. Es können aber auch feste und mobile Blitzerstandorte installiert werden. Die Blitzerdaten geben unterwegs extra Sicherheit, da sie zusätzlich zum Signalton mit der Ansage der Geschwindigkeit angekündigt werden, z.B. „Achtung , 80er Blitzer“. Auch die kostenpflichtigen POIs von Camping.Info sind eine ausgezeichnete Ergänzung zu den anderen POI-Anbietern, da die Plattform Stellplätze und Campingplätze mit Sternebewertungen der Gäste listet und welche oft noch in keiner anderen Datenbank zu finden sind.

Hier gibt es Infos zur Installation von Sonderzielen und POIs für Garmin-Navis sowie ein Video zu POIbase.

Navigation, Routenplanung und Verkehr

Sowohl für Womos als auch für Fahrzeuge mit Anhängern berechnet das Garmin 1090 fahrzeugspezifische 3D-Routen. Dabei werden bei kniffeliger Straßenführung im Idealfall die Abmessungen und das Gewicht des Fahrzeugs auf der Suche nach der besten Route einbezogen, so dass entsprechende Überführungen, enge Kurven und andere Straßenbeschränkungen umfahren werden.

Das integrierte Höhenprofil zeigt Fahrenden schwierige Stellen und Höhenunterschiede wie Steigungen und Gefälle an, um Kraftstoff zu sparen. Auch um Pausen- und Serviceplanung kümmert sich das Garmin Camper 1090, wenn man es ihm gestattet.

Angaben zu Steigung und Gefälle auf dem Camper 1090
Garmin Camper 1090: Höhe auf der Route

 

Die einfache Zieleingabe auf dem Navi ist schnell und intuitiv zu bedienen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, eine Adresse einzugeben, ob über Favoriten, Koordinaten, kürzlich eingegebene Ziele, Kreuzungen oder die POI-Suche wie Tankstellen mit Tankpreisen, Trailer’s Park, Park4Night u. v. m.

Garmin Camper 1090 vielfältige Adresseingabe
Garmin Camper 1090 Zieleingabe über POIs, Koordinaten…

 

Die Zieleingabe beherrscht das Navi nicht nur direkt auf dem Navi, sondern auch per Garmin Drive App, welche das Smartphone mit dem Camper 1090 koppelt. Über das Smartphone können dann Adressen oder Koordinaten kopiert und per App auf das GPS hochgeladen werden. Das gelingt auch mit vorab geplanten Routen im GPX-Format, etwa über Land, BaseCamp oder Google Maps. Im Menüpunkt „Routenplanung“ und „Gespeicherte Routen“ finden sich dann die übertragenen Touren (siehe Bild unten).

Wenn man selbst eine Basecamp-Route geplant hat und nicht möchte, dass das Navi davon abweicht und es auch keine Routenneuberechnung vornehmen soll, falls man selbst von der Route abweicht, kann die Routenneuberechnungsfunktion deaktiviert werden. Dazu klickt man in den Einstellungen ins Menü „Verkehr” und wählt bei der Option „Route optimieren” aus, die alternativen Routen nur nach Aufforderung zu verwenden. Selbiges kann bei der Vermeidung von Maut, Umweltzonen usw. eingestellt werden. Dann sollte das Navi keine ungefragten Neuberechnungen mehr ausführen. Ist man im Urlaub einmal auf eigener Achse unterwegs, finden wir auch die TracBack-Funktion sehr interessant.  Diese zeichnet die letzte Fahraktivität auf und man kann diesem Track anschließend zurück zu der vorherigen Position folgen.

Über GPX-Dateien gespeicherte Routen für den Camper 1090

 

Bei der Routenberechnung kommen Routenpräferenzen (kürzere Strecke, kürzere Zeit etc.), Reisendatenfelder, das Höhenprofil und Zwischenziele wie Sehenswürdigkeiten zum Einsatz. Am Ende errechnet das Navi drei alternative Routen. Diese können sich Nutzer und Nutzerinnen dann im Detail anschauen, reinzoomen und auch Routenpunkte ändern oder hinzufügen, um die Tour weiter nach eigenen Wünschen anzupassen.

 

Erfahrungsgemäß wird, ungeachtet des Navi-System-Herstellers, nicht jede Streckenführung für das Wohnmobil perfekt sein, so dass zu niedrige Brücken und zu schmale Straßen nicht immer zu 100 % vermieden werden. Das muss aber nicht zwangsweise an dem Navigationssystem selbst liegen, denn die Daten zu den Straßengegebenheiten, auf die sich Kartenhersteller beziehen, liefern Straßenbehörden. Fehlen demnach Informationen oder sind sie falsch hinterlegt, kann es bei der Navigation Mängel geben.

Für unseren Test haben wir zwei Routen gestartet: Die erste war eine Deutschland-Rundtour und führte über mehrere Zwischenziele von München über Stuttgart, Düsseldorf, Hannover, Hamburg, Berlin bis nach Dresden. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Routenerstellung für PKWs schneller vonstatten geht als eine Routenberechnung für Wohnmobile, da die Straßengegebenheiten einkalkuliert werden müssen. Auch unterscheiden sich die Berechnungszeiten nochmal, wenn Autobahnen vermieden werden sollen. Dann muss das Navi auch länger rechnen.

Während also die Berechnung mit Autobahn 1 Minute und 3 Sekunden dauerte, benötigte das Camper 1090 für die gleiche Städtetour ohne Autobahn 48 Sekunden. Ohne Live-Verkehr übrigens sogar nur 39 Sekunden. Das Vermeiden der Autobahn oder Landstraße hat den Vorteil, dass das Navi trotz Angabe der Fahrzeugabmessungen, nicht immer die schönsten Straßen überspringt und nicht Landstraßen oder Autobahnen bei der Kalkulation bevorzugt.

Unsere zweite Tour war eine echte Herausforderung und erstreckte sich 2728 Kilometer von Berlin nach Portugal zum Campingplatz Parque Municipal de Campismo. Ohne Zwischenziele auf direktem Wege sollte es dorthin gehen. Aus diversen Kommentaren im Internet war uns bekannt, dass einige Navigationssysteme angeblich nur Routen bis zu maximal 1000 Kilometer Länger berechnen konnten. Wie würde sich also das Camper 1090 schlagen? Nun, in erstaunlich schnellen 28 Sekunden präsentierte uns das Camper-Navi die gesamte Weglänge mit Autobahn-Einbindung nach Portugal. Doch so sehr wie wir von dieser Rekordzeit für die lange Strecke beeindruckt waren, so erstaunt und auch etwas enttäuscht waren wir über die Zeit für die Berechnung der Strecke mit Vermeidung von Autobahnen. Ganze 3 Minuten benötigte das Navi. Bei einem weiteren Versuch waren offensichtlich die Verkehrsdaten schon geladen und so dauerte die Berechnung 2 Minuten und 30 Sekunden. Immerhin aber gelang eine erfolgreiche Routenführung.

Aufgefallen ist uns bei den beiden Testläufen noch die folgende Meldung: „Keine Informationen vorliegend“. Im Prinzip konnte man den Hinweis mit dem Button „Weiter“ ignorieren und dann wurde die Route dennoch erstellt. Welche Informationen damit verloren gingen, das bleibt wohl Garmins Geheimnis. Höchstwahrscheinlich waren es Informationen zu Straßenverhältnissen.

Routenberechnung mit Zwischenzielen in Deutschland
Routenberechnung von Deutschland nach Portugal

 

Unterwegs können sich Womo-Fahrende beim Befahren von heiklen oder unpassenden Streckenabschnitten vom Fahrerassistenzsystem unterstützen lassen, um visuell und akustisch auf scharfe Kurven, Seitenwind oder Wildwechsel aufmerksam zu machen. So können zahlreiche Alarme, Warnungen sowie Tempolimits eingestellt werden. Als akustische Warnung erfolgt ein dezenter, aber gut hörbarer Doppel-Gong. Die Warnungen kommen recht früh, aber so hat der entspannte Wohnmobilfahrer genügend Zeit sich zu orientieren.

Warnungen können für Schulen, Propan zudrehen oder bei Änderung des Tempolimits eingestellt werden. Bei Geschwindigkeitsüberschreitungen des geltenden Tempolimits wird ebenso visuell mit einem rotem Rahmen um das Tempolimit und einem Signal gewarnt. Wir konnten allerdings nicht herausfinden, ob dafür individuelle Toleranzbereiche eingestellbar sind, das heißt für 5 km/h, 10 km/h usw. zu viel auf dem Tacho. Im Supportbereich auf Garmins Seiten steht geschrieben, dass die neuesten Straßennavigationsgeräte erlauben, die Geschwindigkeit, mit der man das Tempolimit überschreitet anzupassen; allerdings nur mit aktueller Gerätesoftware. Es kann deshalb sein, dass wir nur noch nicht das neueste Software-Update installiert hatten. Eine Unterscheidung zwischen einer Tempoüberschreitung außerorts und innerorts konnten wir ebenso nicht vornehmen.

Camper 1090 Vermeidungen auf der Route
Akustische Alarme für Tempolimit überschritten
Spurassistent auf dem Garmin Camper 1090

 

Dafür überzeugte die reelle Schilderanzeige der Ausfahrten an Autobahnen und Bundesstraßen sowie die Kreuzungsansicht und der Spurassistent in der Stadt. Eine weitere Hilfe bietet das Feature Garmin Real Directions mit genauen Fahranweisungen, an welcher Straße man abbiegen soll. Was man wissen muss: Garmin-Navis haben etwas spezielle Navigationsanweisungen, sie sagen häufig nur, ob man an der ersten, zweiten, dritten etc. Ausfahrt den Kreisverkehr verlassen soll. Es werden keine Straßennamen genannt. Hat man also einmal nicht mitgezählt, dreht man eine Ehrenrunde im Kreisverkehr.

Allerdings beruhen die Navigationsansagen auf prägnanten Orientierungspunkten wie Ampeln, Tankstellen, Gebäuden oder Brücken. Diese nennt Garmin Real Voice und sie lauten beispielsweise: „In 500 Metern nach der Ampel rechts abbiegen“ oder „Am Cafe / Vor der Kirche links abbiegen“. Generell kommen die Ansagen gut verständlich rüber und die Stimme klingt auch bei höchster Lautstärke keineswegs blechern. Nur hört man trotz Garmin Real Voice Sprachtechnologie an manchen Stellen, dass es sich um eine synthetisch erzeugte Stimme handelt. Um die Real Voice Anweisungen zu hören, muss entweder die deutsche Stimme Petra oder Anna gewählt werden.

Via Garmin Drive App empfängt das Garmin Camper 1090 Live-Dienste zu Verkehrsbehinderungen oder das Wetter über den mobilen Datentarif. Der Live-Verkehr sowie die Wetterdaten für die lokale Umgebung halten einen auf dem neusten Stand und machen es einfacher, schneller Entscheidungen zu treffen, wo es langgehen soll. Zusätzlich können über dem im KFZ-Anschlusskabel integrierten Verkehrsfunkempfänger auch ohne Smartphone aktuelle Verkehrsinformationen empfangen werden. Über die öffentlichen Radiosignale DAB oder TMC werden ebenfalls Verkehrsinfos abgerufen. Letztere Daten können nur in Ländern ohne DAB empfangen werden, was in Europa hier und dort schon mal passiert. In Österreich war Anfang 2019 der DAB+-Empfang noch nicht flächendecekend verfügabr. Seit Ende 2020 soll der Netzausbau aber ausgeweitet worden sein. Die Verkehrsmeldungen über DAB+ und die Live-Verkehrsdaten stammen vom Anbieter HERE-Traffic und sind deutlich zuverlässiger und besser als TMC-Staumeldungen. Insgesamt waren wir zufrieden mit den Umleitungen auf unseren Fahrten. Zur Rushhour in Berlin kamen die Meldungen minütlich auf den Bildschirm, so dass die Bestätigungen der Umleitungen teilweise viel Aufmerksamkeit forderte. Doch wir kamen jeweils gut ans Ziel.

Visueller & akustischer Alarm für Straßensperrung
Anzeige von Straßenbeschränkungen auf der Karte

 

Extras auf dem Garmin Camper 1090

Musik für unterwegs kann das Navi auf einer externen Speicherkarte speichern. Dabei wird die Musik nach Alben, Titeln, Interpreten oder Playlists sortiert, vorausgesetzt die Werte und Eigenschaften sind in den Musikdateien hinterlegt. Neben einer Screenshotfunktion, die ein Bild des aktuellen Bildschirms aufnimmt, gibt es noch den Dateimanager, der das Herunterladen von PDF-Dokumenten erlaubt.

Wie erwähnt ermöglicht die Garmin Drive App, dass Smart Notifications, Anrufe und Kontakte direkt auf dem Navi Display angezeigt werden können, sofern das Smartphone via Bluetooth mit dem Navi verbunden ist. Das ist praktisch, weil das Mobiltelefon während der Fahrt nicht bedient werden darf und das Navi stattdessen per Sprachsteuerung ansprechbar ist. Für die Benachrichtigungen sowie die eingehenden Anrufe steht eine ganze Auswahl an verschiedenen Tönen zur Verfügung.

Garmin Camper 1090 mit Bluetooth-Freisprechfunktion
Camper 1090 Smartphone verbinden für Freisprechfunktion

 

Da wir gerade beim Thema Sprachsteuerung sind: Diese funktioniert anhand des Codesatzes OK Garmin und einiger Standardsätze, auf welche der Routenprofi hört: „OK Garmin – Restaurant“, „OK Garmin – Laustärke 9“. Auf diese Weise lassen sich Ankunftszeit, Wetter usw. abfragen. Leider funktionierte der Test mit den Sprachbefehlen bei uns nicht. Das Camper 1090 hörte nicht auf unser Zurufen und blieb teilnahmslos. Anscheinend fehlte dem Navi noch ein Update, denn kurz nach Rückgabe unseres Testgeräts gab es über Garmin Express ein Update auf Version 2.20 mit Verbesserungen zu den Sprachbefehlen. Zudem wollte die Gerätesoftware aktualisiert werden. Schade – jedenfalls konnten wir die Funktion nicht ausprobieren.

Da wir die Sprachsteuerung aber schon auf anderen Garmin-Navis wie dem Drive Smart 55 und Drive Smart 65 getestet hatten und sie dort herausragend funktionierte, auch während der Fahrt mit Fahrgeräuschen, gehen wir davon aus, dass es bei diesem Testgerät ebenfalls der Fall gewesen wäre. Einige Nutzer und Nutzerinnen, welche die Sprachbedienung schon auf dem Garmin Camper 890 testen konnten, nannten den Kritikpunkt, dass auf dem Lotsen leider keine Rückmeldung erfolgt, ob der Befehl verstanden wurde, beispielsweise die Lautstärke zu erhöhen. Überprüft man dies manuell am Bildschirm, wird oben eingeblendet, dass der Befehl erfolgreich war. Außerdem soll wohl die Möglichkeit fehlen, während der Fahrt ein Zwischenziel per Sprachanweisung hinzuzufügen. Fakt ist, das Camper 1090 hört immer zu, um stets zu Diensten zu sein.

Zu den weiteren Extras zählt die anfangs erwähnte Browserfunktion. Damit kann das Navi vielleicht sogar bedingt ein Tablet ersetzen. Internetseiten aufzurufen, wie die von pocketnavigation.de, ist kein Problem und auch Youtube-Schauen funktioniert tadellos. Netflix & Co. haben wir nicht getestet, aber vielleicht könnt Ihr uns ja schreiben, ob ein ruckelfreies Netflixen funktioniert, wenn Ihr Euch für das Garmin 1090 entschieden habt. Alternativ gibt es immer noch die Möglichkeit, sich ein paar Folgen einer Netflix-Serie über die Netflix-App im Browser herunterzuladen und auf der Speicherkarte zu platzieren.

Camper 1090 mit Browserfunktion
Camper 1090 öffnet Internetseiten zügig, je nach Wi-Fi-Verbindung

 

Schließlich wurde dem Camper 1090 wie auch beim Garmin Overlander eine erweiterte Wetter-App spendiert. Ein Wetterradar mit Wetterkarte und erklärender Balkenlegende zeigt die aktuelle und detaillierte Wetterlage für die Zielregion oder für Gesamt-Deutschland an. Auch eine Wetter-Vorschau für sechs Tage sowie Zusatzinfos zu Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Straßenbedingungen sind vorhanden. Außerdem können Daten zu Unwetterwarnungen abgefragt sowie entsprechende Alarme für die Reise eingestellt werden. Für die Live-Daten wird eine Onlineverbindung benötigt! Und man muss sich darauf einstellen, dass man beim Laden der Wetterkarte, der Grafiken und aller anderen Informationen schon mal die eine oder andere Sekunde wartet.

 

Fazit

Ja, es stimmt – das Garmin Camper 1090 ist kein Schnapper, allerdings bietet es wirklich umfangreiche Funktionen. Wer mit dem Navigationsstil von Garmin zurecht kommt, wird von den vielen Möglichkeiten und Freiheiten auf dem Navi begeistert sein. Der Preis von 700 Euro ist vertretbar, sowohl was die Features angeht als auch in Bezug auf das optional verwendbare Zubehör wie Dashcams oder Rückfahrkameras oder die super stabile magnetische Halterung. Obwohl Garmins Camper-Navi durch das Glas-Display in manchen Situation recht stark spiegelt, leistet die Breitbildauflösung in HD-Qualität mit kontrastreichen Farben recht gute Dienste und kompensiert die Sonneneinstrahlung im Endeffekt ganz anständig.

Ausgenommen vom winzigen An-Aus-Schalter, der sich nicht so leicht treffen lässt, gelingt die Bedienung intuitiv und einfach. Die Menüführung ist typisch Garmin und damit ist gemeint: bewährt und gut. Das Camper-Navi hat ultra viele Funktionen und das kostet naturgemäß ein wenig Eingewöhnungszeit, die man sich anfangs auch nehmen muss. Relativ neu ist, dass sich die Widgets auf dem Startbildschirm selbst anordnen lassen. Nett ist, dass man mit der zwei Stunden langen Akkulaufzeit und der WLAN-Funktion, seine Menüanpassungen oder Karten- und Softwareaktualisierungen von der Couch aus machen kann.

Man kann sich durch ein bisschen Einsatz von Geduld und Zeit auf eine wunderbar zuverlässige Navigation gefasst machen: einerseits, was die visuelle und akustische Zielführung betrifft, andererseits was die Qualität des Routenverlaufs angeht. Die Navigationseinstellungen mit Warnungsmöglichkeiten, dem Spur- und Kreuzungsassistent sind gut durchdacht und hilfreich, obwohl eine Ansage von Straßennamen beim Abbiegen noch schöner wäre. Die Navigationsqualität in Bezug auf die Routenberechnung ist gut; sie ist nicht herausragend. Wenn man eine lange Reisestrecke in mehrere Abschnitte und Routen unterteilt und auch die einzeln berechneten Abschnitte noch mal etwas genauer unter die Lupe nimmt und korrigiert, erhält man ein super Ergebnis. Denn Garmin lässt das Anpassen und Optimieren der Route fast uneingeschränkt zu. Das ist eine Stärke der Garmin-Geräte. Natürlich ist dabei auch das Exportieren und Importieren von GPX-Routen via Garmin Drive App sehr hilfreich. Damit lassen sich Routen austauschen oder vorher am PC planen und dann an das Navi senden.

Auch mit der Performanz des Camper 1090 waren wir durchaus zufrieden. Auf Langstrecken ist es nicht das schnellste Navi, doch bei der Berechnung mit vielen Zwischenzielen agiert es erfreulich gut. Das zeigen die Zeiten unserer Testroutenberechnungen. Da legt es ein gutes Tempo an den Tag, nicht zu langsam, aber auch nicht besonders flott. Der Live-Verkehrsdienst ist unserer Erfahrung nach zuverlässig und bringt Meldungen zu Verkehrsstaus sehr schnell auf den Schirm, so dass diese schon teilweise zu viel Augenmerk fordern, um die Umfahrungen zu bestätigen oder abzulehnen. Die Live-Verkehrsdaten stammen von Here Traffic.

Die Größe des Navis bietet das Potenzial, es gleichzeitig als Tablet und Navi einsetzen zu können. Dazu tragen insbesondere die vielen Extras wie Browserfunktion, WLAN-Verbindung, Sprachsteuerung, Wetterinformationen und Apps bei. Ebenso die POI-Suche samt umfangreichen Filterfunktionen und Bildern können sich sehen lassen. Egal ob Wildcamping oder klassicher Campingplatz, mit den Suchfiltern findet man die schönsten Stellplätze am Flussufer oder einem schönen Bach. Und wenn es mal schnell gehen soll auch mal geeignete Parkplätze über Nacht. Schön ist, dass Garmin die Installation von externen und Drittanbieter-POIs wie den unseren von POIbase erlaubt. Das macht das Navi für freiheitsliebende Camper zu einem herausragenden Begleiter.

Das Garmin Camper gibt es aktuell für EUR 585,70 € bei Amazon zu kaufen.

Weiterführende Links:

POIbase Links

2 Kommentare zu “Test Garmin Camper 1090 MT-D

  1. Eine sehr ausführliche Beschreibung, die mir bei einer Kaufentscheidung sehr helfen wird.
    Etwas schmunzeln musste ich bei den angegebenen Fahrtzeiten für die Reise nach Portugal. 2728 km in knapp 27 Stunden, das ist ein Schnitt von über 100 km/h. selbst für mich als Motorsportler ist das mit einem Wohnmobil schon sehr sportlich 🙂
    viele Grüße
    Viktor

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