NavGear OC-400 und OC-500 im Test

Pearl bietet mit dem NavGear OC-400 und OC-500 zwei besonders kleine und leichte Outdoor- bzw. Fahrrad-Navis an, deren guter GPS-Empfang sich mit dem Garmin etrex 10 messen kann. Unser ausführlicher Testbericht zeigt, was die Geräte darüber hinaus geschlagen haben…

Hardware, GPS-Empfang, Höhe und Schrittzähler

Pearl NavGear OC-500 (CANMORE GP101)

Das NavGear OC-500 wird von Pearl vor allem für die Verwendung auf dem Fahrrad beworben. Entsprechend befindet sich eine Lenkerhalterung bereits im Lieferumfang. Die Halterung lässt sich leicht am Lenker befestigen und bietet ausreichend Flexibilität für unterschiedliche Lenkerdurchmesser. Ein Netzteil, Ladekabel und eine Handschlaufe runden die gute Ausstattung ab.

oc500_lecker

Das Gerät hat ein 1,8 Zoll monochromes Display mit 128 x 128 Pixel Auflösung, welches sich auch im direkten Sonnenlicht noch gut ablesen lässt und über eine Hintergrundbeleuchtung verfügt.

Das Gerät ist mit nur 45 x 80 x 15 mm und gerade mal 55 Gramm inkl. Akku sehr klein und nach IP43 geschützt. Das entspricht einem Schutz gehen „fallendes Sprühwasser bis 60° gegen die Senkrechte“ und bedeutet, dass es nur bedingt vor Feuchtigkeit geschützt ist und z.B. nicht dem direkten Regen ausgesetzt werden sollte.

Die Energieversorgung erfolgt über einen wechselbaren Lithium-Ionen-Akku mit 700 mAh, welcher eine Laufzeit von bis zu 22 Stunden im GPS-Modus ermöglicht. Geladen wird der Akku über eine Mini-USB-Buchse an der Unterseite des Gerätes, welche ebenfalls zur Datenkommunikation dient.

oc500_akku

Bedient wird das Gerät über einen Ein-/Ausschalter und zwei größere Hardwaretasten. Die Tasten haben einen hörbaren Druckpunkt und sind gut bedienbar. Die Menüführung ist grundsätzlich einfach, doch wird für die Auswahl eines Menüpunktes und die Rückkehr zum Hauptmenü ein langer Klick verwendet, was insgesamt dazu führt, dass Einstellungen mühsam und langwierig sind.

Pearl NavGear OC-400 (CANMORE GP102+)

Wer dachte, mit dem OC-500 bereits einen Winzling in der Hand zu halten, wird vom OC-400 überrascht sein. Mit nur 35 x 70 x 16 mm und gut 40 Gramm ist das OC-400 mit Sicherheit eines der kleinsten Outdoor-GPS-Geräten überhaupt und sogar leichter als viele GPS-Uhren.

NavGear OC-500 - NavGear OC-400 - Garmin etrex 10
NavGear OC-500 – NavGear OC-400 – Garmin etrex 10

Der Lieferumfang beschränkt sich auf das Gerät selber sowie ein USB-Ladekabel, mit dessen Hilfe der fest verbaute Akku geladen wird. Die Laufzeit des OC-400 beträgt im GPS-Modus bis zu 17 Stunden, eine beachtliche Leistung für den kleinen Zwerg.

Das Display misst 1,2 Zoll bei 100 x 100 Pixel und ist wie schon das Display des größeren Bruders auch bei Sonne gut abzulesen und hintergrundbeleuchtet. Der Kontrast könnte besser sein.

Das Bedienkonzept ist mit dem OC-500 identisch, die Tasten liegen allerdings sehr eng zusammen und sind durch die gemeinsame Gummiabdeckung nicht sehr präzise zu bedienen. Das OC-400 ist nach IPX6 geschützt, was nach der DIN-Norm einem „Schutz gegen starkes Strahlwasser“ entspricht. So kann das Gerät bedenkenlos auch im Regen eingesetzt werden und ist damit voll outdoortauglich.

oc400_wasserdicht

GPS-Empfang

Beide Geräte verwenden den GPS-Chip SiRFstarIV, welcher auch in vielen Smartphones zum Einsatz kommt. Es gibt unterschiedliche Methoden, die Empfangsqualität eines GPS-Empfänger zu testen. Wir bevorzugen Praxistests mit einem Referenzgerät. Den Vergleich führen wir immer auf der gleichen Strecke durch und berechnen die durchschnittliche Abweichung der Geräte gegenüber einer vermessenen Referenzstrecke. Als Referenzgerät verwenden wir das Garmin etrex 10, was sich bisher gegenüber nahezu allen Vergleichsgeräten als überlegen herausgestellt hat.

Garmin epix - NavGear OC-500 - NavGear OC-400 - Garmin etrex 10
Garmin epix – NavGear OC-500 – NavGear OC-400 – Garmin etrex 10

Trackintervall

Sowohl beim OC-400 als auch beim OC-500 kann der Protokollmodus über die mitgelieferte CanWay-Software als Zeit- oder Entfernungsintervall aktiviert werden. Zusätzlich kann eine minimale Geschwindigkeit gesetzt werden, unter der kein Tracking stattfindet.
Für unsere Vergleichstests verwenden wir immer die Einstellung 1 Sekunde, um die maximale Auflösung im Track zu erhalten. In der Praxis kann es jedoch sinnvoll sein, das Intervall zu verlängern, um glattere Tracks, deren Entfernung näher an der Realität liegt, zu erhalten. Bei kurzen Trackintervallen neigen alle GPS-Empfänger mehr oder weniger dazu, die Entfernung zu überschätzen, da sich kleine Fehler schneller summieren.

track_oc400500


Das OC-500 ist das erste GPS-Gerät, was zumindest auf unserer Standardstrecke vor dem Garmin etrex 10 liegt und einen nahezu perfekten Track abgeliefert hat. Der Track liegt insgesamt sehr gut auf der Strecke, ist detailliert und dennoch glatt und neigt auch im Stand unter schlechten Empfangsbedingungen nicht zu wilden Ausschlägen (wie z.B. die Garmin epix). Das OC-400 hat den gleichen Chipsatz und zeigt ebenfalls eine gute Leistung. Natürlich sollte ein solch einzelner Test nicht überbewertet werden, daher haben wir unsere Standardrunde um eine kleine Tour erweitert, welche in ein enges Tal mit entsprechend schwierigen Empfangsbedingungen führt:

Auf diesem anspruchsvollen Kurs müssen sich die beiden NavGear-Geräte dem Garmin eTrex 10 dann doch geschlagen geben, machen aber insgesamt auch in diesem schwierigen Terrain eine sehr gute Figur und liegen deutlich vor der Garmin epix und auch dem Smartphone CAT S30.

Insgesamt hat uns der sehr gute Empfang der beiden Geräte positiv überrascht und macht die Geräte dank der langen Akkulaufzeit und der geringen Baugröße zum idealen GPS-Logger.

Höhenmesser

oc400_hoehenmesserEntgegen der Werbeversprechen besitzt nur das OC-400 (GP102) einen barometrischen Höhenmesser. Das OC-500 zeigt zwar ebenfalls die aktuelle GPS-Höhe an, trotzdem ist die Höhenermittlung über das GPS-Signal weniger genau und macht ein realistisches Summieren der Höhenmeter unmöglich.

Der barometrische Höhenmesser des OC-400 lässt sich automatisch per GPS oder manuell kalibrieren. Leider konnten wir gegenüber dem OC-500 keine wesentliche Verbesserung der gemessenen Höhe feststellen. Die Höhenaufzeichnung im Track des OC-400 wirkt eher wie die Aufzeichnung der GPS-Höhe.

Die Höhenwerte aus dem Track stimmen nur bei Start und Ziel einigermaßen mit den Werten der Garmin epix überein, welche die Höhe sehr nahe an den tatsächlichen Verhältnissen wiedergibt.

Insgesamt konnte uns aufgrund der nicht immer plausiblen Werte keines der beiden Geräte in Bezug auf die Höhenmessung vollständig überzeugen. Die Summe der Höhenmeter lag jedoch beim OC-400 erwartungsgemäß näher an der Realität als beim OC-500, welcher meist deutlich zu viel Höhe aufsummierte.

hoehe

Schrittzähler

Ebenfalls entgegen den Werbeversprechen (Stand Nov. 2015) und der Aufschrift auf der Verpackung verfügt das OC-500 über keinen Schrittzähler. Das kleinere OC-400 (baugleich mit GP-102+) verfügt über einen Schrittzähler, welcher die Schritte bei jeder Aktivität zählt. Darüber hinaus gibt es innerhalb des Menüs noch einen zweiten Schrittzähler, welchen man manuell zurücksetzen kann. Eine dauerhafte Schrittzählung mit entsprechender statistischer Auswertung, wie man diese von Fitnesstrackern kennt, ist mit dem OC-400 hingegen nicht möglich.

oc400_schritteDie Qualität der Schrittzählung konnte uns nicht überzeugen. Jede Bewegung wird als Schritt erkannt, ein Filter für alltägliche Bewegungen oder Erschütterungen bei Kfz-Fahrten  gibt es nicht. Im normalen Alltag werden daher deutlich zu viele Schritte gezählt. Wie gut sich die Schrittzählung der Realität annähert ist stark davon abhängig, wo das NavGear OC-400 getragen wird und ob man sich gehend oder laufend fortbewegt. Die Schrittzählung guter Fitnesstracker liegt bei gleichmäßiger Bewegung in der Regel unter einem Prozent. Wir haben jeweils 1000 Schritte gemacht und folgende Werte gemessen:

Gehen in der Hosentasche: 812 Schritte
Gehen in der Hand getragen: 607 Schritt
Laufen in der Hand getragen: 970 Schritte
Laufen in der Hosentasche: 920 Schritte

Während im Alltag wesentlich zu viele Schritte gezählt werden, verhält es sich bei sportlicher Betätigung genau andersherum, es werden in der Regel zu wenige Schritte gezählt. Insgesamt sind die Werte nicht zuverlässig und der Schrittzähler daher in der Praxis nicht sinnvoll einsetzbar.

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6 Kommentare zu “NavGear OC-400 und OC-500 im Test

  1. Vielen Dank für den aufschlussreichen Test. Die fehlenden Features des OC-500 bestätigen meine Vermutung. Erstaunlicherweise konnte nicht einmal Pearl dazu Auskunft geben. Ich hatte kurzzeitig das GP-102+ (=OC-400) und war auch erstaunt über den prinzipiell guten GPS-Empfang. Leider hat es bei meinen Versuchen aber auch im absoluten Stillstand weiter Kilometer gezählt. Ausserdem war der Speicher nach ca. 44000 Punkten voll, was dann doch zu wenig war. Aber als kleiner, einfacher Logger ist er wirklich gut.

  2. Aha, da wird mir einiges klar. Bei meinem variieren auch immer wieder die ergebnisse.
    Danke für den Test.

  3. Ich möchte das oc 500 nur für die Navigation in der Stadt verwenden. Z.B wenn ich in einer Stadt mein Auto abstelle und dann zu Fuß durch die Stadt gehe,soll mich das Gerät anschließend wieder zurück zu meinem Auto führen. Es müssen dazu die Straßennamen angezeigt werden.Es sollte darüber hinaus als navigations Hilfe dienen wenn ich mit dem Fahrrad zwischen den Städten unterwegs bin. Z.B. bin in München in der Altstadt und möchte mit dem Rad nach Dachau fahren. Ist das mit dem Gerät möglich, wenn nicht, können Sie mir bitte Alternativen nennen. Vielen Dank

    1. Hallo Helmut,

      für den genannten Zweck ist keines der Geräte geeignet. Schau Dir da eher mal die Outdoor-Geräte von Garmin, Falk oder das Teasi an.

      Gruß,
      Benni

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