Garmin Varia Radar RVR 315 im Test

Garmins dritte Generation seiner Varia-Radargeräte ist noch leichter, kann neben Edge-Geräten jetzt auch mit dem Smartphone kommunizieren und warnt sogar beim Wandern. Wir haben das RVR 315 (Variante ohne Rücklicht) ausführlich getestet.

Werbung

Nerdig oder nützlich?

Ein Radargerät am Rad – das klingt ziemlich nerdig. Im Stadtverkehr macht es wenig Sinn, aber wer einmal damit längere Zeit auf Touren unterwegs war, möchte es nicht mehr missen. So lautet kurz gesagt unser Testurteil über das neue Garmin Varia Radar RVR 315, das wir hier  bereits ausführlich vorgestellt haben. Warum wir so urteilen, erfahrt Ihr jetzt.

Getestet: Variante Radar pur

Im Mai dieses Jahres brachte Garmin die beiden neuen Modelle seiner Varia-Radargeräte heraus. Da wir bei den Vorgängermodellen schon die Rücklichteinheit getestet hatten, wählten wir nun die leichteste und kompakte Variante, das RVR 315 ohne Lichtmodul. Im Bild rechts das RVR 315 (oben) und das Vorgängermodell RVR 511 (unten).

Inbetriebnahme problemlos

Das RVR 315 ist vor allem zur Koppelung mit den Edge-Modellen vorgesehen und dort als Sensor schnell hinzugefügt. Die Anbringung am Sattelrohr funktioniert ebenfalls problemlos. Man sollte allerdings darauf achten, keinen zu lockeren Gummiring zu verwenden, sonst rutscht das Radar-Modul während der Fahrt nach unten. Zur Befestigung an einer Strebe liegt ein zusätzlicher Adapter bei. Auf der Liste der kompatiblen Garmin-Geräte stehen aber auch Modelle der fenix -,  Forerunner-, D2- und vivoactive-Uhren. Auch mit den Wahoo-Elemnt-Computern kann das RVR 315 eingesetzt werden.

Variable Einstellungen

Auf dem Edge-Display erscheint die Radaranzeige genau wie beim Vorgängermodell. Ist das Radar gekoppelt und funktionsbereit, erscheint ein Symbol in der rechten oberen Ecke des Edge-Bildschirms. Nähert sich ein Objekt, erscheint seitlich am Displayrand eine Farbleiste (die kann man wahlweise links oder rechts anordnen bzw. auch abstellen), und ein weißer Punkt symbolisiert das sich nähernde Fahrzeug. Er wandert nach oben, bis das Fahrzeug die eigene Position (roter Punkt) erreicht hat. Zugleich ertönt ein akustisches Signal, das man bei dem aktuellen Modell als Ein- oder Mehrtonsignal einstellen kann.

 

Zuverlässige Funktion

Unser wichtigstes Ergebnis: Das Radar funktioniert, und zwar sehr zuverlässig. Wir hatten zusätzlich immer einen Rückspiegel montiert (und diese Kombination ist auch durchaus zu empfehlen). Während man im Rückspiegel nur ein Fahrzeug sieht, werden mit dem Varia Radar auch mehrere hintereinanderfahrende Fahrzeuge deutlich. Erst wenn alle Fahrzeuge vorbeigefahren sind, signalisiert das Radar mit einer grünen Leiste, dass keine weiteren Objekte folgen. Bei Fahrten in der Dämmerung oder auch nachts zeigt der Rückspiegel zuweilen mehrdeutige Reflexe, aber das Radar nach wie vor eindeutige Meldungen.

 

Erfassung bereits in respektabler Entfernung

Ob Fahrzeuge wirklich schon ab 140 Metern aufgespürt werden – wir sind da etwas skeptisch. Nach unseren Erfahrungen schwankte die Erfassung zwischen 120 und 80 Metern. Subjektiv ist dies jedenfalls eine ausreichend lange Zeit, um die Situation wahrzunehmen und zu reagieren, auch bei schnelleren Fahrzeugen, vor denen das Radar verstärkt warnt (rote Leiste/Symbole statt orange). Ein Schwachpunkt zeigt sich, wenn sich ein Fahrzeug aus einer Seitenstraße kommend mit ähnlicher Geschwindigkeit hinter das Fahrrad setzt. Dies wurde vom Radar zuweilen nicht bemerkt – hier musste der Rückspiegel für Klärung sorgen. Bei unseren Messungen haben wir das neue RVR 315 mit dem Vorgänger 511 verglichen und konnten dabei in Bezug auf die Radarleistung keine spürbaren Unterschiede feststellen. Möglicherweise arbeitet in beiden Systemen die gleiche Radareinheit.

Nichts für Stadtverkehr und straßenbegleitende Radwege

Im Innenstadtverkehr mit dichtem Fahrzeugaufkommen macht das Radar keinen Sinn, da piept es quasi permanent. Führt der Radweg dicht an einer befahrenen Straße entlang, meldet das VARIA-Radar naturgemäß auch die Fahrzeuge auf der Straße, und das kann natürlich auf die Dauer ziemlich nervig werden. In gleicher Weise werden Straßenbahnen erfasst oder auch sich annähernde Züge, wenn der Radweg an einer Bahnstrecke verläuft.

Varia-App ermöglicht bessere akustische Warnung

Sehr erfreulich ist, dass man mit der neuen Serie keinen Edge-Computer und auch keine separate Anzeigeeinheit benötigt (wie bei den ersten Varia-Radar-Modellen), sondern nun mit der Varia-App auf einem Smartphone koppeln kann. Dazu erhielten die neuen Radareinheiten ein Bluetooth-Modul, und auch diese Kopplung erwies sich als einfach und zuverlässig. Das Smartphone muss dabei nicht einmal am Lenker befestigt sein (wo es auf der Varia-App herannahende Fahrzeuge visuell abbildet), sondern kann auch in einer Tasche verbleiben. Denn es warnt zusätzlich mit einem Signalton und auf Wunsch auch mit Vibration, was selbst bei Musik oder während Telefonaten deutlich zu hören bzw. zu spüren ist. Das akustische Warnsignal hört man am besten über gekoppelte Bluetooth-Kopfhörer. Ebenfalls sehr wirksam ist die Kombination mit dem Edge 1030 Plus, denn der hat einen lauten Piepser.

Kompakte Maße besser für gepäckbeladenes Fahren

Ein weiterer Fortschritt ist die kompakte Bauweise. Neben dem geringen Gewicht von nachgewogenen 50 Gramm (mit Halterung 80 Gramm) ermöglicht dies eine höhere Anbringung, die insbesondere bei gepäckbeladenem Hinterrad entscheidend sein kann. Bei der Vorgängerausführung konnte es durchaus vorkommen, dass das Radarmodul durch Gepäck auf dem Hinterrad abgeschattet wurde und somit nicht mehr funktionierte.

Durchhaltevermögen für Tagestouren

Energietechnisch hielt das RVR 315 (angegeben mit sieben Stunden) bei uns sämtliche Tagesfahrten durch, die auch einmal bis zu elf Stunden (!) dauerten, allerdings unter optimalen Bedingungen (warme Außentemperaturen). Leider lässt sich der Akkustand nicht prozentual auf der App oder über die entsprechenden Edge-Menüs ablesen. Unser Rat daher: vor jeder Fahrt das RVR 315 laden. Ist es leer, auch kein Problem: Einfach eine Powerbank anschließen und schon nach wenigen Minuten kann das Radar mit angeschlossener Powerbank eingesetzt werden. Gleichzeitiges Laden und Radareinsatz sind also durchaus möglich.

Bluetooth-Stream optimierbar

Etwas merkwürdig: Ab und zu verlor das Radargerät den Bluetooth-Kontakt zum Garmin-Computer, obwohl sich an den Empfangsbedingungen nichts änderte. Das kam etwa ein- bis dreimal am Tag während unserer Touren vor. Der Edge zeigte dies deutlich an, und nach kurzer Zeit war die Verbindung wieder hergestellt.

Fußgänger-Warnsystem

Das RVR 315 eignet sich übrigens auch sehr gut als Warnsystem für Fußgänger, Wanderer und Jogger. Wer basteltechnisch etwas versiert ist, kann sich relativ leicht ein Adaptersystem für den Wanderrucksack oder auch eine Anbringung für einen Bauchgurt zusammenstellen. Das Radargerät erfasst dann auch herannahende Fußgänger (wenn man selbst steht), beim Gehen oder während des Joggens entsprechend schnellere Fahrzeuge, die sich von hinten annähern. Aus unserer Sicht eine durchaus taugliche Warnlösung für den typischen Radfahrer-Fußgänger-Konflikt.

Unser Fazit

Ein tolles kleines Technikwunder, das spürbare Sicherheit vermittelt. Im Vergleich zum Vorgänger RVR 511 konnten wir zwar keine Verbesserung des Radarsystems feststellen, aber die Laufzeit ist ausreichend lang geblieben. Die kompakten Maße und die Kopplung mit der Varia-App bescheren dem neuen System möglicherweise durchaus entscheidende Pluspunkte.
Der Preis für den Garmin RVR 315 von etwa 150 Euro ist zwar meist nicht aus der Portokasse zu bezahlen, bietet aber eine durchaus sinnvolle Investition für Fahrten oder Gänge außerhalb des Stadtgebietes.

Weitere Quellen:

Ein Kommentar zu “Garmin Varia Radar RVR 315 im Test

  1. Prima Geräte kaufe ich sofort! Jetzt kann ich mich endlich auf einsamen und kurvenreichen Wanderpfaden- ich betone PFADE – gegen diese neuerdings hordenreichen Mountain-EBikes von hinten absichern. Meine Anerkennung an Österrreich, wo dieses verboten ist.
    Der in dieser Szene nicht ganz unbekannte Autor dieses Beitrages sollte sich ein wenig seiner Verantwortung für Mensch und Natur annehmen, um für dieses ausufernde Scenario mahnende Worte zu finden.
    Aber ich fürchte, dass der Kommerz wieder mal Vorrang hat. Insoweit Corona sei Dank.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.